Braunsbach/Orlach Weg für nächste Unwetterkatastrophe sichern

Braunsbach/Orlach / Norbert Acker 18.07.2018
Bei Orlach wird eine gigantische Hochwasserschutzmaßnahme realisiert. Die Landestraße Richtung Braunsbach wird parallel saniert und der Hang gesichert. Im September soll alles fertig sein.

Bürgermeister Frank Harsch parkt seinen Wagen kurz hinter Orlach an der Landesstraße Richtung Braunsbach. Er zieht Gummistiefel und Feuerwehrjacke über und geht ein Stück talwärts. Dort herrscht seit April viel Betrieb. Arbeiter des Satteldorfer Unternehmens Leonhard Weiss sind damit beschäftigt, den Orlacher Bach auszubauen und die Straße zu befestigen. „Das ist eine gemeinsame Maßnahme vom Land und uns“, erklärt Harsch, während ein Bagger an ihm vorbeifährt. „Wir übernehmen etwa 60 Prozent der Kosten, vor allem den Straßenbau“, ergänzt Jürgen Elßer vom Regierungspräsidium Stuttgart bei der Baustellenbe­gehung. Die Gemeinde bekommt laut Harsch Zuschüsse aus der Wasserwirtschaft, Eigenmittel werden aus der 12-Millionen-Euro-Sonderlinie Braunsbach finanziert. Da Bach und Straße so nah aneinanderliegen, habe eine gemeinsame Ausschreibung Sinn gemacht, so Harsch. Ebenso die parallele Ausführung.

Der Bachlauf bei Orlach hat sich im Vergleich zum Zustand nach der Sturzflut vom 19. Mai 2016 enorm verändert. Die Wassermassen hatten die dort Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute Bachsicherung zu rund 90 Prozent ins Tal gespült. Das Bett musste erst auf rund 350 Metern fünf Meter angehoben werden. „Das war eine tolle Sache, was die damals gemacht haben“, sagt Elßer. „Und das zum größten Teil in Handarbeit.“ Die jetzige Planung und deren Ausführung seien aber genauso eine „ingenieurtechnische Herausforderung“, die gemeinsam gemeistert werde.

Für das neue Bachbett sind mittlerweile 2800 Tonnen Wasserbausteine verbaut, sagt Martin Ziegler, Projektleiter von Leonhard Weiss. Drei Lieferungen aus Steinbrüchen seien dafür nötig gewesen. Rund 180 Tonnen an Bindemitteln und 900 Kubikmeter Beton wurden benötigt. Eine erste Bewährungsprobe habe das neue Bachbett, das am Ende das Wasser in ein fünf Meter tiefer gelegenes Tosbecken zur Energieumwandlung leitet, schon bestanden. „Der schwere Regen am 12. Juni ist hier gut durchgegangen“, so der Ingenieur.

Der nächste Teil des Gemeinschaftsprojekts von Kommune und Land zeigt sich beim Blick Richtung Landesstraße. Der Hang, der nach der Sturzflut abzurutschen drohte, wird umfangreich abgesichert. Laster um Laster fahren heran und laden neue Erde ab. „Diese wird dann mit einem Gittergeflecht aus doppelt gedrehtem Stahldraht bewehrt“, erklärt Ziegler. Ein Verfahren, das in schwierigem Gelände oft zum Einsatz komme. Vier Arbeiter sind zurzeit mit drei Maschinen damit beschäftigt, diese Bewehrung zu bauen. „Es war aber auch noch viel schwereres Gerät im Einsatz“, erinnert sich der Bürgermeister.

Mit der Verdolung gings los

Denn begonnen hat alles mit einer 68 Meter langen Verdolung, die das Wasser von der Ebene unterirdisch ins Bachbett leitet. „Das ist viel größer dimensioniert als vorher“, sagt Projektleiter Ziegler. Die Rohre hätten einen Durchmesser von 1,6 Metern. Nach dem Abschluss der Verdolung ging es an den Bachlauf und das Tosbecken, zum Ende an die Straßen- und Hangsanierung.

Der Abschluss der Bauarbeiten ist für den kommenden September angestrebt. „Die Dimensionen kann man sich nur vorstellen, wenn man es mit eigenen Augen sieht“, sagt der Bürgermeister abschließend. „Aber Vorsicht, es ist immer noch eine Baustelle und man kann nicht mit dem Auto ran fahren.“ Die Landesstraße sei ja auch immer noch gesperrt.

Weitere Zahlen und die voraussichtlichen Kosten der Maßnahme bei Orlach

Die Arbeiter von Leonhard Weiss haben zuerst Bäume und Totholz auf rund 1700 Quadratmetern abgeräumt. Die Aushubarbeiten für die Straße umfassen 700 Kubikmeter, die für die Gabionen (mit Steinen gefüllte Drahtkörbe) 1400 und für die Straßenböschung rund 3100 Kubikmeter. Im Bach sind 2000 Kubikmeter ausgehoben worden. 500 Kubikmeter einer bestehenden Gabionenmauer mussten abgebrochen werden.

Das Bauunternehmen geht mittlerweile von einer Abrechnungssumme von rund 1,650 Millionen Euro aus, die  Auftragssumme lag bei 1,397 Millionen Euro. „Insgesamt liegen wir am Ende sicher bei 2 Millionen“, sagt Jürgen Elßer vom RP.  Bei einer solch großen Maßnahme käme immer was dazu, erklärt Bürgermeister Frank Harsch. Außerdem müssten auch noch die Ingenieurskosten eingerechnet werden. noa

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