Erfolg Eine Miss World der Terrierdamen

Holger Ströbel 10.01.2018

Es ist nicht zu übersehen: Hier wohnt Kim. Das Konterfei eines Airedale-Terriers hängt in voller Lebensgröße an der Hauswand. Neben der Eingangstür hängt ein Messingschild, es zeigt einen Terrier. Diese Familie muss in die englische Hunderasse vernarrt sein. Frauchen öffnet die Tür und gibt den Blick in das lichtdurchflutete Haus frei. Hinter einem Metalltor im Windfang stehen Jack, Kim und Leo, stecken ihre Schnauze durchs Gitter und schauen den Besucher mit ihren braunen Augen aufmerksam an.

Ihre Schädel sind langgezogen und eckig. Ihre kleinen, dreieckigen Ohren schwingen mit, wenn sie in großen Sätzen durchs Haus jagen. Henrik rennt mittendrin mit. Der Erstklässler hat jetzt keine Lust mehr, Hausaufgaben zu machen, zudem kommt jetzt ein Trickfilm im Fernsehen. Die Hunde verteilen sich auf dem Fußboden. Zwei sitzen aufrecht und schauen mit Henrik den Film an.

Internationale Konkurrenz

Juno interessiert sich für den Gast, streicht ihm um die Beine, und sobald dieser Platz genommen hat, zeigt sie ihm mit einem feuchten Schleck ihre volle Sympathie. Ihr Willkommensgruß im Rudel? Ihr Fell ist teddyweich, dazu der treue Hundeblick. „Mit dieser Rasse kann man alles machen“, sagt Gero Hecklin.

Der promovierte Mathematiker kam durch seine Frau auf den Hund. „Ich hatte als Kind einen Welsh Terrier und wollte Tierärztin werden,“ erzählt Kerstin Hecklin. Der Berufswunsch scheiterte an einer Allergie, die Liebe zum Vierbeiner blieb. Als ihre Anka starb, „bemerkten wir, dass wir nicht ohne Hund sein können.“ Gero Hecklin lächelt. Sie schafften sich einen Rüden an, dann ein Weibchen, der erste Wurf, der zweite. Heute sind Hecklins beim Buchstaben Q angekommen, dem Wurf Nummer 18. „Wir suchen uns die Leute gut aus, denen wir unsere Hunde verkaufen“, erklärt Kerstin Hecklin.

Ihre Terrier haben nicht nur eine Ahnentafel vorzuweisen, sondern eine lange Liste an Erfolgen, Auszeichnungen und Preisen auf Bundes- und Europaebene, und jetzt der dritte Preis bei der Weltausstellung in Leipzig. 90 000 Besucher hatte die Messe.

31 000 Vierbeiner von 330 Rassen aus 73 Nationen waren vertreten. Mit Kim liefen Konkurrentinnen aus Finnland, Russland, Polen, Spanien und Italien, insgesamt 32 Airedale-Terrier-Hündinnen. Für Frauchen war der Wettbewerb sehr anstrengend. „Kim war mit Frauchen 40 Minuten im Ring und musste sich wie ein Model von der besten Seite präsentieren. Dafür muss sie voll bei mir sein, ich brauche ihre volle Aufmerksamkeit.“ Die Richterin aus Großbritannien bewertete die Anatomie, die Bewegung, das Aussehen der Hunde. Die Stimmung bezeichnet das Ehepaar als gigantisch. „Trotz der vielen Zuschauer hätte man eine Stecknadel fallen hören können.“

Im Januar habe sie mit den Vorbereitungen begonnen, „und jedes Haar mit der Hand getrimmt“, berichtet die 40-jährige Hundebesitzerin. Die letzten Tage verbrachte Kerstin Hecklin jeden dritten Tag zwei bis zweieinhalb Stunden im Trimmraum, ihrem „Friseursalon“, um Kim haartechnisch ideal vorzubereiten. Sie ist stolz auf Kims Erfolg, „zumal sie im Frühjahr ihren ersten Wurf hatte“. Acht Welpen hat Kim bereits zur Welt gebracht. Sie räkelt sich vor der Terrassentür. Bei diesem nasskalten Wetter zieht es sie nicht in den Garten. Auf 2000 Quadratmetern kann sich das Rudel dort austoben.

Die Vierbeiner im Haus Hecklin benötigen nicht so viel Zuwendung wie ein Einzelhund. „Sie sind Familienmitglieder, sie dürfen überall hin, außer ins Bett und in die Speisekammer“, sagt das Familienoberhaupt. In den Napf kommt weder Nass- noch Trockenfutter, sondern Fleisch, zerkleinertes Gemüse und Obst. Kora, die Chefin des Rudels, holt sich eine Streicheleinheit ab. Ihre Zähne sind wie die der übrigen Hunde weiß, und keiner der Airedales hat Mundgeruch. Ihr größter Vorteil: Sie haaren nicht. Nicht grundlos werden sie als Könige der Terrier bezeichnet. „Sie sind majestätisch“, meint Kerstin Hecklin.

Schüler lieben Leo

Ihre Begeisterung für Vierbeiner und speziell den Airedale-Terrier hat sie bereits an ihre Schüler am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium Murrhardt weitergegeben. Diese liebten es, wenn ihre Lehrerin Leo in den Unterricht mitbringt. „Wenn ich mit ihr auftauche, verstummt das Geschrei, dann fliegt nichts mehr rum, die Kinder nehmen ihre Sachen in die Hand und grüßen freundlich: Guten Morgen, Frau Hecklin“, erzählt die zweifache Mutter. Die Schulhündin sorge für Harmonie im Klassenzimmer. „Die Kinder, die am meisten Angst hatten, sind heute die, die mit Leo Gassi gehen.“

Nächstes Jahr fährt sie mit ihrer Klasse ins Schullandheim. Als die Schüler allerdings erfuhren, dass dort kein Hund erlaubt ist, wollten sie nicht fahren. Ihre Lehrerin hat jedoch eine Ausnahmeerlaubnis erhalten „und wir fahren mit Leo. Sie gehört zur Klassengemeinschaft dazu.“ Kerstin und Gero Hecklin haben keine Sicherheitsbedenken. „Unsere Hunde sind uns in die Hand geboren und leben mit uns und den Kindern zusammen“, sagt sie und tätschelt ihre Leo. Sie trottet davon, legt sich hin. Gleich gibt’s Abendessen, Gemüse und Fleisch vom Feinsten.

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