Schwäbisch Hall Ein kanadischer Orkan

Sehen harmlos aus, entfachen aber ein gewaltiges Soundgewitter: "The Strumbellas". Im Bild mit Jeremy Drury (Schlagzeug), Isabel Ritchie (Geige, Gesang) und Simon Ward (Gitarre, Gesang) drei der sechs Musiker.
Sehen harmlos aus, entfachen aber ein gewaltiges Soundgewitter: "The Strumbellas". Im Bild mit Jeremy Drury (Schlagzeug), Isabel Ritchie (Geige, Gesang) und Simon Ward (Gitarre, Gesang) drei der sechs Musiker. © Foto: Andreas Dehne
Schwäbisch Hall / ANDREAS DEHNE 10.10.2015
Auf ihrer ersten großen Europa-Tournee macht die in Kanada sehr erfolgreiche Band "The Strumbellas" einen Zwischenstopp in Schwäbisch Hall. Sie begeistern mit gradlinigem, schnörkellosem Folkrock.

"Wir werden pünktlich anfangen und wir werden pünktlich aufhören." Zum Start in den "goldenen Herbst im Anlagencafé" verkündet Mitbetreiber Günter Wagner die Neuerungen, die wenige Augenblicke später Makulatur zu sein scheinen. Pünktlich zum pünktlichen Beginn streikt die Technik. Bei fünf Mann und einer Frau auf der kleinen Bühne im Café eigentlich kein Wunder. Doch wenig später ist der Fehler gefunden.

Die sechsköpfige Band um Sänger und Songwriter Simon Ward nutzt die Zeit, um sich auf der Enge der Bühne zu positionieren. Es dauert einen Moment, bevor jeder seinen Platz einnehmen kann. Dann starten sie aber gewaltig mit einem ihrer älteren Hits: "The Sheriff". Die allerletzte Zugabe werden sie trotzdem pünktlich um 22.22 Uhr beenden. Direkt vor dem wirklich allerletzten Abschiedssong, dessen finaler Ton exakt um 22.30 Uhr zu hören ist. Die sechs Musiker haben sich offensichtlich an die zeitlichen Eigenheiten in ihrem Gastland gewöhnt. "We love the german Krauts."

Simon Ward, Leadsänger und Gitarrist, David Ritter mit Gesang und Tasteninstrument, Jon Hembrey an der Leadgitarre, Darryl James am Bass und Jeremy Drury am Schlagzeug werden von der einzigen Frau, Isabel Ritchie an der Violine, begleitet. Neben den neun Songs ihrer aktuell sehr erfolgreichen CD "We still move on the dance floor" spielen sie in den knapp 90 Minuten ihres Auftrittes noch etwa 16 weitere alte, aber auch ganz neue Songs.

"The Strumbellas" zeigen gleich von Beginn ihres Auftrittes an, wie die musikalische Linie des Abends verlaufen wird. Druckvolle und schnelle, fast schon klassische Rockmusik, stark eingefärbt von Elementen des Country und der Folkmusik. Immer sehr direkt, sehr ehrlich, sehr laut. Eingängige und eigentlich gut tanzbare Melodien und eine Stimme, die auf dem sechsten Konzert in Deutschland wohl extrem gut eingesungen ist. Etwas verbraucht, etwas verrucht, etwas verlebt. Genial eben - für eine kanadische Band, die mit der Macht eines Orkans durch das Anlagencafé fegt, um den knapp über 100 Zuschauern zu zeigen: Kanada ist weit mehr als Stille, Einsamkeit und Weite.

Das letzte Lied des Abends: "Sailing" ist der erste Song ihrer neuesten CD. Das Schlagzeug treibt die Band förmlich vor sich her. Sehr schnell. Die Zuschauer sind begeistert. Die erste Zugabe danach: "Home sweet Home"; ebenfalls von der neuen CD. Jetzt ist die Stimme von Simon Ward wirklich absolut perfekt für den schmutzigen und treibenden Country-Rock und die Zuschauer sind es auch. "Home sweet Home." So hätte es gerne noch eine Weile weitergehen können. Dem Klingeln im Ohr zum Trotz. Oder vielleicht genau deswegen. "The Strumbellas" fühlen sich im Ambiente des Anlagencafés sichtlich wohl. Die Zuschauer auch.

Und was vielleicht die beste Nachricht ist: An diesem Abend hätte es sogar noch ein paar Karten gegeben. Aber das ist nur wichtig für diejenigen, die schnellen, lauten, treibenden und eingängigen Countryrock und gute Stimmung lieben. "The Strumbellas" würden für diese Musik deutlich mehr Zuschauer verdienen. Deutlich mehr "German Krauts".

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