Albrecht Schupp hatte früher Fleckvieh im Stall stehen, mit der Aussiedlung seines Hofes stellte der Landwirt aus Gaildorf-Unterrot auf Mutterkuhhaltung um. Auf der Suche nach einer neuen passenden Rasse und nach Experimenten mit Angus-Rindern kam er auf die alte Limpurger Rasse. Schnell wurde ihm bewusst, dass dies eine erhaltenswerte Sache und ein Stück Kulturgut ist. Auch für die nachfolgenden Generationen ist ihm die Erhaltung dieser Tierrasse ein wichtiges Anliegen, und er sieht seine Generation in der Verantwortung.

1994 hat er die Zucht aufgenommen. Es war nicht immer leicht und manchmal wurde er auch von Großzüchtern belächelt, aber heute ist er sehr stolz, durchgehalten zu haben. 20 Tiere, zehn Mutterkühe mit Nachzucht und einem Deckbullen, weiden inzwischen an den Hängen inmitten der Limpurger Berge. Durchschnittlich bleibt eine Mutterkuh um die zehn Jahre auf seinem Hof und bekommt jedes Jahr ein Kalb. Von April bis November sind Albrecht Schupps Herden auf den Wiesen. Über den Winter sind sie im Stall und bekommen ausschließlich Heu. Auf Silage verzichtet der Landwirt gänzlich und so schmeckt auch das Fleisch seiner Weideochsen. Wissenswert ist auch, dass dieses Fleisch durch das Zusammenspiel von Sonne und Gras wichtige Omega-3-Fettsäuren enthält.

Gastwirt Ulrich Oesterle vom „Kocherbähnle“ in Unterrot weiß die besondere Fleischqualität zu schätzen. Ein großer Vorteil ist für ihn die Verarbeitung des ganzen Rindes. Vor Kurzem kehrte der Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, zum Mittagstisch im Kocherbähnle ein. Das Gericht vom Limpurger Weiderind stammte aus der Zucht von Albrecht Schupp.

In Frankreich als „Boeuf de Hohenlohe“ berühmt

Die Europäische Kommission hat den „Weideochsen vom Limpurger Rind“ in die Liste der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschützten geografischen Angaben aufgenommen. Dass es diese Rinderrasse überhaupt noch gibt, ist vor allem engagierten Landwirten aus der Region zu verdanken, die sich in der Züchtervereinigung Limpurger Rind zusammengeschlossen haben.

Das einfarbig gelbe oder gelbrote Vieh ist in den Limpurger Bergen, dem Leintal, dem Welzheimer Wald und dem Ostalb-Vorland beheimatet. In den kleinbäuerlichen, oft sehr kargen Verhältnissen mit hängigem Gelände bildete sich eine diesen Anforderungen im besonderen Maße angepasste bodenständige Rinderrasse heraus. Im Vordergrund stand die Eignung als Zugtier, bei gleichzeitig guter Milchleistung. In kleinen Betrieben war der Einsatz von Pferden und Ochsen oft unrentabel, dadurch wurden die Kühe bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts zu Gespannarbeiten bei der Ernte, beim Ackern und im Wald herangezogen. Die besondere Fleischqualität und der feine Knochenbau werden seit jeher sehr geschätzt. Schon im 18. Jahrhundert war es in Frankreich so begehrt, dass es unter der Bezeichnung „Boeuf de Hohenlohe“ berühmt wurde.

Anfang der 80er-Jahre galt Rasse als ausgestorben

Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten die Limpurger Rinder ihre Blütezeit, aber bereits 1897 zählte man nur noch 56 000 Tiere. Mit dem Höfesterben hatte auch das Limpurger Rind kaum eine Überlebenschance. Traktoren ersetzten das Zugtier und im Nutztierbereich lieferten Rassen der Rot- und Schwarzbunten und das Fleckvieh weit mehr Milch und Fleisch. 1963 gab es noch einen Bullen und 17 Kühe im Herdbuch und einige mehr in Nicht-Herdbuchbetrieben, dies zog die Auflösung des Limpurger Zuchtverbandes nach sich. Die Rasse galt Anfang der 80er-Jahre als ausgestorben.

Einige Betriebe hielten jedoch an ihren Tieren fest. Dazu zählte auch das Verwalterehepaar Kaiser auf dem Schweizerhof bei Gaildorf-Eutendorf, das bis in die 50er-Jahre dort lebte. Bei ihrem Wegzug nahmen sie die geliebten Limpurger Rinder mit an ihren neuen Wohnort und züchteten die Rasse weiter. Uwe Beisswenger aus Oberrot-Ebersberg nahm die Zucht wieder auf, und auch in Eutendorf finden sich heute wieder Limpurger Kühe. Hier schließt sich der Kreis zum Schweizerhof. Landwirt Fritz Hess hatte die Rinder des inzwischen verstorbenen Verwalterehepaars Kaiser übernommen und die Herde weitergezüchtet.

Ab 1986 wurden durch die Initiativen von Professor Sambraus und Hans Wieland, Mainhardt-Streithag, und mit Unterstützung durch Dr. Dechent und des Tierzuchtamtes Schwäbisch Hall die letzten Limpurger Tiere aufgespürt. Dies führte im Mai 1987 zur Gründung der Züchtervereinigung Limpurger Rind und bereits im Sommer 1987 wurden 56 Kühe ins Limpurger Herdbuch aufgenommen. Seither nahm die Population eine erfreuliche Entwicklung – zum Ende des Jahres 2012 verzeichnete sie knapp 500 Kühe im Herdbuch mit entsprechender Nachzucht in 91 Herdbuchbetrieben. Die Zahl der Milchkühe hält sich seit Jahren konstant mit circa 100 Kühen unter Milchleistungsprüfung. Bei den Mutterkühen erfreuen sich die Limpurger zunehmender Beliebtheit – hier ist jedes Jahr ein Zuwachs zu verzeichnen. Dieser Erfolg ist auch Dieter Kraft, Zuchtleiter der Rinderunion, zu verdanken. Gemeinsam mit den Züchtern hat er die Stabilisierung und den Erhalt der Rasse nachhaltig gesichert. Wichtig ist für ihn, die Verbindung zur Stammheimat, so kann sich der Konsument noch mehr mit den regionalen Produkten identifizieren, deren Wert erkennen und schätzen lernen, denn allein die Nachfrage schafft das Produkt.