Kammermusik Eine Vorliebe für heitere Kompositionen

Zwei Mitglieder des Ensembles Corrélatif: Anne Steinbach am Fagott, dahinter Marion Klotz an der Oboe.
Zwei Mitglieder des Ensembles Corrélatif: Anne Steinbach am Fagott, dahinter Marion Klotz an der Oboe. © Foto: Hans Kumpf
Schwäbisch Hall / Daniel Hartmann 14.11.2018
Das Ensemble Corrélatif gestaltet mit wenig bekannten Werken einen stimmungsvollen Konzertabend in der voll besetzten Arche des Haller Sonnenhofs.

Es sind musikalische Geschichten, die das Ensemble auf seinen Holzblasinstrumenten erzählt: Christian Strube auf der Flöte, Marion Klotz auf der Oboe, Anne Steinbach am Fagott und Matthias Beltz auf der Klarinette. Tatsächlich gibt es nur wenige Originalkompositionen für diese Instrumentengruppe und weltweit auch nur wenige professionell arbeitende Formationen.

Aber die vier Künstler sind nicht nur deswegen etwas Besonderes, sondern auch, weil sie so spielen, dass die Instrumente ständig in einer wechselseitig bedingenden – also korrelativen – Beziehung sind. Insofern ist der Gruppenname Programm. Dass ein Holzblasensemble mit einem perfekt abgestimmten Klangbild aufwartet, ist selbstverständlich. Indem jedes einzelne Mitglied nun in die jeweiligen Stücke so einführt, dass mit und in der Musik gleichsam Geschichten für die Zuhörer entstehen, ist eine willkommene Beigabe.

Andante für Orgelwalzen

Gleich die erste Musik des Abends, Mozarts Andante in F-Dur, KV 616, erzählt eine bildreiche Geschichte. Sie wurde für Wachsfiguren geschrieben und in einem Kabinett von Orgelwalzen abgespielt. Man „sieht“ mit der sanften Melodie förmlich die „kleine Orgel in einer Uhr“, für die sie komponiert wurde. Mit dem Bläserquartett „Aubade“ des rumänischen Komponisten Dinu Lipatti (1917–1950) wird die Musikwelt des 20. Jahrhunderts betreten. Die rein tonale Komposition des „Morgenständchens“ klingt trotz ihrer sehr unterschiedlichen vier Sätze im Ganzen sehr ausgewogen und homogen. So bezeichnete ein Zeitgenosse Lipattis – als ob er seinen frühen Tod vorausahnte – diese Musik auch als „losgelöst von jeder Erdenschwere.“. In den folgenden sechs „Humoristischen Bagatellen“ des Dänen Carl Nielsen (1865–1931) zeigt das Ensemble seine Vorliebe für liebenswürdige, heitere Kompositionen.

Die Werke für Holzbläser des Franzosen Eugène Bozza (1905–1961) schätzt das Ensemble besonders, weil er es verstand, sich in die Ausdrucksmöglichkeiten des jeweiligen Instruments hineinzufühlen. Mit den „Trois pièces pour une musique de nuit“ gelingt es den Musikern, die Hörer vollständig in die Klangwelt der Holzblasinstrumente einzubeziehen. Im Andantino eröffnet zuerst das Fagott mit einem schlichten Auftakt, Oboe und Klarinette kommen, sozusagen einen Klangteppich bildend, dazu, auf dem die Flöte dann gewissermaßen das farbige Bild einer Melodie malt. Die Instrumente wechseln sich nun in Stimmführung und begleitender Untermalung rasch ab, sodass ein ineinandergreifendes, kunstvolles Miteinander wechselseitiger Beziehungen entsteht – ein „Corrélatif“.

Im Allegro vivo steigert sich das Zusammenspiel zu einem virtuosen Wettstreit. Im choralartigen Moderato schließlich findet die Musik zur Ruhe. Auch mit Joseph Laubers (1864–1952) „Quartett im Schweizer Volkston“ erklingt ein Werk, das eine ausgereifte Komposition darstellt. Engelbert Humperdincks (1854–1921) weithin bekannte Lieder aus der Oper „Hänsel und Gretel“ schließlich beenden ein vielseitiges Programm, das das Publikum der voll besetzten Arche mit reichlich Applaus belohnt.

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