Im November hat Eduard Wacker mit den Sängern des Gesangvereins Oberaspach im Rittersaal auf Schloss Kirchberg sowie in der Frank’schen Scheune in Oberaspach zwei erfolgreiche Auftritte gefeiert. In der vergangenen Woche dann die schockierende Nachricht: Am Mittwoch, 5. Dezember, fand sein erst 39 Jahre währendes Leben ein jähes Ende. Völlig erschüttert haben die Sänger seiner Chöre in Talheim, Bühlerzell und Oberaspach erfahren müssen, dass ihr Chorleiter gestorben ist.

Mit seinem Tod endete ein Leben, das der Musik verschrieben war. Wacker liebte Hohenlohe: „Die Landschaft hier ist so schön, sie ist schon alle Mühen wert“, sagte er. Jahrelang wohnte er in Vellberg, zuletzt in Crailsheim. Ursprünglich stammte er aus Kirgisien, wo er am 7. September 1979 geboren wurde. Zehn Jahre später wanderte er mit seiner Familie nach Deutschland aus: Satteldorf wurde für ihn, seine Eltern und die Schwester die neue Heimat. Bereits der fünfjährige Eduard lernte Geige. In Deutschland nahm er Klavier- und Gesangsunterricht. Nach dem Abitur am Crailsheimer Albert-Schweitzer-­Gymnasium studierte er Medizin, arbeitete dann als Assistenzarzt in der Kardiologie. Doch nach einem Jahr habe er festgestellt, dass er mit der Musik mehr für die Herzen der Menschen tun könne als mit der Medizin: „Die kommerzialisierte Fließbandmedizin mit all ihren bürokratischen Abläufen hätte mich nicht glücklich machen können.“

Auch politisch hat sich Eduard Wacker engagiert – früher in der CDU, beispielsweise als Beisitzer im Kreisverband. Seit einem Jahr war er als Mitarbeiter im Team des AfD-Landtagsabgeordneten Udo Stein aktiv, der nun auch um einen guten Freund trauert.

„Glücksfall für die Musikszene“

Vor allem hat Wacker die Musik zum Lebensinhalt gewählt: Wenn er von einem Projekt überzeugt war, habe er es mit Energie und Leidenschaft umgesetzt, berichten Weggefährten. Zeitweise studierte er Musik fürs Grundschullehramt an der PH in Schwäbisch Gmünd. Seit 2015 war er als stellvertretender Chormeister im Chorverband Hohenloher Gau aktiv, erzählt Verbandsvorsitzender Gerhard Hauf: „Er war durch und durch von Musik geprägt, und er hat sich enorm viel aufgeladen. Er hatte immer volle Häuser, der Funke ist übergesprungen, die Menschen waren begeistert – ein Glücksfall für unsere Musikszene.“

Eduard Wacker unterrichtete auch Klavier und Gesang. In Sachen Komposition und Harmonielehre war er Autodidakt. Vieles hat er selbst komponiert und arrangiert: zum Beispiel „Hohenlohe, ein Winterzauber“, eine musikalische Hommage an die Landschaft und ihre Menschen, die er vor fünf Jahren mit 30 Sängern sowie 60 Musikern aus der Region in Crailsheim uraufführte.

Davon berichtet auch Hermann Rieger vom Gesangverein Talheim: „Eddie konnte alle begeistern, Menschen mitreißen, er machte den Chorgesang für eine jüngere Sängerschar attraktiv und schaffte es, diese Begeisterung auch wachzuhalten.“ Rieger sprach am Mittwoch bei der Aussegnungsfeier in Satteldorf auch im Namen der anderen von Wacker geleiteten Chöre wie dem Männergesangverein Bühlerzell, dem Chorwerk Oberaspach, dem Männerchor und der Formation Quattro A4 Oberaspach sowie den früheren Wacker-Chöre aus Hausen am Bach, Ruppertshofen, Oberstei­nach und dem Ensemble „Boys in Black“, das Wacker gründete und bis 2016 auch leitete.

„Sensibel und voller Fantasie“

Rund zehn Jahre lang hat sich der Dirigent für das gemeinschaftliche Singen und Musizieren eingesetzt. „Er war ein Vollblutmusiker mit Leidenschaft und Tiefgang, sensibel und voller Fantasie. Und er war vor allem ein großer Romantiker, der auch selber mit beeindruckend ausdrucksstarker Stimme Lieder mitreißend vortragen konnte“, so Rieger.

Eduard Wacker zeigte sich als nimmermüdes Energiebündel, ermutigte seine Sänger, stets „stolz und erhaben“ zu sein. Jeder Chor habe für ihn eine eigene Sängerfamilie bedeutet – eine Gemeinschaft in guten wie in schlechten Zeiten: „Wir haben mit ihm gesungen, gelacht, gefeiert, diskutiert, gestritten, geträumt“, sagt Hermann Rieger: Der 39-Jährige sei ein besonderer Mensch gewesen – „mit Ecken und Kanten, Höhen und Tiefen, herzerfrischendem und ansteckendem Lachen, aber auch tiefer Traurigkeit, mit Stärken und Schwächen, kraftvoll, manchmal aber auch todmüde, auch im Hochsommer mit Krawatte oder Fliege gut ge­kleidet, kritisch gegen sich und andere, immer auf der Suche nach dem Schönen, Besten, Richtigen, selten ruhig, ein bunter Vogel, ein Kind Gottes eben“.

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