Schwäbisch Hall Kibit: Ein Stück Willkommenskultur in Hall

Das Haller Team (von links): Brigitte Steinhauer (Erzieherin), Karin Kücük (Projektleiterin) und Kheira Laribi (ehrenamtliche Unterstützerin).
Das Haller Team (von links): Brigitte Steinhauer (Erzieherin), Karin Kücük (Projektleiterin) und Kheira Laribi (ehrenamtliche Unterstützerin). © Foto: privat
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 01.08.2018
Das internationale Begegnungscafé Kibit lädt Eltern von Grundschulkindern ein. Das Projekt der Arbeiterwohlfahrt will stärken, Austausch fördern.

Mittlerweile treffen sich Gruppen mit sechs Erwachsenen im Schnitt. Das internationale Begegnungscafé Kibit (Kontakt, Integration, Bildung, Information, Teilhabe) öffnet nachmittags alle zwei Wochen an den Grundschulen Hessental und Rollhof sowie an der Parkschule Gaildorf (Infos: www.awo-sha.de).

Das Angebot ist kostenlos, freiwillig und soll die Begegnung und den Austausch von einheimischen und zugewanderten Eltern mit Kindern im Grundschulalter fördern, ein Stück Willkommenskultur, eine Brücke zur Schule sein. „Die Schulen haben einen Migrationsanteil von 60 Prozent“, macht Gerda Rößler zur Auswahl der drei Schulen deutlich, die das Projekt bei der AWO koordiniert. In Gaildorf liegt der Migrationsanteil bei über 50 Prozent. Dort leitet Katharina Deeg das Projekt, in Hall ist es Karin Kücük.

In den Begegnungscafés wächst Vertrauen, treffen sich Mütter und Väter, trinken gemeinsam Kaffee oder Tee, kommen beim Basteln miteinander ins Gespräch. Die Kinder werden derweil betreut. Dabei sind die beiden Projektleiterinnen Karin Kücük und Katharina Deeg sowie eine Erzieherin und Ehrenamtliche mit Migrationshintergrund, die helfen und übersetzen, Orientierung bei schulischen und erzieherischen Fragen geben. Dazu kommen Lehrer und informieren. Die Eltern bekommen so Unterstützung, um einen vertrauensvollen Zugang zur Schule zu entwickeln, damit sie ihre Kinder aktiv auf deren Bildungsweg begleiten können.

Familie aus Syrien

Besonders willkommen sind neu zugewanderte Mütter und Väter mit Fluchterfahrung. Katharina Deeg erzählt von einem Paar, das mit seinen drei Kindern aus Syrien in den Landkreis flüchtete. Die Familie hat Schlimmes erlebt, daheim herrscht Sprachlosigkeit, der Sohn hat Angst. „Den Eltern gelang es nun, sich im Begegnungscafé vor anderen zu öffnen, über das Erlebte zu reden“, sagt die Sozialarbeiterin.

„Die Sprache, das Wissen voneinander und gemeinsame Begegnungen“ sieht Karin Kücük als entscheidend dafür an, dass sich Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund in die Gesellschaft eingliedern, integrieren können. Die studierte Islamwissenschaftlerin übernimmt im Begegnungscafé der Grundschulen Hessental und Rollhof auch Dolmetscherfunktion, denn sie spricht türkisch. Karin Kücük nennt gemeinsame Sommerfeste, Spielenachmittage, um ins Gespräch zu kommen, Vorurteile abzubauen. Der Leiter der Jugendmusikschule war zu Besuch da, hat Angebote vorgestellt. „Es wurden welche angenommen“, freut sich Karin Kücük, dass die Teilhabe an Bildungsangeboten wächst.

„Die Gesamtkosten für das Projekt betragen 120 000 Euro“, informiert AWO-Geschäftsführer Werner Hepp. Das Bundesamt für Migration und Flucht fördert mit 110 000 Euro, den Rest finanziert der Projektträger AWO mit Eigenmitteln. Das gilt für die drei Jahre Laufzeit des Projekts vom 1. Oktober 2017 bis zum 30. September 2020. Drei Stellen sind angedockt – die beiden Projektleiterinnen und eine Erzieherin.

Gerda Rößler wünscht sich eine noch stärkere Durchmischung der Gruppen, so dass noch mehr deutsche Eltern mitmachen. Ideal wäre, wenn sich das Angebot nach drei Jahren selbst tragen würde, es Gruppen gebe, die sich selbstständig treffen.

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