Gartenserie Ehemaliger Acker ist mittlerweile ein Gartenparadies

Braunsbach / Sonja Alexa Schmitz 23.06.2018

In Weilersbach geht es einen schmalen Weg hinauf. Über Felder und an einzelnen Höfen entlang erreicht man schließlich den Ort Winterberg, der aus höchstens fünf Häusern besteht. Eines davon gehört Andrea Deininger und ihrem Mann Roland Bauer. Er arbeitet als Fotograf, sie schreibt und illustriert Kinderbücher.

„Ich bin ein Stadtkind“, sagt die in Stuttgart Aufgewachsene. Von Gartenarbeit hatte sie keine Ahnung. Als sie vor 40 Jahren mit ihrem Mann das Haus erblickte, sie waren in der Gegend, weil der Fotograf ein Buch über aussterbende Dörfer plante, verliebten sie sich in das Haus und zogen an diesen gut versteckten Zipfel der Welt. Ihr Plan: sich weitgehend selbst versorgen. Sie bauten Gemüse an, backten Brot im Holzbackofen. Irgendwann war die Zeit zu knapp,  der Anbau lag brach.

Vor einigen Jahren nahm das Paar die Gartenarbeit wieder auf. Nun wollte Deininger auch einen Staudengarten gestalten, einen Bauerngarten, mit von Buchs eingefassten Quadraten. Auf einem früheren Acker realisierte sie ihr Projekt. Unzählig viele Schnecken sammelte sie ein und trug sie über den nahen Bach. Unkraut musste raus, der Boden mit Kompost verbessert werden.

Rund um das fünfhundert Jahre alte Steinhaus gibt es mittlerweile viele Gartenräume. Im Blumengarten an der Ortsstraße soll es vor allem schön aussehen. „Der Garten hat mehrere Farbphasen. Im Frühjahr beginnt es mit Blau. Dann blühen Kornblume, blaue Akelei und Clematis.“ Jetzt im Juni blühen die rosa Bodendeckerrose „Fairy“, außerdem Bartnelken, Taglilien und  die Rose Albertine.

Der Staudengarten, der am Hang liegt, war ursprünglich vorwiegend mit gelben und pinkfarbenen Blühpflanzen bestückt. Später kamen weiße Schafgarbe und Rittersporn in Weiß und Lila dazu. Im späten Sommer und Herbst blüht der Garten vor allem Gelb  – Sonnenblumen und Sonnenhut-Arten dominieren dann. Dazu wachsen Astern in Hülle und Fülle.

Rund fünfzehn verschiedene Rosen verschönern den Hanggarten: Artemis, Leonardo da Vinci, Innocencia, Constance Sprey, Feen Rose, Bobby James, Tuscany, Apple Blossom, Goldmarie, Hella, Pat Austin. Die Hobbygärtnerin schneidet alle Stöcke (von Kletterrosen abgesehen) im März um ein Drittel herunter. Dann düngt sie sie mit Kompost. Außerdem bekommen die Pflanzen im Sommer einmal wöchentlich einen flüssigen Rosendünger.

Rosen als Bienenweide

Andrea Deininger achtet darauf, nur Rosen mit halbgefüllten Blüten zu kaufen. Diese werden von Bienen angeflogen. Auf dem Grundstück des Paares stehen Bienenstöcke. Es summt und flattert. Schmetterlinge fliegen die Pracht an: Kaisermantel, Schwalbenschwanz, Wiesenvögelchen, kleiner Eisvogel, Schachbrettfalter.

Jeden Morgen nach dem Aufstehen geht die 60-Jährige erst einmal in ihren Garten. Sie lacht selber darüber. Aber es tue eben so gut. Sorgen macht sie sich nur über den Zünsler, der den Buchs gefährdet. Sie sammelt die Würmchen ab und  im Kirschbaum hängt eine Falle. Diese lockt die männlichen Falter, so dass den Weibchen der Gegenpart zur Fortpflanzung fehlt.

Hufgetrappel – der Nachbar reitet vorbei. In der Nähe muhen die Kühe. Die Schmetterlinge flattern, die Bienen summen. „Warum sollten wir in Urlaub fahren?“, stellt Roland Bauer die sich selbst beantwortende Frage.

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