Lesung Ein Nacktkater in der Kunsthalle Würth

Die Haller Autorin Tatjana Kruse sorgt bei der Premierenlesung ihres Kriminalromans „Meerjungfrauen morden besser“ in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall für viele Lacher im Publikum.
Die Haller Autorin Tatjana Kruse sorgt bei der Premierenlesung ihres Kriminalromans „Meerjungfrauen morden besser“ in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall für viele Lacher im Publikum. © Foto: Ufuk Arslan (im Würth-Auftrag)
Schwäbisch Hall / Maya Peters 08.08.2018
Die Schwäbisch Haller Autorin Tatjana Kruse stellt den zweiten Band über die Schnüffel-Schwestern Konny und Kriemhild vor.

Die Stimmung ist gut, obwohl es doch meist um Mord, Sachbeschädigung und fiese Drohungen geht. Im Adolf-Würth-Saal liest die Haller Autorin Tatjana Kruse am Mittwoch aus ihrem jüngsten Werk, oft unter lautem Gelächter der rund 200 Zuhörer. Diese sind überwiegend weiblich und kaum eine kennt das Buch „Meerjungfrauen morden besser“ bisher, doch sicher den einen oder anderen ihrer 19 Vorgänger-Krimis.

„Die Männer kommen in meiner neuen ‚Krimödie’ schlecht weg“, gibt Kruse zu. „Doch ich mag Kerle“, besonders die, die da seien. „Premierenlesungen sind scheiße“, kokettiert die Autorin, die in der Oberen Herrngasse aufgewachsen ist. Und wünscht sich, in Hall einmal auch eine Finissage-Lesung halten zu dürfen. „Damit Sie mich einmal richtig gut hören, dann sitzt jeder Gag und jede Anekdote.“

Roadtrip ins Krimi-Abenteuer

In „Meerjungfrauen morden besser“ muss das ungleiche Zwillingspärchen Konny und Kriemhild – beide über 60 – auf einen Roadtrip raus aus der Provinz, um nach dem Schatz des verstorbenen Ehemanns Kommodore zu suchen, so die Forderung dreier böser Männer. Denn während sie am Marktplatz im Trausaal und im Anschluss zum Empfang im „Café am Markt“ waren, wurde ihre Pension „vom Amoklauf der bösen Heinzelmännchen“ auf der Suche nach Geld verwüstet und sie werden bedroht. „Nein, es ist nicht Hall“, verneint Kruse mit hochgezogenen Augenbrauen.

Die Fahrt der beiden selten einigen Schwestern geht nach Hamburg. Konny sitzt im engen Lederoverall am Steuer ihrer Harley. Ihre Schwester Kriemhild hockt mit Amenhotep, dem nervösen Nacktkater, im Beiwagen und presst die Asche des verstorbenen Kommodore – im Handstaubsauger! – an ihren Busen. Allein das ist ein skurriles Bild, typisch für Kruses Krimis. „Das ist nichts für Zartbesaitete“, warnt Kruse.

Die mehrtägige Suche nach dem Schatz in der Großstadt wird zur abenteuerlichen, und zumindest aus Lesersicht auch teils sehr lustigen Schnitzeljagd mit ungewöhnlichen Kapiteln. „Von Nacktkatern, Nacktmullen und anderen Nackedeis“ heißt beispielsweise eines, in dem auch eine Leiche vorkommt. Ohne eine solche ließe sie die Zuhörer nicht nach Hause gehen, so Kruse.

Ein Bild vom Nacktkater finde man auf ihrer Facebookseite, macht Kruse neugierig. Aber nur, wenn diese nicht wieder wegen „Postens obszönen Inhalts“ gesperrt sei, so wie kürzlich. Das tierische Personal erhält in Kruses Krimis stets komische Hauptrollen, so auch dieses Mal. Papagei „Chuck Norris, der Schnabel des Todes“, wird zu Amenhoteps Kompagnon. Es gibt auch wieder eine Gummi-Sexpuppe, diesmal zusätzlich in lebendiger Ausführung.

Parallelen zum Leben der Autorin

In den Zwischensequenzen flickt sie manche Anekdoten ein, die auch das Zustandekommen einzelner Szenen erklärt. So erfährt man, wie Kruse auf die Jukebox kommt, die nur Songs von Bob Dylan und Elvis Presley spielt. Diese gebe es wirklich „Im Silbersack“ in Hamburg, ebenso wie die Elvis-Imitatoren. Die rustikale Kneipe heißt im Roman „Zum Goldsack“. Auch die beschriebene frühere eheliche Wohnung habe sie „selbst mal drei Wochen bewohnt“.

Lang anhaltender Applaus belohnt die amüsante Lese-Performance, für die sie, wie Kruse augenzwinkernd verrät, eine Weiterbildung bei Eckart von Hirschhausen besucht habe. Und wer noch nicht genug hat: Einige neue Romane sind bereits in der Mache. So schreibe sie am dritten Band der Schnüffelschwestern und: „Demnächst gibt es einen neuen Seifferheld“, verrät Kruse.

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