Migration Ehrenamtliche gegen Ankerzentren

Landkreis / Ute Schäfer 07.07.2018

„Ankerzentrum klingt gut. Es klingt nach Schutz und Halt“, sagt Susanne Knobloch-Böltz vom Haller Diakonieverband. „Aber das Gegenteil ist der Fall.“ Ankerzentren sind Teil der Koalitionsvereinbarungen. In ihnen sollen die Flüchtlinge als erste Anlaufstelle untergebracht werden. Der Anker ist ein Euphemismus, sagt Bernard Cantré vom Freundeskreis Asyl Kirchberg. Anker bedeutet „Ankunft, Entscheidung, Rückführung“. „Es hat also nichts mit Schutz und Halt zu tun“, so Knobloch-Bölz, die beim Diakonieverband in der Flüchtlingshilfe arbeitet.

Die Freundeskreise Asyl – und Bernard Cantré spricht hier nicht nur für den aus Kirchberg, sondern auch für die aus Schwäbisch Hall, Bühlerzell, Ilshofen, Wallhausen und Langenburg – sehen die Nachteile dieser Zentren, in denen die Flüchtlinge leben sollen, solange ihr Verfahren läuft: „Die Flüchtlinge sind dort wie in einem Lager kaserniert. Kontakt nach außen ist nicht vorgesehen, auch keine Hilfe von den Ehrenamtlichen, keine Deutschkurse, nichts.“ Die wenigen, großen Einrichtungen machen die vielen kleinen, dezentralen und gut funktionierenden Einrichtungen überflüssig. Dies hebelt die Freundeskreise Asyl aus. Grundsätzlich fürchtet Cantré: „Wenn keiner Zutritt hat, weiß auch keiner, wer Hilfe braucht oder was passiert.“ Die Ehrenamtlichen sehen schwarz: „Familien sollen dort ein halbes Jahr bleiben. Junge Männer bis zu zwei Jahren.“ Das berge Sprengstoff, so Bernard Cantré.

Auch die Diakonie und der Caritasverband haben sich in einem Schreiben an die Innenministerkonferenz gegen diese Zentren ausgesprochen. Deshalb haben sich die Flüchtlingshelfer aus dem Kreis vor einigen Wochen an die Abgeordneten gewandt. „Die Zentren sollten klein und offen sein“, fordert Cantré, „und die Aufenthaltsdauer kurz.“ Allerdings: „Von den Politikern kam bisher  keine Reaktion“, bedauert Cantré, „nur Jutta Niemann (MdL, Grüne) hat den Empfang bestätigt. Immerhin.“

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