In einem Regionalzug zwischen Schwäbisch Hall und Öhringen kam es am 16. März dieses Jahres zu einem erschreckenden Vorfall: Ein Fahrgast schlug wütend mehrfach auf seine verängstigte Ehefrau ein. Andere Zugreisende kamen der Frau zu Hilfe. Sie blutete unter ihrem rechten Auge. Der gewalttätige Mann stieg in Waldenburg aus und wurde von der Polizei gestellt. Die Risswunde der Frau musste später genäht werden.

Jetzt war der 54-jährige Täter wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Haller Amtsgericht angeklagt. Der Familienvater kommt aus dem Irak. Rechts neben dem grauhaarigen Brillenträger sitzt eine Dolmetscherin für die arabische Sprache, links sein Verteidiger Hans-Marc Hünefeld aus Stuttgart. Als Asylbewerber kam der Iraker im Juli vergangenen Jahres mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach Deutschland. Sein Verfahren läuft noch, die Chancen für eine Anerkennung als Asylberechtigter stehen nach einer ersten Ablehnung aber nicht gut.

Schwäbisch Hall

Inzwischen hat der 54-Jährige das Haller Landratsamt darüber informiert, dass er mit seinen beiden Söhnen in den Irak zurückkehren wolle. Seine 42-jährige Ehefrau allerdings möchte in Deutschland bleiben. Sie lebt inzwischen getrennt von ihm.

Während der Bahnfahrt

Vor diesem Hintergrund ist es während der Bahnfahrt auf Höhe von Wackershofen zum Streit der Eheleute gekommen. Der Iraker soll einen gefalteten schwarzen Taschenschirm in der Hand gehabt haben, als er zuschlug. Dem widerspricht der Angeklagte vor Gericht allerdings. „Ich habe meine Frau mit der Hand geschlagen, nicht mit dem Regenschirm“, übersetzt die Dolmetscherin.

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Das Amtsgericht vernimmt einen Mitreisenden (37), der ein kleines schwarzes Utensil in der Hand des Mannes gesehen hat. Vielleicht war es der Taschenschirm, der in der Anklageschrift genannt wird. Ob der Angeklagte damit zugeschlagen hat, bleibt in der Verhandlung strittig. Der 54-Jährige selbst schildert sein Vorgehen mit den Worten: „Der erste Schlag war erst einmal eine Ohrfeige, der zweite Schlag kam mit der Faust, der dritte Schlag kam nicht zustande.“

Die Frau selbst möchte sich als Zeugin zu dem Vorfall nicht äußern. Sie wirkt eingeschüchtert. Seit ihrer Ankunft in Deutschland hat sie besser Deutsch gelernt als ihr Noch-Ehemann. Angeblich hat die 42-Jährige gegen eine Rückkehr ihrer Söhne ohne sie in den Irak nichts einzuwenden.

Ein Polizeibeamter (59), der sich am Öhringer Bahnhof um die verletzte Frau gekümmert hat, berichtet über die Wunde schräg unter dem rechten Auge: „Sie war zwei bis drei Zentimter groß, aber tief. Man hat das Fleisch gesehen.“ Der Beamte rief den Notarzt.

„Es tut mir leid“, sagt der Angeklagte und verweist angesichts der gescheiterten Ehe  auf die beiden halbwüchsigen Söhne: „Das Wichtigste ist, dass es den Kindern gut geht.“ Staatsanwalt Lukas Zanzinger fordert acht Monate Haft mit Bewährung. Er geht davon aus, dass der Iraker mit dem Taschenschirm zugeschlagen hat. Der Schirm sei in diesem Zusammenhang ein „gefährlicher Gegenstand“.

Nicht nachzuweisen

Verteidiger Hünefeld wendet sich dagegen. Er plädiert dafür, dass sein Mandant nur eine Geldstrafe bekommt: „Es war ihm nicht nachzuweisen, dass er den Schirm zum Einsatz gebracht hat!“ So sieht es auch Richter Jens Brunkhorst. Er verhängt eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu acht Euro, also 400 Euro. Auch ohne Schirm, nur mit der Faust, könne die Verletzung der Frau unter dem Auge entstanden sein, sagt Brunkhorst. Es sei eine Wunde, „wie sie typischerweise auch immer bei Boxkämpfen zu sehen ist“.