Landkreis Hall Arbeitslosenzahlen steigen leicht

Auch wenn die Arbeitslosenzahl im Juli saisonbedingt leicht ansteigt: Die Aussichten sind weiter sonnig. Die Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall Tauberbischofsheim verstärkt vor dem Beginn des neuen Ausbildungsjahres gerade ihre Bemühungen, alle Bewerber unterzukriegen und den Betrieben bei der Auswahl geeigneter Kandidaten zu helfen.
Auch wenn die Arbeitslosenzahl im Juli saisonbedingt leicht ansteigt: Die Aussichten sind weiter sonnig. Die Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall Tauberbischofsheim verstärkt vor dem Beginn des neuen Ausbildungsjahres gerade ihre Bemühungen, alle Bewerber unterzukriegen und den Betrieben bei der Auswahl geeigneter Kandidaten zu helfen. © Foto: BA
Landkreis Hall / Norbert Acker 01.08.2018
Im Juli steigt die Arbeitslosigkeit in der Region steigt leicht an. Die Wirtschaft steht weiterhin gut da. Die Arbeitsagentur konzentriert sich auf den Ausbildungsmarkt.

Auch wenn die Arbeitslosenzahl saisonbedingt im Bezirk der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim leicht angestiegen ist, schrillen bei Agenturchefin Karin Käppel keine Alarmglocken. „So wild ist das nicht“, sagt sie auf Nachfrage. Die „Sommerflaute“ sei kaum spürbar auf dem Arbeitsmarkt in der Region. „Jedes Jahr melden sich im Juli üblicherweise vermehrt junge Erwachsene nach beendeter Schul- oder Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos. Nach der Urlaubszeit und Sommerpause werden viele von ihnen mit neuen Arbeitsverträgen wieder beschäftigt sein. Einige werden eine weiterführende Schule besuchen oder studieren“, so die Agenturleiterin. Die Zeiten hätten sich geändert: Früher seien es die Betriebe gewesen, die ihre Azubis nach Beendigung der Ausbildung entlassen hätten, heute seien es die jungen Leute, die gehen, um weitere Karriereoptionen auszuprobieren.

Die Zahlen für den Juli sind nicht dramatisch: Aktuell sind im Agenturbezirk, der die Landkreise Schwäbisch Hall, Hohenlohe, Main-Tauber und Neckar-Odenwald umfasst, 8954 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 67 mehr als im Juni, aber 932 (Minus 9,4 Prozent) weniger Arbeitslose als im Juli 2017. Die Arbeitslosenquote, also der Anteil der Arbeitslosen an allen zivilen Erwerbspersonen, ist um 0,1 Prozent gestiegen und liegt bei 2,7 Prozent. Die Quote in Baden-Württemberg beträgt 3,1 Prozent. „Die Nachrichten vom Arbeitsmarkt sind auch im Juli positiv“, so Käppel. „Die Beschäftigungszahlen sind sehr gut, und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern steigt auf einem hohen Niveau weiter an.“ Im Juli seien insgesamt 8304 freie Stellen gemeldet gewesen, das seien 386 mehr als im Vormonat und 1170 mehr als im Juli vergangenen Jahres. „Der Stellenzuwachs ist phänomenal“, sagt Käppel, „und das branchenübergreifend.“ Auch Langzeitarbeitslose und geflüchtete Menschen würden von der aktuellen Situation profitieren.

Auf den Landkreis Schwäbisch Hall heruntergebrochen sieht es so aus: Die Arbeitslosenquote liegt wie im Vormonat bei 2,7 Prozent. Im Juli wurden 3042 Arbeitslose gezählt, das bedeutet 42 mehr als im Juni und 220 weniger als im Juli des Vorjahres. Der Bestand an Stellenangeboten liegt bei 2771, die Arbeitgeber haben 741 neue Stellenangebote gemeldet.

Unbesetzte Stellen

Sorgen bereiten den Jobvermittlern allerdings immer noch bestimmte Branchen. Käppel spricht hier unter anderem von den Sparten Pflege, Produktion, Dienstleitung und Handel, in denen der viel beschworene Fachkräftemangel besonders stark spürbar sei. „In der Stadt Schwäbisch Hall selber hat sich beispielsweise der Bedarf an zusätzlichen Mitarbeitern im Kfz-Handel seit Anfang des Jahres nahezu verdoppelt“, erklärt sie.

Bislang erwartet Käppel keine großen Verwerfungen auf dem heimischen Arbeitsmarkt durch den Handelskonflikt zwischen der EU und den Vereinigten Staaten. „Das ist hier noch nicht spürbar“, so die Agenturleiterin. Die Binnennachfrage in Deutschland sei immer noch auf einem hohen Level, davon profitierten auch die Arbeitgeber in der Region. „Die Sorgen sind aber da bei den Unternehmen, was die weitere wirtschaftspolitische Entwicklung betrifft“, so Käppel, das sei bei vielen Gesprächen zu hören.

Die momentane Trockenheit und die damit verbundenen Ausfälle bei der Ernte beobachtet man bei der Agentur für Arbeit übrigens ebenso. Durch den Arbeitsgeberservice ist man auf dem Laufenden, was in der Landwirtschaft los ist. „Momentan ist es aber noch kein Thema, dass es hier in der Region zu Stellenabbau bei Betrieben kommt“, sagt Käppel. Man werde die weitere Entwicklung aber im Auge behalten, verspricht die Agenturchefin.

Info Informationen zu Angeboten der Arbeitsagentur für Arbeitslose und für Unternehmen, die Personal suchen, gibt es unter www.arbeitsagentur.de.

Der aktuelle Ausbildungsmarkt

Wenige Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahrs zeigt das Geschehen auf dem Ausbildungsmarkt zwei Seiten einer Medaille. „Junge Menschen haben die Wahl unter so vielen Ausbildungsstellen wie noch nie“, sagt Karin Käppel, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. „Gleichzeitig tun sich nicht nur kleinere und mittelständische Betriebe schwer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.“ Beim Business Talk der Arbeitsagentur Ende Juni in Schwäbisch Hall sei daher rund 40 Vertretern von Arbeitgebern aus der gesamten Region aufgezeigt worden, wie sie den Jugendlichen als attraktiver Ausbildungsbetrieb auffallen. „Denn wer nicht auffällt, fällt weg“, so Käppel.

Viele interessante Stellen mit Karriere­möglichkeiten nach der Ausbildung warteten auf Bewerber, ergänzt die Agenturchefin: „Auch auf solche, die keine Traumnoten haben und noch etwas Zeit brauchen, um sich weiterentwickeln zu können.“ Dazu bräuchten sie aber Unternehmen, die diese Chance böten und ihre Einstellungsvoraussetzungen nicht zu hoch schraubten. „Seien Sie bei der Bewerberauswahl mutiger“, wünscht sich Käppel von den Arbeitgebern. „Wenn es nicht ganz rundläuft, unterstützen wir Bewerber und Betriebe.“ Zum Beispiel über die betriebliche Einstiegsqualifizierung, mit ausbildungsbegleitenden Hilfen oder der assistierten Ausbildung.

Bis Juli wurden der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim 5512 freie Berufsausbildungsstellen gemeldet. Als Bewerber für einen Ausbildungsplatz haben sich 3500 junge Menschen gemeldet, das sind 6,7 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahresmonat. Rein rechnerisch kommen auf einen Bewerber 1,6 Ausbildungsstellen. noa

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