Schwäbisch Hall Ein hellwacher Geist

Roland Schmid in seinem Arbeitszimmer. Dort blättert er in einem Ordner mit Urkunden, die er im Laufe seines Lebens verliehen bekommen hat.
Roland Schmid in seinem Arbeitszimmer. Dort blättert er in einem Ordner mit Urkunden, die er im Laufe seines Lebens verliehen bekommen hat. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / VERENA BUFLER 18.04.2015
Er war Rektor der Realschule Schenkensee und engagierte sich in besonderem Maß für die Entwicklung des Sports in Hall und im Land Baden-Württemberg. An diesem Samstag wird Roland Schmid 80 Jahre alt.

Er ist froh, dass er nichts mehr mit Schule zu tun hat. Wenn er über die Gemeinschaftsschule spricht, regt er sich auf. Weil die Stärkeren aus der Gemeinschaft ausgenommen sind. "Etikettenschwindel ist das!" Seine Faust saust auf den Balkontisch und lässt das Kaffeegeschirr klirren. Temperament hat er noch immer. Selbstverständlich verfolgt er auch im Ruhestand, was sich im Haller Schulwesen tut. Er war ein Vollblutpädagoge. Und er ist ein skeptischer, streitbarer und hellwacher Geist geblieben. Daran hat auch seine schwere Krankheit nichts geändert. Körperlich jedoch muss er seit dem Herzinfarkt vor einem knappen halben Jahr kürzer treten. Das tut ihm weh, dem Macher. Vor allem, dass er auf Anraten seines Arztes nicht mehr Tennis spielen soll.

Roland Schmid wuchs bei seinen Großeltern im Heilbronner Stadtteil Horkheim auf. Der Opa war Maurer, die Oma eine Bäuerin. Sie war seine Ersatzmutter, herzensgut, aber einfach. Der Bub wollte Abitur machen - die Oma wusste nicht, was das bedeutet. Der Bub wäre gerne fürs Musikstudium aufs Konservatorium gegangen - der Opa fragte: "Von was willst du dann leben?"

So blieb ihm seine erste Liebe, die Musik, aus finanziellen Gründen zunächst verwehrt. Der Lehrerberuf wurde seine Bestimmung. "Es gehört zu meinem Wesen, anderen zu helfen, die es nötig haben." Ein Charakterzug, den er von seiner Großmutter übernahm. Er erinnert sich: Als er noch ein Kind war, wollte er mit anderen Jungs kicken. Sie hatten aber keinen Ball. Also haben sie eine "Saublodr" aufgeblasen, zugebunden und mit ihr gespielt. Die Bauern schimpften. Seine Oma hingegen hielt für die Jungs eine Saublase in Reserve.

Roland Schmid spielte viele Jahrzehnte lang eine bedeutende Rolle im Haller Schulwesen. Viel bewegt hat er auch in seinen Ehrenämtern in Kommunalpolitik, Schule, Sport, Musik und Recht. Er war Vizepräsident des Württembergischen Landessportbunds, stellvertretender Fraktionssprecher der Freien Wähler, Ehrenpräsident der TSG, Jugendschöffe und vieles mehr.

Seine Frau Gertraud hielt ihm ein Leben lang den Rücken frei. Gertraud steht für ihn an oberster Stelle. Für einen Moment wird sein Blick weich. Kurze Zeit später ist er wieder der knitz-sympathische Erzähler. "Du plapperst so viel", sagt seine Frau. "Wenn ich's nicht mach', dann besteht die Gefahr, dass du redest", kontert er frech. Sie versteht seinen Spaß.

Die beiden haben es gut miteinander, sind stolz auf ihre drei Töchter und die fünf Enkel, die immer gerne zu Oma und Opa kommen.

Auch wenn das Alter und die Krankheit Spuren hinterlassen hat: Roland Schmid ist zufrieden. Er hat ein zweites Leben erhalten. Einen besseren Grund zum Feiern kann es heute nicht geben.