Motoren- und Lüftungstechnik Ein weiterer Meilenstein

Die Geschäftsführer Hans Peter Fuchs (Controlling und Finanzen) und Stefan Brandl (Vorsitzender) mit einer Neuheit. Fast die Hälfte aller Produkte sind nicht älter als vier Jahre.
Die Geschäftsführer Hans Peter Fuchs (Controlling und Finanzen) und Stefan Brandl (Vorsitzender) mit einer Neuheit. Fast die Hälfte aller Produkte sind nicht älter als vier Jahre. © Foto: Heribert Lohr
Heribert Lohr 21.06.2018

Es war die zweite Bilanzpressekonferenz, an der Stefan Brandl als Vorsitzender der Geschäftsführung teilnahm, die erste, die unter seiner  Verantwortung stand.

Der Auftritt war für ihn und seinen Geschäftsführungskollegen Hans Peter Fuchs eine leichte Übung, denn einmal mehr konnte der Technologieführer bei Ventilatoren und Motoren mit beachtenswerten Daten aufwarten und im zurückliegenden Geschäftsjahr 2017/18 „seinen globalen Wachstumskurs fortsetzen“.

Die Betonung liegt dabei auf global, denn das Unternehmen konnte, so Stefan Brandl in seiner ausführlichen Erläuterung: „in allen Märkten und allen Geschäftsbereichen zulegen“.

Automotive mit roten Zahlen

In allen? Nicht ganz. Im Geschäftsgebiet Automotive am Standort St. Georgen kommt die Führungsspitze „um eine Restrukturierung nicht herum“. Dazu müssen zunächst auch Arbeitsplätze abgebaut werden, da der Bereich  zuletzt „ein Minus in doppelstelliger Millionenhöhe“ auswies.

Der Stellenabbau soll aber in Absprache mit Betriebsrat und Gewerkschaften sozialverträglich geschehen. „Wir sind in diesem Bereich zu schnell gewachsen und konnten deshalb die Anforderungen nicht effizient genug erfüllen“ erklärt Brandl.  „Das ist ein Geschäftsbereich, der keinen Fehler verzeiht.“

Der guten Gesamtentwicklung tat dies aber keinen Abbruch. Mit einem Umsatz von 2,043 Milliarden Euro (plus 7,5 Prozent) lag das Familienunternehmen erstmals in seiner Historie  jenseits der Zwei-Milliarden-Marke. Hans Peter Fuchs: „Ein Zuwachs von 143 Millionen Euro – das ist eine Hausnummer.“ Sorgen bereiten dem Führungsduo derzeit vor allem Materialengpässe, besonders bei elektronischen Bauteilen, steigende Rohstoffpreise, gerade auch bei Metallen  sowie politische Unsicherheiten, wie etwa dem drohenden Handelsstreit zwischen der USA und dem Rest der Welt.

Letzterem will das Unternehmen auch mit seinem Strategieprogramm „one ebm-papst“ begegnen. Aktuell wird intern an mehr als 30 Projekten gearbeitet, die für mehr Effizienz, mehr Effektivität, eine schnellere Reaktionsfähigkeit und mehr Flexibilität sorgen sollen. Die große Überschrift: „local for local“. Neben Europa baut EBM-Papst dazu  seine Strukturen in den Regionen Asien und Amerika konsequent aus und erhöht dabei auch die Eigenständigkeit in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb und Produktion, um so mehr Marktnähe zu erreichen. Rund 201 Millionen Euro werden im laufenden Geschäftsjahr 18/19 in den weiteren Kapazitätsausbau investiert, unter anderem  im chinesischen Xian, dem fünften Standort in China. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung  sind  für Stefan Brandl von „ganz zentraler Bedeutung“. Rund  sechs Prozent des Umsatzes  wendet das Unternehmen hier direkt auf.  Gerade der Heimatstandort Mulfingen profitiert davon im besonderem Maße. Spätestens im nächsten Jahr soll dort für 41 Millionen Euro ein neues Entwicklungszentrum entstehen.

Denkfabriken gegründet

Um, wie es Stefan Brandl umschreibt, „technologisch immer eine Nasenspitze voraus zu sein“,  investiert EBM-Papst auch in sogenannte „think tanks“. Mit den Denkfabriken in Dortmund sowie in Osnabrück forciert der Motoren- und Ventilatorenhersteller seine  Forschung im Bereich der Digitalisierung sowie der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Rund 20 Forscher sollen „neue kreative Ideen einbringen“ und so „den Blick für neue, zukunftsfähige Geschäftsfelder öffnen“.

Die technologischen Grundlagen für den jüngsten Geschäftserfolg lagen vor allem in den Bereichen Digitalisierung, Aerodynamik und -akustik, energieeffizienten Produktkonzepten sowie dem Ausbau der Elektronik- und Systemfähigkeit. Stefan Brandl: „Wir wollen unseren Kunden künftig neben unseren Produkten verstärkt durchdachte Systemlösungen anbieten.“

Die gute Stellung am Markt schlug sich auch in dem weiteren Anstieg der Belegschaft (plus 717 Personen) nieder. Zum Ende des Geschäftsjahres beschäftigte der Technologieführer bei Ventilatoren und Motoren weltweit exakt 15 115 Mitarbeiter. In Deutschland stieg die Belegschaft im vergangenen Geschäftsjahr von 6519 auf 6852 (plus 333) Personen.

Mulfingen erstmals über der Milliarde

Mulfingen ist Sitz der Unternehmenszentrale. Das Stammhaus, an der die Industrielle Lüftungstechnik beheimatet ist, machte zuletzt einen Umsatz von 1,029 Milliarden Euro (Plus +9,2 Prozent). Die Zahl der Mitarbeiter wuchs um 210 auf 3699  (plus sechs Prozent).

St. Georgen. Das Schwarzwälder Tochterunternehmen mit seinen Standorten St. Georgen, Herbolzheim (Automotive) und Lauf (Getriebe) erwirtschaftete zuletzt 446 Millionen Euro.

Landshut mit den Segmenten Hausgeräteindustrie und Heiztechnik steigerte seinen Umsatz auf 333 Millionen Euro.

EBM-Papst ist der führende Hersteller von Ventilatoren und Motoren. Seit Gründung setzt das Technologieunternehmen kontinuierlich Standards. An 27 Produktionsstätten sowie 48 Vertriebsstandorten beschäftigt die Gruppe über  15 000 Mitarbeiter. Ventilatoren und Motoren des Hohenloher Weltmarktführers sind in vielen Branchen, wie zum Beispiel in der Lüftungs-, Klima- und Kältetechnik, in Haushaltsgeräten, der Heiztechnik oder im Bereich Automotive und Antriebstechnik, zu finden.

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