Mainhardt Eine integre Familie

Der Gedenkstein von 2016 und die neue Tafel in Steinbrück, im Hintergrund das Geburtshaus von Robert Scholl.
Der Gedenkstein von 2016 und die neue Tafel in Steinbrück, im Hintergrund das Geburtshaus von Robert Scholl. © Foto: s
Mainhardt / Maya Peters 11.10.2018
Die als Widerstandskämpfer hingerichteten Geschwister Scholl haben ihre Wurzeln in Hohenlohe. An sie erinnern nun auch eine Tafel und ein Zaunprojekt am großväterlilchen Haus in Steinbrück bei Geißelhardt.

Wir leben an einem kraftvollen Platz mit einer tiefen Geschichte“, findet Meike Awe. Sie wohnt seit drei Jahren mit Freunden und Familie im Geburtshaus von Robert Scholl zur Miete. „Scholl-Hof“ haben sie daran geschrieben. Denn der Vater der bekannten Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl, die synonym für die „Weiße Rose“ stehen, wuchs im kleinen Weiler Steinbrück bei Geißelhardt, einem Mainhardter Teilort, auf. Scholls Eltern waren Kleinbauern. Regelmäßig sei Robert mit der Familie zu Besuch gekommen. Auf den Wiesen hinterm Haus habe er einst mit Hans gespielt, erzählte dessen Jugendfreund und spätere Eigentümer des Anwesens, Erich Auwärter (gestorben 2016).

Schaukästen für Fundstücke

„Ich find das total schön, dass wir hier gelandet sind“, blickt Meike Awe versonnen in den herbstlichen Garten und zählt auf, was sie mit der Familie Scholl verbindet: „Integrität, Mut, Menschenliebe, Werte, Glaube und die Bereitschaft, dafür zu sterben“. Immer mal wieder kämen Touristen und Menschen aus der Umgebung bei ihnen vorbei, berichtet sie lächelnd. Deren Erzählungen würde sie gerne ausstellen. Bei der Renovierung des Bauernhauses tauchten immer wieder interessante Fundstücke wie alte Rechnungen und Gegenstände auf. Die Gruppe plane, dafür noch Schaukästen zu errichten.

Ihr „Zaun der Geschichte“ steht bereits. „Wir wollten was erschaffen, das man sehen kann“, erklärt Awe. Auf den Brettern sind die Konterfeie von Robert, Hans und Sophie mit bekannten Zitaten wie „Was wir schrieben und sagten, das denken sie alle ja auch, nur haben sie nicht den Mut, es auszusprechen“ (Sophie Scholl, 1943) aufgemalt. Die Zitate sind auch ins Englische übersetzt worden. Erst kürzlich seien fünf Reisende aus Israel auf den Spuren der Scholls da gewesen, freut sich Awe über das internationale Interesse.

Weitere Tafel geplant

Seit kurzem steht am nahe gelegenen Limes-Wanderweg neben dem 2016 errichteten Gedenkstein für die Geschwister Scholl eine ergänzende Tafel. Darauf wird bebildert auf das Geburtshaus von Robert Scholl hingewiesen, und es wird an markante Daten erinnert. Vor dem Gotteshaus, in dem Vater Scholl getauft wie konfirmiert wurde und auch geheiratet hat, werde diesen Herbst eine weitere Infotafel aufgestellt, so der Geißelhardter Ortsvorsteher Heiko Nagel.

„Die Tafel und die Stele ergänzen sich sehr gut. Wenn das Laub der Bäume vollends abgefallen ist, hat man eine gute Sicht auf das Wohnhaus“, freut er sich über den Abschluss des langjährigen Projekts der ehrenamtlichen Arbeitsgruppe aus Kirchen- und Ortschaftsräten. Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, stärker an die familiären Wurzeln der Familie Scholl in Steinbrück und Geißelhardt zu erinnern.

Die Wurzeln der Familie Scholl in Hohenlohe

Hans Scholl wurde 1918 in Ingersheim an der Jagst geboren. Er war das zweite von sechs Kindern von Robert und Lina Scholl. Sophie Scholl kam 1921 in Forchtenberg zur Welt, wo die Familie bis 1930 lebte. Mit Flugblättern kämpften Hans und Sophie Scholl als Studenten gegen das NS-Regime. Sie waren Teil der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Vor 75 Jahre, am 22. Februar 1943, wurden die Geschwister und ihr Studienkollege Christoph Probst dafür von den Nationalsozialisten hingerichtet.

Robert Scholl (1891 bis 1973), der Vater der Geschwister, war Verwaltungsbeamter und stammte aus dem Weiler Steinbrück bei Mainhardt-Geißelhardt. Seine Gegnerschaft zum Nationalsozialismus hat ihm Gefängnisstrafen eingebracht. Der begabte Robert Scholl besuchte als fünftes von elf Kindern die höhere Schule. Er lernte unter anderem auf dem Rathaus in Geißelhardt. Seine Frau Magdalena (1881 bis 1958), geborene Müller, wurde Lina genannt. Sie stammte aus Künzelsau und arbeitete im Diak in Schwäbisch Hall als Krankenschwester.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel