Bühlerzell Ein Raum für Bienenfreunde

Die Initiatoren des Bienenzentrums in Bühlerzell haben keine Angst vor dem Stachel der Bienen (von links): Wilhelm Utz, Siegfried Fischer und Wolfgang Rieg.
Die Initiatoren des Bienenzentrums in Bühlerzell haben keine Angst vor dem Stachel der Bienen (von links): Wilhelm Utz, Siegfried Fischer und Wolfgang Rieg. © Foto: Elisabeth Schweikert
Bühlerzell / Elisabeth Schweikert 22.06.2018
Der Verein „Bienenzentrum Bühlertal“ plant den Bau eines Raums, in dem angehende sowie erfahrene Imker aus der Region ihren Honig schleudern können.

Selbst Bienen halten, Honig gewinnen, das ist ein Hobby, das immer mehr Menschen – zunehmend auch junge Leute – begeistert. Die Ausbildungskurse bei den Bezirksimkervereinen werden stark nachgefragt. Doch eine Hürde, an der viele Interessierte scheitern, sind die Investitionskosten sowie der Platz zum Honigschleudern. „Wenn jemand im zweiten Stock zur Miete wohnt, dann ist kaum Platz, um Honig zu schleudern“, erklärt Wilhelm Utz. Auch für ihn selbst bedeute das Schleudern Aufwand: Einen Tag braucht es, um die Garage auszuräumen, einen Tag zum Schleudern, einen Tag zum Einräumen.

Zweimal, maximal viermal im Jahr ernten Imker den Honig, indem sie die Waben schleudern – dazu braucht es einen sauberen Raum und spezielle Gerätschaften, berichtet der 71-jährige Wirtschaftsprüfer aus Crailsheim. Damit nicht jeder Bienenfreund diese Investitionen tätigen muss, möchte der im Frühjahr gegründete Verein „Bienenzentrum Bühlertal“ Raum und Gerätschaften für alle Interessierten in der Region zur Verfügung stellen. „Dort kann man 500 bis 1000 Kilogramm am Tag schleudern“, weiß Utz, der  vor sieben Jahren in Kreßberg-Leukershausen bereits das dortige Bieneninformationszentrum initiiert hat. Dort schleudern inzwischen 20 bis 30 Imker ihre Honigernte. Das soll ab dem kommenden Frühjahr auch in Bühlerzell möglich sein.

Sohn bringt Bienen heim

Initiatoren in Bühlerzell sind Wolfgang Rieg und Siegfried Fischer. Rieg imkert seit rund fünf Jahren und besitzt mittlerweile 14 Völker. Sein Sohn hatte seinerzeit von der Haller Waldorfschule ein Volk mit heimgebracht. Inzwischen interessiere sich der Jungspunt mehr für zweibeinige Bienen und der Vater hat ein weiteres Hobby. Neueinsteiger ist Siegfried Fischer (50), der an Fastnacht 2017 mit Rieg ins Gespräch kam. Nachdem Fischers Frau Andrea von elterlicher Seite mit Bienen aufgewachsen ist, war die Entscheidung schnell getroffen, und jetzt hat Fischer im zweiten Jahr Honig geerntet. Rieg und Fischer hatten im vergangenen Jahr ihren Honig in Leukershausen geschleudert. Dort, im Gespräch mit Wilhelm Utz, wuchs der Gedanke, im Bühlertal ebenfalls ein Bienenzentrum zu Gründen.

Kooperation mit Verbänden

Gesagt, getan: Die Kosten für das Gebäude in Containerbauweise sowie die Ausstattung belaufen sich auf circa 35.000 Euro. Unterstützung bekommt der junge Verein von der Gemeinde, die eine Stellfläche zur Verfügung stellen möchte. Darüber wird bei der nächsten Gemeinderatssitzung am Montag beraten. Auch das europäische Leader-Programm hat Zustimmung signalisiert. In welcher Höhe der Zuschuss ausfällt, ist noch offen. Deshalb gehen die Vereinsgründer vorerst in Vorleistung, um so das Projekt zu ermöglichen. Zudem  können durch Eigenleistung die Kosten gesenkt werden. Ende Juli, nach der Fußball-WM und noch vor Beginn der Sommerferien, will der Verein das Projekt  Interessierten vorstellen.

Das Bienenzentrum Bühlertal sieht sich als Ergänzung zu den Imkerverbänden. Wie Utz betont, werde eine Kooperation angestrebt. „Durch das Bienenzentrum soll ein Netzwerk entstehen“, ist eines der Ziele von Wilhelm Utz. Die angehenden Imker sollen von den erfahrenen lernen können. „Man muss die Leute mehrere Jahre begleiten“, weiß Utz, „sagen, welches Buch oder welche Schulung empfehlenswert ist. Oder Tipps geben, damit keine Völker kaputt gehen.“ Die Beschäftigung mit Bienen soll Freude machen und auch einen gewissen Honigertrag bringen. Utz: „Nur wenn’s funktioniert, macht es Spaß. Dann ist es ein Hobby mit einer schwarzen Null.“

Paten nehmen Neuimker unter ihre Fittiche

Stammtisch Das Bienenzentrum Bühlertal lädt zum ersten Stammtisch ein.  Das Treffen ist für Sonntag, 22. Juli, 18 Uhr, im Bühlerzeller Gasthaus „Goldener Hirsch“ geplant. „Wir möchten interessierte Leute aus der ganzen Region gewinnen“, sagt Siegfried Fischer. Der Verein ist am Jahresanfang mit sieben Mitgliedern gestartet, inzwischen sind ein knappes Dutzend Bienenfreunde dabei.

Ausbildung Im Gespräch ist, die angehenden Imker über ein Patenmodel auszubilden: Ein erfahrener Imker nimmt Neulinge unter seine Fittiche. Zudem möchte das Bienenzentrum eng mit der Härtsfelder Imkerschule in Nattheim zusammenarbeiten (www.haertsfelder-imkerschule.de). Als Einstieg empfiehlt Utz die Videoschulung, die im Internet unter dem Suchbegriff „Die Honigmacher“ zu finden sind.

Kosten Der Kauf eines Bienenvolkes und eines Bienenkastens kostet circa 250 bis 300 Euro. Mitglieder des neuen Vereins können sich die Anschaffung einer Schleuder und der dazugehörigen Gerätschaften sparen. Zudem plant der Verein, eine gemeinsame Vermarktungsschiene aufzubauen oder zumindest Tipps zu geben, wie der Honig verkauft werden kann. Im langjährigen Durchschnitt ernten Imker rund 27 Kilogramm Honig pro Volk. In guten Jahren sind es 60 Kilogramm. sel

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