Haller Schülerin Ein Jahr American High School

Bald sieht das zu Hause von Clara Hölzel ganz anders aus. Sie wird die vertraute Umgebung vermissen. 
Bald sieht das zu Hause von Clara Hölzel ganz anders aus. Sie wird die vertraute Umgebung vermissen.  © Foto: Katja Hartwig
Schwäbisch Hall / Nina Woelk 01.08.2018
Die 15-jährige Clara Hölzel vom Haller Erasmus-Widmann-Gymnasium wagt einen großen Schritt: Sie verlässt ihre Heimat und Freunde für zehn bis zwölf Monate, um in die USA zu gehen.

Einmal den „American-School-Spirit“ erleben, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten kennenlernen und dabei gleich die Englischkenntnisse aufbessern. Für Clara Hölzel geht morgen das Abenteuer „Austauschjahr in den USA“ los.

Mit gerade mal 15 Jahren wird sie zehn bis zwölf Monate in Peoria, einem Stadtteil von Phoenix leben. Schon seit 2016 ist ein Auslandsaufenthalt geplant. Dass es ein englischsprachiges Land sein soll, ist von Anfang an klar. „Australien ist zu teuer und England zu europäisch“, lacht Clara. „Die Vereinigten Staaten sind eben passend.“ Die Mutter gab den Tipp für den passenden Verein „Youth for Understanding“ (YFU). Die Bewerbung ist einfach. Online wird ein Formular ausgefüllt und die Unterlagen werden zugeschickt. Erst nach einem positiven Auswahlgespräch, kommt der etwas stressigere Teil. Impfungen und ärztliche Untersuchungen, sowie Briefe an die Gasteltern. „Nach zwei Wochen ist aber alles erledigt“, sagt sie.

Unterstützung von der Familie

Billig sei das ganze nicht, verdeutlicht sie. „Ich hab alle meine Ersparnisse aufgebraucht und bekomme finanzielle Hilfe von meiner Familie.“ Mehr als 10.000 Euro kostet ein Auslandsjahr in den USA. „Aber es lohnt sich bestimmt“, ist sich Clara sicher. Die Möglichkeit eines Stipendiums besteht, ist aber vom Einkommen der Eltern abhängig. „Leider kam ich nur auf Platz zwei. Bei wem die Finanzierung wirklich ein Problem sein sollte, bekommt aber meist Unterstützung.“

Mitarbeiter von YFU werden Clara auf dem Flug von Frankfurt nach Dallas begleiten und das ganze Jahr über ist ein Ansprechpartner in der Nähe verfügbar. Als Gasttochter lebt sie bei einem jungen Paar in der Nähe von Phoenix und geht dort zur Schule. „Der Stundenplan ist ganz anders, als in Deutschland. Man kann ausgefallene Fächer, wie zum Beispiel Design belegen“, erzählt Clara. „Ich hoffe einfach, dass ich mich dort gut einleben kann“. Auch will sie selbstständiger werden und ihre Englischkenntnisse aufbessern. Mit diesem Ziel hat Clara sich bewusst für das Austauschjahr entschieden. „Würde ich Work and Travel machen, dann hätte ich die Sehenswürdigkeiten gesehen, aber nicht richtig dort gelebt.“

Keine Angst, aber Nervosität

Auf die Frage, was sie hier in Schwäbisch Hall am meisten vermissen wird, antwortet sie: „Wahrscheinlich die vertraute Umgebung und meine Freunde. Ich komme in eine Vier-Millionen-Stadt, das sind andere Dimensionen.“ Angst hätte Clara keine, doch sie sei ein bisschen nervös. Beruhigend ist daher, dass der Kontakt mit den Gasteltern bereits besteht. Über deren Gastfreundschaft macht sich keiner Sorgen. Sie wollen ihr die Gegend zeigen und möglicherweise auch mal nach Kalifornien fahren. „Der Grand Canyon ist auch nur zwei bis drei Stunden entfernt, was für amerikanische Verhältnisse sehr nah ist“, erzählt sie.

Gegen das Heimweh finden ein paar deutschsprachige Bücher und ein Fotoalbum Platz im Koffer. Außerdem will sie weiterhin Klavier spielen. „Von einem Besuch der Familie während des Austauschjahres rät die Organisation ab“, berichtet Clara, „da bekommen viele Heimweh und brechen den Aufenthalt ab. Aber vielleicht können mich meine Eltern die letzten zwei Wochen besuchen und dann fliegen wir gemeinsam nach Hause.“

Die Zukunft bleibt offen

Wie es nach der Rückkehr von den Vereinigten Staaten in Deutschland für Clara weiter gehen soll, steht noch nicht ganz fest. „Ich will mein Abi gut abschließen und dann eventuell studieren. Mich interessiert Jura, aber dafür muss man einen sehr guten Schnitt haben.“ Ob sie einen weiteren Auslandsaufenthalt nach ihrem Abschluss machen will, da ist sich Clara noch nicht sicher. Sie ist erst einmal voll auf das kommende Jahr fokussiert.

Viele Möglichkeiten für ein Abenteuer

Youth for Understanding (YFU) ist ein Verein, der Jugendlichen innerhalb eines Programms die Möglichkeit bietet, andere Sprachen und Kulturen kennenzulernen. Jährlich entsendet er rund 1000 Schülerinnen und Schüler in eines der rund 50 Partnerländer und vergibt mehr als 300 Stipendien. Bewerben kann sich jeder ab Ende April des Vorjahres über die Internetseite www.yfu.de. Dort finden sich Infos zum Ablauf und zur Finanzierung. Auch möglich sind Austauschprogramme nach der Schule, wie Freiwilligendienste oder ein Orientierungsjahr. Der Preis hängt vom jeweiligen Wunschland und der Dauer ab. nik

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