Ilshofen Ein Gotteshaus mit Backstube - St. Kilian in Oberaspach ist fast 800 Jahre alt

CLAUDIA KERN-KALINKE 12.08.2015
Sakramentshaus und Engelsfresken im Chor sind die Besonderheiten in der evangelischen Kilianskirche von Oberaspach. Sie ist das älteste Gebäude in der Gemeinde Ilshofen - früher erbaut als die Burg Leofels.

Wer in den Genuss einer Kirchenführung mit Pfarrer Johannes Albrecht kommt, kann in der Kilianskirche in Oberaspach viel entdecken: Kunstschätze und Kurioses. Erst einmal knipst der Pfarrer das Licht in einer Vitrine im hinteren Teil des Kirchenraums an. "Wir haben die ältesten Reliquien in der württembergischen Landeskirche", erklärt er schmunzelnd und weist auf ein kleines, undefinierbares Gefäß hinter Glas, das angeblich Knochensplitter der Apostel Petrus und Paulus, des Märtyrerbischofs Kilian - Namenspatron der Kirche - sowie des Märtyrers Georg und vieler anderer enthält. So steht es jedenfalls in der Weiheurkunde der Kirche. "Der heilige Kilian ist in Würzburg beerdigt, da könnte es durchaus sein, dass ein Knochenstück hierher gelangt ist." Pfarrer Albrecht betrachtet die übrigen Reliquien aber mit Skepsis.

Der halbe Unterkiefer, der dabei liegt, stammt von einem unbekannten Toten. Direkt bei der Kirche wurden früher die Verstorbenen bestattet. "Wenn ich da die Schulkinder graben lasse, finden sie garantiert menschliche Knochen", gibt der Pfarrer zu bedenken. Heute dient der Bereich zwischen Kirche und Grundschule als Pausenhof.

Im Chor schmücken Tabernakel und Engelsfresken aus der Zeit der Erbauung die Wand über dem Altar, der ebenfalls aus dem Ursprungsjahr stammt. Eine moderne Holzskulptur, die mit der Taube den heiligen Geist symbolisiert, wurde vor zwei Jahren vom Holzbildhauer Thomas Hildenbrand aus Oberaspach erschaffen. Sie hängt über dem romanischen Rundbogen als Pendant zu den Engeln im Chor.

Manchmal kommen Konfirmanden auch zum Pizzaessen

St. Kilian wurde bereits 1533 evangelisch. Die Gemeinde freut sich schon auf das Jahr 2017, dann wird die Kirche 800 Jahre alt - just im gleichen Jahr, in dem auch das große Reformationsjubiläum gefeiert wird.

In der Sakristei hängt eine Kopie der Weiheschrift und neben allerlei nützlichen Utensilien aus heutiger Zeit auch eine historische Hellebarde. "Das ist ein alter Kirchenpolizeispieß", weiß Johannes Albrecht. Der sei früher von Hof zu Hof gereicht worden, und die jeweilige Familie musste darüber wachen, dass alle zum Sonntagsgottesdienst gingen und in ihrer Abwesenheit nicht eingebrochen wurde und sich kein Feuer ausbreitete.

Der Gemeindepfarrer, der auch Religionsunterricht gibt, führt regelmäßig Schulklassen und Konfirmanden durch die Kirche und hinauf in den Glockenturm. Manchmal werden die Jugendlichen auch zur Pizza eingeladen, frisch aus der Backstube im Pfarrgarten. Der urige Raum mit Holzbackofen wird auch vom Frauenkreis und anderen Gruppen für Zusammenkünfte genutzt. "Das ist unser kleiner Gemeindesaal", sagt Pfarrer Albrecht, "der große ist in Eckartshausen." Schon immer gehört der Ilshofener Teilort zur Kirchengemeinde Oberaspach. Alle 14 Tage hält der Pfarrer erst in Eckartshausen und dann in der Kilianskirche den Sonntagsgottesdienst. Seit einiger Zeit ist Johannes Albrecht auch für die Gesamtkirchengemeinde Großaltdorf-Lorenzenzimmern zuständig. Seit dort die Pfarrstelle auf 50 Prozent reduziert wurde, finden sich keine Bewerber mehr. Nun wechselt sich der Oberaspacher Seelsorger mit dem Ruhestandspfarrer Hans-Gerhard Hammer, der in Großaltdorf wohnt, beim Gottesdienst in der Nachbargemeinde ab. Auch die dortigen Konfirmanden betreut Albrecht.

Der Pfarrer führt gelegentlich auch Gruppen, die sich bei ihm melden, durch seine Kirche, "wenn ich nicht gerade andere Aufgaben zu erledigen habe", schränkt er ein.

Oberaspach ist auf schönen Radstrecken zu erreichen. Die Bühler-Schleife geht durch den Ort und auch von der Hohenlohe-Tour, die durch Ilshofen führt, würde sich ein Abstecher lohnen. Die dritte regionale Radstrecke, die den Ort tangiert, ist die Juhe-Tour, die aus dem Jagsttal kommend die Radler durch Ilshofen und weiter nach Großaltdorf leitet.

Info In einer kleinen Sommerserie stellt das Haller Tagblatt ausgewählte Dorfkirchen vor.

Die Sage vom Kirchenbau

Weihe 1217 wird als das magische Jahr der Weihe von St. Kilian durch Sigebodo Bischof von Havelberg mit Zustimmung von Otto Bischof von Würzburg betrachtet. Ursprünglich ging man von 1221 aus, das ist auf dem Pergamentstreifen zu lesen, der zusammen mit den Reliquien im Altar eingemauert war. Neuere Untersuchungen deuten aber das Jahr 1217 aus den römischen Ziffern. Belegt ist, dass Bischof Sigebodo schon im Frühjahr 1220 nicht mehr im Amt war, also auch nicht 1221 die Oberaspacher Kirche geweiht haben kann.

Sage Zum Bau der Kirche in Oberaspach gibt es auch eine Sage: Ursprünglich sollte das Gotteshaus auf dem Lindleinswasen zwischen Gaugshausen und Oberaspach errichtet werden. Das dort von den Bauern zusammengetragene Baumaterial verschwand aber über Nacht auf wundersame Weise und fand sich an der Stelle der heutigen Kirche wieder.

CLAK