Schwäbisch Hall Drohungen im Chat: Urteil gegen 19-Jährigen

ELEONORE HEYDEL 15.08.2015
Mit Hilfe seines Handys hat ein 19-Jähriger eine Haller Schülerin aggressiv belästigt. Sie sollte ihm freizügige Bilder schicken. Das Haller Amtsgericht verurteilt ihn wegen versuchter Nötigung.

Der 19-jährige Angeklagte ist kein Frauenheld. Im unauffälligen T-Shirt, mit karierten Bermudas und festen Socken in den Turnschuhen sitzt er in der Anklagebank des Haller Amtsgerichts. Seine schwarze Schirmmütze hat er abgelegt. Sein etwas längeres Haar wirkt verschwitzt.

Eine 17-jährige Schülerin hat ihn bei der Polizei angezeigt. Sie kennt den jungen Mann persönlich nicht. Im März dieses Jahres hat er über den Internet-Dienst "WhatsApp" Kontakt mit der jungen Frau gesucht. Sie seien sich ein Jahr zuvor beim Bühlertanner Fasching begegnet, schrieb er im Chat an sie. Er benutzte dabei einen Decknamen. Dort habe er frivole Fotos gemacht. "Du hattest oben rum nur deinen BH an, sonst nichts."

Zunächst versuchte der junge Mann es geschäftsmäßig. Sie solle ihm weitere freizügige Bilder schicken, sonst lasse er die vorhandenen in Hall "die Runde machen", drohte er in dem Chat. Als das Mädchen nicht auf diese Forderung einging, wurde der Absender der Nachricht unverschämt: "Wenn man mich länger hinhält, kann ich auch zum Arsch werden."

Die 17-Jährige antwortete: "Du erpresst mich." Verunsichert suchte sie Hilfe bei der Polizei. Die Beamten ermittelten den jungen Mann schnell. Sie beschlagnahmten sein Handy. Bei der Auswertung fanden sie Wort für Wort den Chat-Verkehr zwischen ihm und seinem 17-jährigen Opfer.

Die Beamten entdeckten auf dem Handy außerdem das Bild einer Frau in Unterwäsche, abgebildet vom Hals abwärts. Mit der belästigten Schülerin hat es nichts zu tun. Alles war nur eine leere Drohung. Das einzige, was stimmte: Auf dem Bühlertanner Faschingsfest sind sich Täter und Opfer flüchtig begegnet. "Ich war angetrunken", bekennt die hübsche 17-Jährige als Zeugin. "Ich hab' ihn nicht bewusst gesehen."

Der Angeklagte will vor Gericht nichts zugeben. "Ich habe das nicht geschrieben. Da hat sich bei mir ein Drittanbieter eingeschlichen", sagt er. Oberstaatsanwalt Peter Bracharz aber hält dagegen: "Jetzt den großen Unbekannten anzuführen, ist ebenso billig wie aussichtslos."

Wie von Peter Bracharz beantragt, verurteilt Jugendrichterin Katja Kopf den 19-Jährigen wegen "versuchter Nötigung". Er soll 40 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und bei der "Jugendberatung Schwäbisch Hall" ein einjähriges Kompetenztrainung absolvieren.

Sein Handy hat der junge Mann inzwischen von der Polizei zurückbekommen. Die attraktive 17-Jährige aber wird beim Chatten für ihn unerreichbar bleiben.