Vellberg Ein Haller Brunnen im Städtle

Der Brunnen aus dem Jahr 1720. Dahinter die Wett, früher als Viehtränke, Pferdeschwemme und Löschteich benutzt, die bis 1938 mit Eisengitterstäben umzäunt war und heute ummauert ist. Im Hintergrund das Waschhaus von 1767.
Der Brunnen aus dem Jahr 1720. Dahinter die Wett, früher als Viehtränke, Pferdeschwemme und Löschteich benutzt, die bis 1938 mit Eisengitterstäben umzäunt war und heute ummauert ist. Im Hintergrund das Waschhaus von 1767. © Foto: Ursula Richter
Vellberg / Ursula Richter 31.08.2018
Auf dem Marktplatz steht ein Ensemble aus dem 18. Jahrhundert. Die Kosten für den Brunnen teilen sich Vellberg und Hall.

Die Wett – der Teich – wurde auch als Löschteich benutzt. Bis 1938 von Eisenstäben umgeben, wurde sie dann ummauert. Das Wasser kommt über eine Teuchelleitung – das sind ausgehöhlte Baumstämme – vom ehemaligen Schlossgarten. Der Lageplan des Geometers Kurz von 1930 verzeichnet das Wasserreservoir in der ersten Siedlungsstraße Vellbergs, der Schlossgartenstraße, unterhalb des Hauses von Karl Hinterkopf.

Ein „Entwurff über das alte u. neue Waschhauß“ von 1767 zeigt den Grundriss des alten Waschhauses an der Stadtmauer. Durch das Gebäude floss der Überlauf des alten Teichs über eine Rinne in die Bühler. Im Aufriss für das „neue“ Haus ist ein Walmdach mit einem Kamin zur Warmwasserbereitung vorgesehen. Heute ist dort die Pumpstation für den Weinbrunnen untergebracht.

Markantester Teil des Ensembles ist der Stadtbrunnen. Er ist kein Geschenk von Hall, wie man vielleicht glauben könnte. Zumindest sprechen die 164 Gulden, die Vellberg dafür bezahlen musste, dagegen. Der Haller Stadtarchivar Andreas Maisch erläutert: „Vellberg war eine Gemeinde im hällischen Landgebiet. Es war eine obrigkeitliche Aufgabe der Reichsstadt Hall, Brunnen zu bauen.“ Dies geschah in den Jahren 1720 bis 1722. Dazu gibt es Unterlagen im Haller Stadtarchiv, die auch Hugo Götzelmann, ehemaliger Stadtführer in Vellberg, neue Informationen liefern. Die Reichsstadt hatte Vellberg 1596 erworben. Auf der mittleren Brunnentafel des rechteckigen Brunnenkastens befindet sich deshalb das Haller Wappen, flankiert von einer Relieffigur, die den Glauben darstellt, und der Justitia, der Gerechtigkeit.

Akribische Buchführung

Am 27. August 1720 erging ein Beschluss der Steuerstube in Hall, einen eisernen Brunnen für Vellberg anfertigen zu lassen, am 29. Juli 1722 wird der Vorgang abgeschlossen. Die „Summa aller aufgegangenen Brunnenkosten“ betrug etwas über 490 Gulden. Eine akribische Buchführung mit einem extra Konvolut von Belegen dokumentiert den kompletten Vorgang bis hin zur Spesenabrechnung des Materiallieferanten.

Von der Summe „will man vom Amt 2 Drittteil und von der Gemeinde 1 Drittteil bezahlen lassen“, heißt es in dem auch vom Vellberger Amtsvogt unterzeichneten Ratsprotokoll. Es handelte sich wohl um einen beträchtlichen Betrag für Vellberg. Alles in allem aber eine nachhaltige Investition: 2020 wird der „eiserne Bronnen“ immerhin 300 Jahre alt.

Aus dem Stadtbrunnen fließt jährlich Rebensaft

Nach der Renovierung des Brunnenstocks 1966 wurde dieser wieder aufgerichtet. Die Helfer fanden sich mit Bürgermeister Hermann Frank und Schlossermeister Karl Bezler anschließend im Ochsen ein. Die Wette um 40 Flaschen Wein, dass der Schlossermeister nicht in der Lage sei, aus dem Brunnen Wein fließen zu lassen, verlor der Bürgermeister. So entstand 1968 das Weinbrunnenfest.

Die Ritter von Vellberg hatten umfangreiche Weingüter. Der historische Ursprung des Fests dürfte auf die Einbringung des „nassen Zehnten“ zurückzuführen sein. Wenn der gekelterte Wein im Städtle angelangte, ist leicht vorstellbar, dass die Leute nicht ohne einen Schoppen nach Hause geschickt werden konnten. Heute fließt aus dem Weinbrunnen gekaufter Wein.

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