Kurz vor 14 Uhr haben sich am Samstag rund 100 Interessierte vor einer Scheune auf dem Gelände des Freilandmuseums versammelt. Spannung liegt in der Luft. Kein Wunder, denn heute werden beim traditionellen Schlachtfest authentische Hausschlachtungen vorgeführt. Und authentisch ist es definitiv. In der Scheune wartet eine Schwäbisch Hällische Sau in einem Viehanhänger auf ihren letzten Weg. Veterinär Yüksel Gündogan bahnt sich einen Weg durch die Reihen. Das Beisam eines Tierarztes ist gesetzlich vorgeschrieben, er muss vor der Schlachtung die sogenannte „Lebendbeschau“ vornehmen. „Kranke Tiere werden nicht geschlachtet“, erklärt er noch schnell, dann verschwindet er in der Scheune. Das Tor schließt sich quietschend. Ein dumpfer Knall ist zu hören, die 115 Kilogramm schwere Sau ist betäubt zu Boden gegangen. Innen hört man gedämpfte Stimmen, das Tier wird „gestochen“. Dann wird der Anhänger aus der Scheune gezogen, die Sau lebt nicht mehr.

Mit vereinten Kräften wuchten die Metzger das leblose Tier in eine Wanne. Es wird mit kochendem Wasser übergossen. Ein Schlachter streut noch ein hellbraunes Pulver drauf. Gewürze? „Nein, das sogenanntes Brühpech“, erklärt Heinz Kugele, der „Büttel“ des Freilandmuseums. „Damit lassen sich die Haar leichter entfernen.“ Damit beginnen die Metzger auch sogleich. Das für die Haller Landschweine charakteristische schwarz-weiße Fell verschwindet, die Sau ist schnell völlig enthaart. Die Ohren werden abgeschnitten, dann wird sie aufgehängt. Ein Schlachter entnimmt die Eingeweide Stück für Stück und übergibt sie an Veterinär Gündogan. Seine Aufgabe ist noch nicht beendet: Nun ist die „Fleischbeschau“ an der Reihe. Am Zustand der inneren Organe kann er feststellen, ob das Tier gesund war und zum Verzehr verarbeitet werden darf. Auch heute ist alles in Ordnung, der Tierarzt gibt sein OK. „Es ist hier glaube ich noch nie passiert, dass ein Schwein nicht verarbeitet werden darf“, erzählt Steffi Kugele aus Gailenkirchen, die seit 32 Jahren ehrenamtlich im Freilandmuseum mitarbeitet. Auch heute hat sie eine Schürze um. „Ich assistiere aber nur.“

In zwei Teile geschnitten

Rund 30 Leute sind insgesamt an den ganzen Vorgängen beteiligt, erzählt Heinz Kugele. Die einen unterstützen die Metzger, die anderen kümmern sich um das heiße Wasser und so weiter. Mittlerweile haben die Schlachter mit dem Zerteilen des Tiers begonnen. Es wird mit Messern und Fleischerbeil in zwei Teile geschnitten. Der siebenjährige Lasse Hannemann steht mit seinem Skateboard in der Hand in sicherem Abstand und schaut mit großen Augen zu. „Ich habe so was schon mal gesehen“, erzählt er. „Das macht mir nichts aus.“ Er löchert Steffi Kugele mit Fragen, die sie gern beantwortet.

Den meisten Zuschauern und Besuchern im Museum scheint es so zu gehen wie Lasse. Smartphones und Kameras halten neugierig alle Arbeitsschritte der Metzger und ihrer Helfer fest. An Ständen finden frisch geschlachtete Schweineteile und Wurst guten Absatz, selbstverständlich wird auch eine Schlachtplatte angeboten. Der frönt auch Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim.

Zum Abschluss bekommen die an der Schlachtung beteiligten noch einen Schnaps. Dann wird die Sau weggefahren. Verarbeitet werden darf sie nämlich laut EU-Richtlinien nicht am Ort der Hausschlachtung. Zwei Sauen sind am Samstag in Wackershofen geschlachtet worden, der Vorrat an frischen Produkten vom Schwäbisch Hällischen Landschwein hat auch noch am Sonntag gehalten. Mehrere 100 Besucher haben sich das Schlachtfest an den beiden Tagen nicht entgehen lassen. Der Parkplatz des Freilandmuseums war immer gut gefüllt. Genaue Besucherzahlen könne man aber noch nicht nennen, sagte eine Museumsmitarbeiterin am Sonntag.

Außerhalb gewerblicher Schlachtstätten


Als Hausschlachtung wird in Deutschland eine Schlachtung außerhalb gewerblicher Schlachtstätten bezeichnet. In der Regel finden diese Schlachtungen am Hof des Tierbesitzers statt. Das dabei „erschlachtete“ Fleisch darf ausschließlich im eigenen Haushalt des Tierbesitzers verwendet werden. Typisches Tier für eine Hausschlachtung ist das Schwein, doch auch Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde, Hühner, Kaninchen und Esel werden geschlachtet.