Hoolgaaschtfest in Hall Rieger verlässt Sieder-Posten, Stadträtin die SPD-Fraktion

Ein letztes Mal nimmt er als Erster Hofbursche der Sieder nach seinem Trinkspruch beim Hoolgaschtfest einen kräftigen Schluck aus dem Gockel.
Ein letztes Mal nimmt er als Erster Hofbursche der Sieder nach seinem Trinkspruch beim Hoolgaschtfest einen kräftigen Schluck aus dem Gockel. © Foto: ars
Schwäbisch Hall / Norbert Acker 06.08.2018
Beim Hoolgaschtfest wird bekannt, dass SPD-Gemeinderätin Monika Jörg-Unfried ihre Fraktion verlassen hat. Der Erste Hofbursche, Tobias Rieger eröffnet das Fest zum letzten Mal in dieser Funktion.

Der Hoolgaascht habe ihm durch die Zeitung mitgeteilt, dass er doch mal wieder einen zünftigen Trinkspruch bei „seinem“ Fest hören wolle. Das sagt CDU-Gemeinderat und Sulzdorfs Ortsvorsteher als erstes, als er am Samstag als dritter Redner das Mikro beim 35. Hoolgaaschtfest des Vereins Alt Hall auf der Stadtmauer beim Neubau ergreift. Sein Spruch hat dann auch verklausuliert eine Neuigkeit parat: SPD-Gemeinderätin Monika Jörg-Unfried, die wegen der Namibia-Affäre mit ihrer Fraktion im Clinch liegt, hat diese verlassen. Das bestätigt auch Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim dem Berichterstatter (mehr dazu demnächst).

Das Stadtoberhaupt hatte seine Sieder allerdings erst mal warten lassen. Der offizielle Festbeginn war für 19 Uhr angesetzt, um kurz vor halb acht war der OB da. „So spät hat es noch nie angefangen“, murrt ein Sieder an einem der Biertische. Endlich zieht der große Siedershof ein. Mit Fanfarenmarsch und Salutschüssen wird das Fest eingeläutet.

Auch wenn sie in den vergangenen Jahren immer weniger geworden sind, warten alle gespannt auf die Trinksprüche. Tobias Rieger, Erster Hofbursche macht den Anfang. „Meine Tochter sagte gestern, bitte mach keinen traurigen Spruch, sonst brauchen wir ein Taschentuch“, so Rieger, der sein Amt nach 16 Jahren abgibt. Anfang des kommenden Jahres wählt die Hauptversammlung der Sieder seinen Nachfolger. „Einmal Sieder, immer Sieder“, sagt Rieger später am Abend noch.  Selbstverständlich werde er auch weiterhin mitmachen: „Ich freue mich aber auch darauf, mehr freie Wochenenden zu haben.“ Ein bisschen Wehmut sei natürlich trotzdem dabei.

Der OB freut sich, dass neben den Siedern auch eine „stattliche Delegation des Gemeinderats“ und die Presse anwesend sei. Eigentlich habe er das Namibia-Thema ausschließen wollen, sagt dann aber noch: „Ich hoffe das die, die so viel Schmutz verbreiten, auch die Größe besitzen, sich zu entschuldigen wenn was anderes herauskommt.“ Fast vergisst er das wichtigste, geht noch einmal ans Mikro und bedankt sich bei Rieger für die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Nicht alle einverstanden

Nach Walter Franks Auftritt und der Bekanntgabe der Ergebnisse des Freundschaftsschießens durch Schützenkommandant Hermann Frank feiern die Sieder mit ihren Familien und befreundeten Brauchtumsvereinen aus der Region ihre Hocketse. Rieger gönnt sich ein kühles Getränk, die Siederkluft hat er trotz der hohen Temperatur noch komplett an. „Ich finde es schon schade, dass es nicht mehr so viele Trinksprüche gibt wie früher“, sagt er. „Es wäre schön, wenn sich da wieder mehr Freiwillige für finden würden. Es müssen ja nicht immer alle damit einverstanden sein, mit dem was gesagt wird. Das war bei mir heute sicher auch nicht so.“ Er könne sich aber vorstellen, im nächsten Jahr auch einen  spontanen Spruch zu bringen.

Die Trinksprüche von 2018 in Auszügen

Erster Hofbursche Tobias Rieger: „Als nächster aktueller Punkt kommt nun die sogenannte Namibia-Reise. Jeder hat seine Meinung dazu, manch eine laut, manch eine leise. Zu meiner Meinung werde ich oft gefragt, bis jetzt verhielt ich mich ruhig und habe nichts dazu gesagt. Auch werde ich es weiter so halten, denn meine Meinung tut nichts zur Sache und ich will auch nicht spalten. Diskussionen sind ok und wichtig, aber nicht persönliche, sondern sachliche sind richtig.“

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim: „Ist es am Tag so richtig warm, so schwätzt und schreibt mancher zum gottserbarm’. Ist es so richtig heiß, so schwätzt und schreibt mancher einen echten … G’sundheit!“

Walter Frank, Ortsvorsteher von Sulzdorf: „Vor kurzem im Gemeinderat, die Jörg-Unfried schritt zur Tat. Den OB wollt sie in die Schranken weisen, dem selbstherrlichen und arroganten pelgrimschen Abnickverein Mut beweisen. Doch oh Schreck und Graus, jetzt isch die SPD zur Tür hinaus. Um Stimmenkönigin zu werden bei der Kommunalwahl, muss sie Frontawechsle – so a Qual. G’sundheit!“

Die Ergebnisse des Freundschaftsschießens

Mannschaftswertung Der ersten Platz holt sich die Bürgergarde Ellwangen mit 119 Zählern. Die Siedeknechte belegen Platz zwei mit 103 Zählern, die Bürgerwehr Lauchheim Platz drei mit 93 Zählern.

Einzelwertung Damen Judith Feucht von der Stadtverwaltung landet mit 30 Zählern auf dem ersten Platz. Ihr folgen Tatjana Haug von der Bürgerwache Crailsheim mit 28 Zählern auf Platz zwei und Birgit Busse von den Freilichtspielen auf Platz drei mit 19 Zählern.

Einzelwertung Herren 46 Zähler reichen Lukas Beißwenger von den Siedeknechten für den ersten Platz. Auf Platz zwei landet Josef Kupfer von der Bürgergarde Ellwangen mit 41 Zählern, gefolgt von dem Einzelschützen Jörn Kudzuweit mit 38 Zählern auf Platz drei. noa

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