Hall - Heimbacher Hof Nach Wiederaufbau: Ein Paradies für Kinder

Im Gänsemarsch geht es über die THW-Brücke. Den Bach haben die Helfer selbst gebaut.
Im Gänsemarsch geht es über die THW-Brücke. Den Bach haben die Helfer selbst gebaut. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Jochen Korte 24.09.2018
Nach dem Brand herrscht am Heimbacher Hof große Zuversicht. Beim Fest ist auch das THW mit von der Partie – die Helfer bauen Brücken.

Kinder backen Blooze, sägen Herzen aus Holzsparren, bohren Löcher, spielen auf dem Drachen herum, klettern an der Wand, reiten auf dem Holzpferd, fahren zu viert im riesigen Kettcar, knacken Walnüsse  oder beschäftigen sich sonstwie: Auf dem großen Gelände des Heimbacher Hofs findet jeder die passende Beschäftigung. Langeweile? Für die zahlreichen Kinder, die bei schönen Herbstwetter am Samstag zum Danke­schönfest gekommen sind, ist das ein Fremdwort.

Den Hof selbst neu entdeckt

So ganz selbstverständlich ist das nicht. Denn am 11. Mai hat ein Großbrand das gesamte Werkstattgebäude ein Raub der Flammen werden lassen. Entmutigt hat das die Mitarbeiter der offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen nicht.

Im Gegenteil. „Wir haben den Heimbacher Hof selbst neu entdeckt“, sagt Michael Michael Theimel, der die Einrichtung zusammen mit Sylvia Betsch leitet. Das Kinderferienprogramm wurde komplett durchgezogen, fast alle Angebote waren ausgebucht. Auf dem Areal des ehemaligen Werkstattgebäudes herrscht ziemliche Tristesse. Von den Brandfolgen ist aber nicht mehr zu sehen, die Spuren sind beseitigt. Ins Auge fällt die neue Holzkonstruktion im Anschluss an den ehemaligen Stall. „Das Dach soll den großen Gewölbekeller vor eindringender Feuchtigkeit schützen“, erklärt Theimel.

Besuch im Gruselkeller

Gewölbekeller, bei dem Wort bekommt Edgar Blinzinger, just im Ruhestand befindlicher Leiter des Fachbereich Jugend, Schule & Soziales ( „Ich bin heute ganz privat hier“), glänzende Augen. „Früher habe ich mit einer Band in einem Haller Gewölbekeller geprobt“, erzählt er. Michael Theimel lässt sich nicht lange bitten und schließt auf. Elektrisches Licht gibt es da unten nicht, das Handy muss leuchten. Der Keller ist richtig groß. Und trocken. Kein Wunder, nach diesem Sommer. „Das ist unser Gruselkeller“, erklärt Theimel. Wer’s gruselig mag, kann auch hineinrutschen.

Doch es nicht der Tag zum Gruseln, sondern zum Freuen. Darüber, dass fast wieder Alltagsroutine eingekehrt ist.

Die Verantwortlichen warten jeden Tag darauf, dass die zugesagten Container endlich eintreffen,  die wohl schon auf dem Bauhofgelände stehen. Denn im zur Werkstatt umgebauten Stall ist einfach zu wenig Platz. Die beiden Feinschnittsägen sind am Samstag immer belegt. Damit werden Herzen aus Holzbalken geschnitten. Helmut Graf braucht kaum noch helfend einzugreifen. Er kennt die Kinder und weiß, was er ihnen zutrauen kann. Und die Kinder kennen ihn.

Eine Maschine für alle Fälle

„Die Kinder haben sich nach dem Brand eine Wiederaufbaumaschine gewünscht“, sagt Graf. An ein Metallgestell sind schon Schippe, Axt, Hammer und Säge geschweißt. Das machte der Fachmann selber. Jetzt fehlen noch Bagger, Betonmischer und ein Hochofen. „Alles  ist der kindlichen Kreativität entsprungen“, so Graf. Er helfe, die Ideen umzusetzen.

Schon um 7 Uhr in der Früh hat Sylivia Betsch den Holzbackofen angeheizt. Jetzt dauert es nur eine halbe Minute, bis die Blooze fertiggebacken sind. Da dauert das Teiausrollen viel länger. Elena und Leonie mühen sich, den Teig mit der Hand flachzudrücken. Es kostet Mühe, bis es geschafft ist. Ein Blooz wird mit Äfeln belegt, der andere mit Speck und Zwiebeln. Frisch aus dem Ofen schmeckt er am besten.

Zu Gast ist das Technische Hilfswerk. Die Jugendgruppe baut zwei Brücken über einen Bach; einen aus Holz, einen aus Gerüststangen. Aber wo ist denn der Bach auf dem Heimbacher Hof? Den hat das THW selbst mitgebracht. Das Wasser wird aus einem Faltsack auf den künstlichen Bachlauf gepumpt. Die THW-Nachwuchskräfte Miriam Teklas, Lea Butzer und Jolene Bartholme haben mitgeholfen. Sie sind stolz, als alles fertig ist.

Das können auch die Mitarbeiter des Heimbacher Hofs sein, die so ein tolles Fest auf die Beine gestellt haben. Und die sich auf ungezählte Helfer und Spender verlassen können, damit der Heimbacher Hof ein Paradies für Kinder bleibt.

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