Schwäbisch Hall Vortrag: Schlauchmagen gegen Übergewicht

Schwäbisch Hall / Madeleine Schütz 16.05.2018
Prof Dr. Markus Golling vom Haller Diak spricht über den Zusammenhang von Übergewicht und Diabetes.

Im Rahmen der Vortragsreihe „Diakademie“ referierte Prof. Dr. Markus Golling, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Haller Diak, im Haus der Bildung zum Thema „Übergewicht und Diabetes – Gefahren unserer Zeit“. Er ging dabei auf die Frage ein, ob diese Krankheiten chirurgisch behandelbar sind.

Die Häufigkeit des Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit, nimmt weltweit stetig zu, auch in Deutschland. „Im Kreis Hohenlohe und Schwäbisch Hall sind rund 25 000 Personen an Diabetes erkrankt,“ so Golling. Dabei stehe Baden-Württemberg mit acht Prozent im Vergleich zu anderen Bundesländern recht gut da. Als Ursachen für Diabetes nennt Golling das durchschnittlich steigende Körpergewicht, die zurückgehende körper­liche Aktivität und veränderte Essgewohnheiten.

Kürzere Lebenszeit

Diabetes mellitus ist die am weitesten verbreitete Erkrankung adipöser Menschen. Bei Adipositas werden häufig auch Erkrankungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Arthrose an Hüft- und Kniegelenken und Depression diagnostiziert.

„Ist man übergewichtig, verliert man Lebenszeit, vor allem im Rentenalter“, zeigte der Experte anhand eines Diagrammes mit den Einheiten Body-Mass-Index (BMI) und Lebenserwartung.  Laut dieser Statistik verliert man 9,3 Lebensjahre bei einem BMI zwischen 45 und 50. Übergewicht und Diabetes hängen auch zusammen. „In Deutschland sind sieben Millionen Menschen vom Diabetes betroffen, darunter zwei Millionen, die noch nicht von ihrer Erkrankung wissen.“ Die Zunahme dieser Erkrankung sei mittlerweile auch den Krankenkassen bewusst, da die Kosten zweieinhalbmal höher sind als bei Nicht-Diabetikern.

Band oder Bypass

„Wir müssten in Deutschland nach Risikostufen unterteilt mehr als eine Million Menschen operieren.“ Golling betont, dass dies nicht durch das Übergewicht, sondern durch die damit verbundenen Erkrankungen hervorgerufen wird. Er erläutert weiter, dass sich die Operationsfrequenz hierzulande bei etwa einem Sechstel der französischen und holländischen und einem Achtel der belgischen und schwedischen Zahlen befindet.

Bei ein bisschen zu viel Gewicht, Diabetes im Frühstadium und Bluthochdruck werden zunächst konservative Behandlungsmöglichkeit, Medikation, Bewegungstherapie, Ernährungsberatung und Psychotherapie erwägt. Ein erfolgversprechendes konservatives Konzept verlange allerdings auch in sechs Monaten eine Reduktion des Übergewichtes von 15 bis 20 Prozent. Geht auch dies nicht mit der Verbesserung der Nebenerkrankungen einher, sollte die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffes in einem Adipositaszentrum erwägt werden, so Golling.

Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. „Beim Magenband legt man ein kleines Band um den Magen herum. Das ist aber keine dauerhafte Lösung, da die Gefahr besteht, dass dieses Band verrutscht“, erklärte der Chirurg. Weltweit habe sich der Magenbypass durchgesetzt. Bei diesem Verfahren wird der Magen wenige Zentimeter unterhalb des Mageneingangs abgetrennt und der kleine Restmagen dient als Bremse für die Nahrung.

Eine weitere und die derzeit gängigste Alternative ist der Schlauchmagen. Der Magen wird teilweise entfernt und in einen Schlauch umgewandelt. Ein großer Vorteil ist, dass der Magen erhalten bleibt. Für Diabetiker mit Übergewicht gibt es zur Empfehlung des jeweiligen Verfahrens einen Punkteschlüssel, der den Schweregrad der Erkrankung bewertet.

Positive Wendung

Doch was macht eine Operation mit dem Darm, mit der Galle, mit der Nahrung? „Die Darmflora verändert die Entstehung und Förderung von Gallensalzen sowie die Insulinaufnahme und Verteilung“, fährt Golling fort. Durch die Spiegeländerung der Darmhormone werden Hungerempfinden, Sättigung und Geschmack anders wahrgenommen.

Zuletzt spricht Golling auch rechtliche Fragen bezüglich der Kostenerstattung an. Hier gab es eine positive Wendung aus Sicht der Patienten: Operationen können inzwischen leichter bei den Krankenkassen beantragt werden.

Info Madeleine Schütz ist Referentin für die Öffentlichkeitsarbeit im Schwäbisch Haller Diak.

666

Info Text

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel