Es ist ein Spiel – mit Farbe, Fantasie, Formen und Vorbildern. Abstrakte, bunt bemalte Leinwände hängen an der Brüstung in der Halle des Landratsamts. Vögel als Mobile und andere Papierobjekte schmücken den Raum über den Köpfen bei der Vernissage zur Schulkunst.

„Das Schicksal der Welt liegt in deinen Händen“ steht mahnend unter der Weltkugel aus Pappmaschee neben dem Rednerpult. Daneben schwimmt der „Fisch der Zukunft?“ mit Plastikverschlüssen statt Schuppen. Das Motto der alle zwei Jahre im Landratsamt stattfindenden Ausstellung lautet „Bild – Material – Objekt“. „Das Thema lässt bewusst viele Gestaltungsfreiräume und bringt so eine Bandbreite an Ideen hervor“, verdeutlicht Studiendirektor Werner Kniefel, Fachberater Bildende Kunst am Regierungspräsidium Stuttgart.

Der Platz ist rar

Häufig werden mehrere kleinteilige Szenen in einem Rahmen zugleich gezeigt. Architekturmodelle reihen sich auf, Drahtfiguren stehen Glied an Glied. Der Platz ist trotz der drei Geschosse rar, beteiligen sich doch 23 Klassen aus 16 Schulen des Landkreises an der Ausstellung.

Inspiriert vom deutschen Künst­ler Günther Uecker, wurden die Nagelobjekte mit Holz, Schuh und Spray von der neunten Klasse des Crailsheimer Albert-Schweitzer-Gymnasiums gestaltet. Daneben steht ein Stück Sturmholz – ein Kunstwerk direkt aus der Natur – auf einem Sockel. Darüber hängt es als Materialstudie. Ungewöhnlich sind die durch Aufnähen anderer Bildteile entfremdeten Porträts – da hängt der böse Schurke neben einem hechelnden Teenager. „Das sieht hundekomisch aus“, lautet der zum Schmunzeln anregende Titel.

Mit schwarzem Filzstift und gelben Post-it-Zetteln nähern sich Schüler der achten Klasse der Grund- und Werkrealschule Fichtenberg den „Sticky Monsters“ des dänischen Künstlers John Kenn Mortensen an. Golden funkelt hingegen der Beitrag der neunten Klasse der Helmut-­Rau-Schule in Mainhardt an der Wand: Die glänzenden Papierquadrate auf Schwarz zeigen erst beim Nähertreten reliefartig Alltagsobjekte.

Mit Land Art hat sich die vierte Klasse der Michelfelder Grundschule auseinandergesetzt. Durch ihre schiere Größe fallen die zwei Werke der Crailsheimer Eichendorff-Schule besonders auf: Auf riesigen Leinwänden mit Pappe und mit grobem Farbauftrag zeigen die „Combine Paintings“ den Mond. Viele der ausgestellten Werke spielen mit zusätzlichen Materialien. Sie verändern die vertrauten Wirkungen, entfremden, ironisieren und schaffen Neues.

Alltag mit neuen Augen sehen

Die Redebeiträge umrahmen Zehntklässler der Mainhardter Helmut-­Rau-Schule unter der Leitung von Diana Bunz mit einer Performance aus Rhythmus- und Tongemälden. Hedwig Meier, Leiterin des Schulkunstteams, führt in die Ausstellung ein. „Kunst bringt uns dazu, das Alltägliche mit neuen Augen zu sehen“, verdeutlicht sie. Die Kinder und Jugendlichen setzten sich vielfältig mit Umwelt, Mode, Kunstgeschichte, Techniken und Selbstdarstellung auseinander.

Meier schlägt einen amüsanten und zugleich informativen Bogen von der Definition des Ausstellungsmottos hin zu Künstlerpositionen und dem Bildungsplan für den Kunstunterricht: Ratsch, schneidet das Messer die leere Leinwand ein, die zuvor für den Begriff „Bild“ stand. Sie zeigt so den kritischen Ansatz von Lucio Fontana. Dieser wurde durch seine provozierenden Schnittbilder berühmt. „Er wollte auf das Bild hinter dem Bild verweisen“, weiß Meier und dreht dabei ironisch die leere Leinwand um. „Ich komme auf jeden Fall noch mit meinen Schülern her“, meint Iris Seehuber vom Schulkunstteam, „das wird interessant.“

Info Die Ausstellung ist noch bis Donnerstag, 15. März, zu den Öffnungszeiten des Landratsamts Schwäbisch Hall zu sehen.