Schwäbisch Hall / Maya Peters  Uhr
Richtig Heizen und Lüften schont Geldbeutel und Gesundheit. Die Haller „Wohlfühlkarte“ prüft Luftfeuchte und Temperatur – ein Selbstversuch.

„Rosa!“ Nach dem Aufstehen fällt mein Blick prüfend auf das Plastikkärtchen im Scheckkartenformat. Ein alarmierender Farbcode links oben zeigt gesundheitsschädliche Zustände in Sachen Raumluft an. Auf der Wohlfühlkarte der Stadt Schwäbisch Hall heißt es: „Feucht, bitte lüften.“ Gesagt, getan. Ein kurzes Stoßlüften mit abgeschaltetem Heizkörper lässt die Temperaturangabe auf der Karte kurzfristig von 18 auf 16 Grad sinken. Alles sei wieder „optimal“, entwarnt das Indikatorfeld bald und verfärbt sich wieder in zartes Eisblau.

Nur kurz stoßlüften

„Ich habe drei einfache Tipps – noch vor Investitionen in die Dämmung oder die Heizungsanlage“, erläutert Heiner Schwarz-Leuser auf die Nachfrage, wie man im Winter seine Heizkosten senken könne. „Erstens: nicht zu hoch heizen. Zweitens: mehrmals täglich nur kurz stoßlüften. Drittens: bei Abwesenheit das Thermostat runterdrehen.“ Der Ingenieur mit Schwerpunkt Umwelttechnik ist seit 2009 Energiebeauftragter in Hall. Er ist dafür zuständig, die Betriebskosten in den öffentlichen Gebäuden zu senken.

Schwarz-Leuser und Stefano Rossi, der Klimaschutzbeauftragte der Stadt, sehen die Wohlfühlkarte als Teil der Haller Klimaschutzkampagne. „Wer richtig heizt und lüftet, kann viel Energie einsparen“, heißt es in der beigelegten Anleitung. „Die empfohlene Raumtemperatur für Wohnräume liegt zwischen 20 und 22 Grad Celsius“, steht auf der Karte. „Zu hohe Temperaturen kosten einiges an Geld und machen krank“, erinnert Schwarz-Leuser. Je wärmer die Luft, umso trockener sei sie. Schnell würden die Schleimhäute gereizt. Wer wiederum zu wenig heizt, tue sich auch keinen Gefallen: Bei unter 15 Grad Innentemperatur brauche es viel Energie, um die Räume wieder aufzuwärmen. Allerdings seien Bereiche mit unterschiedlichen Temperaturen gut. „Im Schlafzimmer oder der Küche darf es kühler sein als im Wohnzimmer. Im Bad ist es meist am wärmsten“, erläutert Schwarz-Leuser. Dann heißt es: Türen schließen.

„Wichtig ist, eine konstante Wohlfühl-Einstellung zu finden, die man möglichst unverändert lässt“, betont er. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass Frauen höhere Temperaturen brauchen als Männer, so Schwarz-Leuser. „Tragen Sie im Winter daheim etwas Langärmeliges“, rät er. Der sogenannte Pullovereffekt mache bis zu zwei Grad Differenz aus. Ein Grad weniger brächte über das Jahr und das Gebäude gerechnet etwa sechs Prozent an Energieeinsparung.

Gekippte Fenster im Winter hingegen erhöhen den Verbrauch deutlich. Die Wände kühlen aus, am Mauerwerk kondensiert Feuchtigkeit. „Dann kann sich Schimmel bilden und man hat hohe Energieverluste“, warnt Schwarz-Leuser. Idealerweise werde zwei bis drei Mal täglich mit Durchzug stoßgelüftet. Je nach Außentemperatur reichen wenige Minuten für den gesunden Luftaustausch. „Und gegen trockene Luft helfen Zimmerpflanzen.“

Im Büro 20 Grad

Schwarz-Leuser geht bewusst mit Heizenergie um. „Das ist Hobby und Beruf zugleich“, lacht er. In seinem Büro ist es an diesem Tag laut Wohlfühlkarte 20 Grad warm. Das entspricht am Thermostat der Stufe drei. „Zum Wochenende stelle ich immer runter auf Stufe zwei, auf 16 Grad“, erzählt er. Diese Maßnahme habe echtes Sparpotential. Daheim geht er noch weiter: „Ich habe unsere Abwesenheiten am Heizkessel tagesgenau einprogrammiert“, so der Energiebeauftragte. Falls man sich diese Anpassung nicht zutraue, sollte ein Fachmann ran. „Die Investition hat man durch die Einsparungen schnell wieder drin.“

Mit dem Wissen und der Einsicht, wie man was beim Heiz- und Lüftverhalten ändern kann und mit der Konsequenz, das umzusetzen, könne man den Verbrauch deutlich reduzieren. Allein die kleine Karte hat bei mir im Selbstversuch ein Umdenken eingeläutet: Vor der Haustür liegt nun ein Anti-Zug-Kissen, die Badezimmertür ist immer zu und ich lüfte bewusster. Sicher ist Energiesparen komplex – aber die Wohlfühlkarte erinnert mich regelmäßig. Oft bestätigte sie mein Gefühl von schlechter Luft mit „Rosa“ und schulte so meine Wahrnehmung.

Die Wohlfühlkarte und Fördermöglichkeiten

Über zehn Jahre alte Heizungspumpen verbrauchen zuviel Energie, weiß Heiner Schwarz-Leuser. Diese pumpen oft unabhängig vom tatsächlichen Bedarf mit konstant hoher Leistung Wasser durch die Heizungsrohre. Seit August 2016 wird der Tausch vom Bund gefördert, siehe unter www.bafa.de. Zusätzlich gibt es auf www.heizungspumpe.inhohenlohe.de noch bis Mai 2017 weitere Anreize, die Pumpe auszutauschen, berichtet Schwarz-Leuser.

Die Wohlfühlkarte ist gegen eine Schutzgebühr von einem Euro in der Touristik und Marketing Schwäbisch Hall erhältlich.