SchwäbischHall Edith Klug: Wo Liebe ist, ist auch Gott

SchwäbischHall / ELISABETH SCHWEIKERT 19.11.2013
Edith Klug (64), Prädikantin und Kirchengemeinderätin in Hall, kandidiert für die Landessynode. Sie tritt für den Gesprächskreis Offene Kirche an.

Glaube kann in unterschiedlicher Intensität gelebt werden: Manche wollen nichts damit zu tun haben, anderen reicht es, an Heiligabend die Christmette zu besuchen und die Kirchensteuer zu bezahlen. Wieder andere sind von der Suche nach dem, was möglicherweise der Grund allen Lebens ist, durchdrungen. Edith Klug gehört zu den letztgenannten.

Dass es nicht üblich ist, über religiöses Erleben zu sprechen, weiß Edith Klug, und erklärend leitet sie ein, wie sie zur Kirche kam: "Das klingt vielleicht jetzt - hmm. Aber, was mein Leben geprägt hat, war, dass ich von Jesus fasziniert bin. Von seiner Art, auf Menschen zu schauen." Dass es da jemanden gibt, der annimmt, der sagt: Du bist gut genug. Für sie sei dieses Erleben befreiend, das ist Basis für ihr Gottes- und Menschenbild.

Eine Theologie vom Tod Jesus als Sühneopfer lehnt Edith Klug ab: Sie glaube nicht an einen Gott, der Opfer braucht. Und Menschen könnten nicht auf die Rolle des Sünders reduziert werden. In dieser Sicht spiegele sich eine Kirche wieder, die über Jahrhunderte ein Machtfaktor war. "Dass die Akzeptanz der Kirche so zurück gegangen ist, ist auch eine Folge dieser Theologie."

Fünf bis zehn Prozent der evangelischen Christen gehen regelmäßig in die Kirche. Etwa 20 Prozent der Gläubigen nehmen am Gemeindeleben Teil. Deren Religionsauffassung und Lebenskultur werde von den Gesprächskreisen "Evangelium und Kirche" und "Lebendige Gemeinde" in der Synode geprägt. "Was ist mit dem Rest, was ist mit den 80 Prozent, die sich innerlich von dieser Frömmigkeit längst verabschiedet haben? Ich möchte, dass für diese Menschen in der Kirche Aussagen gemacht werden, mit denen sie leben können." Für sie sei der Gesprächskreis Offene Kirche "existenziell wichtig", denn in der traditionellen Form der Glaubenspflege fühle sie sich nicht zu Hause.

Einer konservativen Frömmigkeit stellt sie gegenüber, "dass man Gott persönlich erfahren kann", dass Gott in den Menschen präsent ist, die lieben. Deshalb sieht sie die Evangelische Kirche auch nicht als Institution, welche den alleinig selig machenden Glauben vertritt. "Wenn ich den Weg der Liebe gehe, den Weg, den Jesus gegangen ist", dann sei es letztlich egal, ob diese Haltung dem Leben gegenüber von einem Muslim, Buddhist oder Christ eingenommen werde. "Wir müssen von unserem elitären Anspruch herunter und die großen, drängenden Fragen der Menschheit lösen - miteinander."

Für diese drei Punkte will sich Edith Klug in der Synode stark machen: Dass die Evangelische Kirche keinen exklusiven Anspruch auf den rechten Glauben hat, dass in der globalisierten Welt dienliche Strukturen fürs Zusammenleben geschaffen werden und dass die Kirche die Menschen annimmt, wie sie sind. Zum letzten Punkt: "Jesus hat mit Sündern, Zöllnern und Huren gegessen. Er hat sich berühren lassen von einer Frau, die unrein war. Er hat an Sabbat geheilt, weil es nötig war. Jesus hat Tabus gebrochen, um den Menschen zu ihrem Lebensrecht zu verhelfen." Deshalb trete sie für die Segnung von homosexuellen Paaren ein. "Heterosexuelle werden gesegnet, ohne mit der Wimper zu zucken, egal ob sie partnerschaftlich und in Liebe leben oder nicht. "

www.offene-kirche.de

Zur Person vom 19. November 2013
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