Das Sams aus der Buchreihe von Paul Maar kennt wohl fast jedes Kind. Anders ist es in der Geschichte selbst: Da taucht das kindähnliche Wesen mit rotem Haar, blauen Punkten im Gesicht und Rüsselnase plötzlich auf. Nur Herr Taschenbier erkennt, dass es sich um ein Sams handeln muss. Daraufhin wird der schüchterne Büroangestellte für eine Woche zum Papa des Sams. Das erfüllt ihm zwar zahlreiche Wünsche, stiftet aber auch ganz schön Chaos. So bekommt Taschenbier nicht nur mächtig Ärger mit seiner Vermieterin Frau Rotkohl, sondern erlebt auch sonst allerlei peinliche Situationen. Das heißt aber nicht, dass Herr Taschenbier das Sams nicht lieb gewinnt und es nicht gern bei sich behalten würde.

Bunt, schrill und laut ist die Inszenierung von Regisseur Christian Sunkel. Bunt vor allem in den Kostümen und der Bühnengestaltung von Claudia Rüll Calame-Rosset. Unten drehbare Wände in hellblau, die mal das Zimmer von Herrn Taschenbier, Büro oder Schule sind. Dazu grüner Tisch, roter Stuhl, blaues Bett. Eine Etage weiter oben ein Vorhang mit Waldmotiven, ganz oben ein Banner, das immer den aktuellen Tag anzeigt.

Auf diesen drei Etagen wirbelt das Sams 90 Minuten lang umher. Ungebremst, überdreht, zappelig und lärmend spielt Elisabeth Halikiopoulos das seltsame Wesen. Sie folgt auf Shantia Ullmann, die derzeit schwanger ist. Elisabeth Halikiopoulos isst Krawatten, setzt den ganzen Körper ein und nimmt damit die Zuschauer sofort für sich ein. Das funktioniert im Stück auch bei Herrn Taschenbier, gespielt von Pedro Stirner, der immer mutiger wird und sich bald traut, auch mal etwas kindlicher - wie das Sams - zu sein.

Beeindruckend ist auch die Leistung von Miriam Anna Schwan, die in insgesamt sechs Rollen schlüpft und nicht nur immer wieder die Stimme umstellen, sondern sich auch ständig umziehen muss. Je nach Szene ist sie zum Beispiel die nervige, ständig meckernde Vermieterin Frau Rotkohl, Studienrat Groll oder Taschenbiers Chefin Frau Oberstein, die gleich mal ein paar Rucksäcke anwesender Kinder im Zuschauerraum auf der Suche nach ihrem Schlüssel durchwühlt.

Überdreht, schrill, laut und voller Musik

Unterstützt wird das Sams-Chaos durch die Musik von Ekki Busch und Thomas Unruh als Erzähler und Schüler, der mal mit französischem Akzent, mal mit bayrischem Dialekt auftritt. Die musikalischen Einlagen der beiden sind mitreißend. Das Spektrum reicht von Rap- bis Akkordeonmusik. Dazu gibt es auch mal Tanzeinlagen wie bei Boygroups oder Rockbands. Gespielt wird auf allem, was die Requisiten oder der eigene Körper hergeben: Töpfe, Waschbrett, einer rasselnden Banane oder auch mal auf der eigenen Brust. Dazu gibt es Beatboxing.

Optisch gut funktioniert die Kombination von Musik und Spiel, zum Beispiel wenn im Kaufhaus Chaos entsteht, die Musik immer wieder stoppt und dann die Darsteller kurz wie als Standbild verharren. Kommen aber Sprache und Musik zusammen, ist der Text - ob gesprochen oder gesungen - oft schwer zu verstehen. Und wenn Thomas Unruh als Schüler versucht zu rappen und keine guten Reime zustande bekommt, ist der Witz von Ekki Busch "Jetzt ist deine Reputation im Eimer", für kleinere Kinder wohl schwer zu verstehen.

"Das Sams" ist ein Familienstück. Für die Kinder gibt es Gebrüll, überdrehte Körperkomik und ein sympathisch-verrücktes Sams. Für die Eltern gibt es Komik und zeitgenössische Anspielungen. Etwa, wenn das Sams fragt, warum die Schüler nicht reimen können und als Antwort hört: "Wir machen doch nur G8-Abitur."

So gibt es im Haller Globe-Theater tatsächlich für alle etwas zu lachen. Die kleinen und großen Zuschauer erkennen das mit Zwischenapplaus und stampfenden Füßen am Ende des Stückes an.