Es ist ein netter Abend. Laila Lamrani Bueno sitzt mit einigen Freunden in einer Haller Kneipe. Irgendwann kommen sie auf ihr Leben und die noch unerfüllten Träume zu sprechen. "Ich möchte einmal ein Café aufmachen!", sagt sie. "Und ich will Astronaut werden", sagt Alexander Gerst. "Hey, lass uns wetten!", schlägt Laila vor. "Wer zuerst seinen Traum wahr macht!" Sie denkt kurz nach. "Wenn du zuerst Astronaut wirst, dann darfst du bei mir lebenslang umsonst Kaffee trinken. Und wenn ich zuerst mein Café aufmache, dann will ich, dass du eine Kaffeetasse von mir mit ins Weltall nimmst." Alexander Gerst schlägt ein. Das war um das Jahr 2009.

Für beide war die Erfüllung ihrer Träume zu der Zeit noch weit weg. Nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, kaum denkbar, dass das wirklich wahr werden könnte. Alexander Gerst war damals im Bewerbungsverfahren zur Ausbildung zum Astronauten. Er war einer von 15000. Dann wurden es immer weniger. Er gegen 10000, 5000 und schließlich standen nur noch 10 im Rennen - zwei davon waren Deutsche. So erzählt es die Hallerin.

Alexander Gerst machte das Rennen. Aber Laila war schneller. Vor drei Jahren eröffnete sie ihr "Café le Mélange" in der Haller Innenstadt. Er wurde erst ein Jahr später Astronaut. Der gebürtige Künzelsauer und die in Marokko aufgewachsene Halbspanierin haben sich in Hamburg kennengelernt. Er machte dort seine Promotion in Geophysik und sie arbeitete im Vertrieb einer Firma.

Bevor die Raumstation startete, musste die Tasse her, die mit ins All durfte. Daraus wurde nichts. Alexander Gerst darf nur zwei Kilo Gepäck mitnehmen. Jedes Gramm zählt an Bord der ISS. Also musste etwas Leichteres her: ein Löffel. Aber nicht irgendein Löffel, sondern einer, der charakteristisch für das "Café le Mélange" ist. Also ging Laila Lamrani Bueno auf einer Reise in ihr Heimatland Marokko auf einen Markt. Sie fand einen passenden Löffel, ließ ihn gravieren und begann mit dem Händler zu feilschen. Der blieb beinhart bei seinem Preis. Als sie ihm sagte, der Löffel fliege bald ins Weltall, da hat der Händler sie nur komisch angeschaut. "Ok, nimm ihn mit!", und sie bekam ihn zum günstigen Preis.

Weil es eben gilt, Gewicht zu sparen, wird Alexander Gerst den silbernen Löffel mit der Café-Mélange-Gravur nicht mit zurückbringen können. "Er wird dann wohl als Weltraummüll herumfliegen", sagt Laila Lamrani Bueno lachend. Nachdem der Freund zirka einen Monat im All war, macht er ein Foto von dem Löffel. Er platziert ihn vor dem Fenster der Raumstation, wo er in der Luft schwebt. Vorne der Löffel, dahinter, durch das Fenster, die blaue Erde. Dieses Bild schickt er ihr. "Per E-Mail", sagt sie. "Das ist kein Problem. Wir mailen uns oft."

Wer gerne einmal den Löffel im Weltall sehen will, der kann das Foto im "Café le Melange" anschauen. Die Gewinnerin der Wette hat es dort aufgehängt.

Info Der Hohenloher Astronaut Alexander Gerst startete am 28. Mai 2014 in Baikonur seine Mission. Der gebürtige Künzelsauer arbeitet als Bordingenieur in der internationalen Raumstation ISS. Bis 10. November soll er noch im All bleiben.