Schwäbisch Hall Das Antonius-Rentabel der Sammlung Würth

Dr. Armin Panter erläutert das Antonius-Retabel des Zürcher Veilchenmeisters. Rechts Dr. Beate Elsen-Schwedler von der Sammlung Würth.
Dr. Armin Panter erläutert das Antonius-Retabel des Zürcher Veilchenmeisters. Rechts Dr. Beate Elsen-Schwedler von der Sammlung Würth. © Foto: Würth/Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Monika Everling 27.07.2018
Dr. Armin Panter, Leiter des Hällisch-Fränkischen Museums, stellt das Antonius-Retabel in der Sammlung Würth vor. Sein Vortrag enthält grausame Geschichten, historische Hintergründe und mehr.

Nein, für das schönste Werk in der Haller Johanniterkirche halte er das Antonius-Retabel des Zürcher Veilchenmeisters nicht, sagt Dr. Armin Panter gleich zu Beginn seines Vortrags im Rahmen der Reihe „Rendezvous mit ...“, in der Haller Persönlichkeiten ihre Lieblingswerke aus der Sammlung Würth vorstellen. „Ich würde mir das nicht daheim aufhängen.“ Der Leiter des Hällisch-Fränkischen Museums und studierte Kunsthistoriker hat den Altar deshalb ausgesucht, weil es auf ihm sehr viel zu sehen gibt: Heiligendarstellungen als Zeichen mittelalterlicher Frömmigkeit, Anspielungen auf die Geschichten, die mit den Heiligen verbunden sind, die Entwicklung der Malerei und sogar Hinweise auf Alltagssorgen.

Panter erklärt, dass das jetzt als fünfteiliger Altar im Museum gezeigte Ensemble tatsächlich aus drei Teilen bestand: der großen Tafel in der Mitte und jeweils einer schmaleren rechts und links, die beidseitig bemalt waren. „Man hat die einfach gespalten, damit man beide Seiten nebeneinander im Museum zeigen kann – aber das waren natürlich nicht die Mitarbeiter der Sammlung Würth, das würde heute kein Mensch mehr machen.“

Große Kunst für Festtage

Am Kirchenaltar verdeckten normalerweise die Seitenteile die Haupttafel. Nur an Festtagen wurde der Altar aufgeklappt. Die Außentafeln hatten also eine Werktags- und eine Festtagsseite. Panter zeigt an Details, wie viel feiner die letztere ausgearbeitet ist.

Den Namen des Malers kennt man nicht. Der Veilchenmeister wird so genannt, weil sein Werkstatt-Zeichen das Ackerveilchen war, das wir heute Stiefmütterchen nennen.

Zu den Heiligen gibt es viele Geschichten, und Panter erzählt einige: wie Barbara von ihrem eigenen Vater gefangen genommen und enthauptet wird, weil sie nicht dem christlichen Glauben abschwört, wie der Teufel dem Wolfgang, nach dem der Wolfgangsee benannt ist, hilft, eine Kapelle zu bauen und dafür die Seele des ersten Besuchers fordert – und das ist dann ein Wolf.

Zudem weist der Kunsthistoriker darauf hin, dass Bilder in dieser Zeit die Heiligen meistens vor einem goldenen Hintergrund zeigen. Der Veilchenmeister aber malt eine Landschaft. „Das ist absolut modern“, sagt Panter, auch wenn auf dem Bild „statt der ägyptischen Wüste eine schwäbische Wüste“ zu sehen ist. Genauer gesagt ist es eine fruchtbare Berglandschaft: Der Veilchenmeister stammte aus dem Bodenseeraum.

Folter mit Argumenten

Auch, dass der Teufel Antonius nicht körperlich foltert, sondern argumentiert, sei ein ganz moderner Ansatz, der fast schon die Reformation vorwegnehme, sagt Panter. Und dann kommt noch die Darstellung von Alltagssorgen dazu: Eine Person neben Antonius, die wahrscheinlich den Stifter des Bildes darstellt, hat das „Antoniusfeuer“, eine heimtückische Krankheit, die die Gliedmaßen zerstört. Man kannte damals die Ursache nicht, deshalb hielt man die Epidemie für eine Strafe Gottes. Tatsächlich wurde sie durch giftiges Mutterkorn im Roggen verursacht – Panter hat einige der gefährlichen Körnchen aus der Haller Löwenapotheke mitgebracht und zeigt sie den etwa 20 Zuhörern.

Die Antonniter waren von der Krankheit weitgehend verschont, weil sie Schweine gehalten haben und statt Roggenbrot Schweinefleisch und Weißbrot aßen. Daher sind auf dem Bild einige Schweinchen zu sehen. Dieses Motiv sei von Dürer „direkt übernommen, also abgekupfert“ worden, sagt Panter. Abschließend fasst er nochmals zusammen, wie das Bild den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit symbolisiert: „Die Leute haben die Füße in der Landschaft stehen und fürchten sich doch vor dem Teufel.“

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