Engagement Ein beinahe runder Geburtstag

Die Tische und Bänke stehen locker verteilt: Bei der Geburtstagsparty des Jugendclubs herrscht Straßencafé-Atmosphäre.
Die Tische und Bänke stehen locker verteilt: Bei der Geburtstagsparty des Jugendclubs herrscht Straßencafé-Atmosphäre. © Foto: Ufuk Arslan
Braunsbach / Ernst-Walter Hug 04.09.2018
Beim Braunsbacher Jugendclub ist 41 gleich 40. Das feiern auf der Kulturinsel überwiegend ältere Semester.

Nicht nur in Städten wie Schwäbisch Hall mit dem Club Alpha haben sich die Jugendlichen vor rund 40 Jahren organisiert. Auch draußen in den Dörfern hat sich damals etwas getan, zum Beispiel in Braunsbach. Dort feierte jetzt der Jugendclub das 41. Jahr seines Bestehens. Sein 41.? Warum nicht 40? Oder wenigstens nach Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ das 42. Jahr – immerhin ist dem Buch zufolge die 42 der Sinn des Lebens.

Felizitas Frick vom Vorstand des Braunsbacher Clubs macht große Augen. Damit kann sie gar nichts anfangen. Ihr Vater Anton Frick, seit 30 Jahren Kassier des Jugendclubs, schon. „Na, so lange wollten wir auf unser Jubiläum dann auch nicht warten“, sagt er und lacht. Das 40. ist im vergangenen Jahr wegen der ganzen Baustellen nach der Braunsbacher Sturzflut von 2016 quasi ins Wasser gefallen. „Das war kein guter Ort für ein Fest“, ergänzt Felizitas Frick.

Jetzt hat man Bänke und Tische am Platz auf der Kulturinsel aufgestellt. Ganz locker, so wie in einem Straßencafé. Davor die Bühne, quer dazu auf der anderen Seite des Platzes eine schwarze Leinwand für das zweite Highlight des Abends, die Feuershow. Links von der Bühne die Bar, auf der rechten Seite ein Wagen, in dem es Flammkuchen gibt. Die Leute sitzen da und unterhalten sich. Die Band Hautnah spielt Hits der 70er- und 80er-Jahre.

Es herrscht auch Straßencafé-­Atmosphäre. Nur: Wo sind die Jugendlichen? Ein paar sind da. Ein Tisch ist mit einer Gruppe 20- bis 30-Jähriger besetzt. Die meisten Besucher sind 40, 50 oder gar schon über 60. „Schwierig“ zum Beispiel, der eigentlich Werner Schuhmacher heißt und aus Enslingen kommt. Er war mal Weltmeister im Rasenmähen, als dieser Wettbewerb in Steinkirchen ausgetragen wurde. Heute ist Schuhmacher ein „echter“ Braunsbacher aus Jungholzhausen. „Ich war immer bei den großen Veranstaltungen des Jugendclubs“, erzählt er, „bei den Konzerten und bei den Festen.“

„Das Schlossfest war eines unserer Events“, bestätigt Anton  Frick. „Aber dann lag unser Schwerpunkt irgendwann außerhalb des Ortes. Als die alte Festhalle der Burgenlandhalle weichen musste, konnten wir unsere Veranstaltungen zweieinhalb Jahre lang nur auswärts organisieren. In Hall waren wir, in Kupferzell und oft in Künzelsau. Wir hatten Kabarett und Comedians, aber auch viele bekannte Bands und Musiker: Ralf Illenberger, Wolle Kriwanek, Schwoißfuaß und Grachmusikoff.“

Warum ist es so schwierig, junge Leute anzusprechen und dazu zu bewegen, im Club mitzumachen? Der Club hat zwar nominell über 100 Mitglieder, aber nur wenige junge. Die heutigen Macher, zehn, vielleicht 15 Aktive, sind auch schon aus dem „richtigen“ Jugendlichen-Alter raus.

Heute mehr Angebote als früher

„Einige machen schon mit“, meint Felizitas Frick, „beim Lebkuchenfest alle zwei Jahre, beim Fasching oder sie helfen bei unseren Veranstaltungen für Kinder.“ „Das Problem ist“, schaltet sich Vater Anton Frick ein, „die heutigen Jugendlichen haben nicht den Druck, selbst etwas machen zu müssen. Bei uns gab‘s wenig speziell für Jugendliche, keinen Ort, an dem wir uns treffen konnten. Heute gibt‘s größere Mobilität, Discos und Clubs, Handys, Computer und Musik für jedes Alter im Radio. Wir mussten unsere Programme selber machen.“

Frick erwähnt das Schneiderhaus in der Pfalzgasse, das früher dem Jugendclub gehört hat. Dort gab es unter anderem ein Fotostudio. „Aber welcher Jugendliche interessiert sich heute noch für Fotografie, die über ein Selfie mit dem Handy hinausgeht?“, fragt er und ergänzt: „Das Haus haben wir wieder verkauft vor ein paar Jahren. Das Kapital ist unser Rückhalt für solche Jubiläumsfeiern wie heute.“

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