Großaktion Drogenkontrolle an der Arena Hohenlohe

Ilshofen/Crailsheim / Verena Köger 11.08.2018
Das Haller Polizeirevier richtet am vergangenen Wochenende eine Drogenkontrollstelle an der Arena Hohenlohe ein. Mit der Unterstützung anderer Reviere durchsuchen Beamte Autos von Besuchern, die auf dem Weg zum Jungle-Beat-Festival in Saurach sind – und werden fündig.

Ein Auto nach dem anderen wird von den Polizeibeamten in gelben Warnwesten von der L 1040 aus Kirchberg in Richtung Arena Hohenlohe in Ilshofen herausgewunken. Beinahe im Minutentakt fahren vor allem Kleinwagen und Kleinbusse auf den Parkplatz. Dort stehen schon die Kollegen bereit. Normalerweise finden in und rund um die Arena Veranstaltungen wie Messen, Viehversteigerungen und Partys statt. An diesem heißen Juliwochende ist dort der Einsatzort einer Großkontrolle im Straßenverkehr.

Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sollen aufgedeckt werden. Anlass ist das Jungle-Beat-Festival im circa zwei Kilometer entfernten Saurach, zu dem rund 4500 Besucher an diesem Freitag nach und nach strömen. Von der Arena aus sind in der Ferne einige Zelte und Bühnen zu erkennen. Sogar der etwa vier Meter hohe orangene Tiger, eines der Festivalsymbole, schaut herüber.

Beamte des Haller Polizeireviers sowie Kollegen der Reviere des Polizeipräsidiums Aalen sind in Ilshofen vor Ort. Sie alle haben spezielle Lehrgänge für solche Einsätze absolviert. „Nachdem es schon im vergangenen Jahr viele Vorfälle gab, haben wir dieses Mal eine Großaktion geplant“, erklärt der Haller Polizei­oberkommissar Alexander Feindt (39). Er leitet den Einsatz mit rund 30 Männern und Frauen.

Auf dem Rückweg von der Arbeit

Über den Knopf in seinem Ohr bekommt Feindt Bescheid, dass ein silberner Golf auf der Anfahrt zum Arena-Parkplatz ist. Am Steuer sitzt ein etwa 20-Jähriger. Er ist deutlich verunsichert. Nachdem er seinen Führerschein sowie die Fahrzeugpapiere vorgezeigt hat, wird sein Auto durchsucht. Feindt führt außerdem einige Tests mit ihm durch, um seine körperliche Verfassung einschätzen zu können. „Schließen Sie die Augen. Wenn ich ‚Jetzt’ sage, schätzen Sie ab, wann 30 Sekunden vorbei sind.“ Der Jugendliche zittert. Er wolle gar nicht auf das Festival, sondern ist auf dem Heimweg von der Arbeit, erzählt er Feindt mit leiser Stimme. Der Einsatzleiter beruhigt ihn mit ein paar harmlosen Fragen zu seinem Beruf und da im Auto nichts gefunden wurde, kann er weiterfahren.

Nebenan wird ein ebenfalls junger Mann von einem Beamten angewiesen, auf einer Linie die Hacke des einen Schuhs an die Spitze des anderen zu setzen. Er ist auf dem Weg zum Festival. Die Kontrolle überrasche ihn nicht. Er kenne das schon von anderen Festivals. „Bei solchen Veranstaltungen muss man damit rechnen“, sagt er. Obwohl er nichts zu verbergen hatte, war er dennoch aufgeregt, gibt er zu.

Gegenüber sehen zwei junge Frauen zu, wie ihr brauner VW-Bus mit Sonnenblumen durchsucht wird. Der Laderaum ist gefüllt mit Campingutensilien. „Hier steht nicht gleich jeder unter Generalverdacht, der einen Bus fährt, aber wenn man durch die Fenster sieht, mit was der Bus gefüllt ist, kann man erahnen, wohin er fährt“, so der Haller Polizist Werner Dürr (57). Man bekomme mit der Zeit ein Gespür dafür, welche Autos man rauszieht. „Da ist Erfahrung gefragt.“

Mittlerweile ist der Bus ausgeräumt. Taschen, Schlafsäcke und Wasserflaschen liegen auf dem Boden. Die Fahrerin ist jetzt beim Urintest. Jetzt ist Schäferhund Quanto dran. Mit einem Maulkorb auf der Nase schnüffelt er im Bus herum. Er rennt hin und her, springt rein und raus. Er scheint aufgeregt. Hat er was gerochen? Sein Polizei-Herrchen erklärt: „Wenn er ganz ruhig wird und seine Schnauze an einen Gegenstand hält, dann hat er was gefunden.“ Also Fehlanzeige.

Während die zwei Frauen ihre Sachen wieder in den Bus laden, gab es beim roten Camper drei Meter entfernt einen Fund: 0,05 Gramm Amphetamin, versteckt in einer Kaugummidose. Der Fahrer des Wagens, ebenfalls ein Festivalbesucher, ist bereits beim Urintest in der Arena gewesen. Doch dieser war negativ. Eine Anzeige bekommt er trotzdem, denn schon allein der Besitz von Betäubungsmitteln ist strafbar. Hannes Abele stellt dem jungen Mann noch einige Fragen. Dabei findet der Schwäbisch Gmünder Polizist heraus, dass dieser als Erzieher arbeitet. Abele ist fassungslos. Zumal der Fahrer unbekümmert mit den Armen hinter dem Rücken da steht. Keine Spur von Reue. Dieser Fall ruft Abele wieder in Erinnerung: „Ich habe selbst Kinder und will, dass weniger Drogen im Umlauf sind“, erklärt der 37-Jährige. Er ist seit circa sechs Jahren bei solchen Einsätzen dabei und findet vor allem das Klientel interessant, das man kennenlernt.

Spontane Filmvorstellung

Wie etwa die Insassen des silbernen Kleinbusses, der nun auf den Parkplatz kommt. Er hat ein englisches Kennzeichen. Als die Beamten die Türen des Wagens öffnen, riechen sie sofort Marihuana. Die fünf Insassen, vier Männer und eine Frau, steigen aus. Schon nach kurzer Zeit zeigen sie freiwillig, was für eine Menge sie dabei haben. Insgesamt circa fünf Gramm. Sie seien auf der Durchreise nach Ungarn und wussten nichts von dem Festival, erklären sie den Beamten. Während ihr Hab und Gut ausgeräumt wird, sitzen sie in einem Kreis zusammen und schauen sich die Szenerie wie einen Film an. Einer von ihnen macht Dehnübungen. Im Wagen wird nichts Weiteres gefunden. Dennoch bekommen sie eine Anzeige. Die damit verbundene Geldstrafe müssen sie vor Ort bar bezahlen, erklärt Feindt. „Das nennt man Sicherheitsleistung.“ Nach rund einer Stunde packen die Engländer in Ruhe ihre Sachen ein.

Weniger gelassen sieht eine andere Gruppe die Kontrolle. Sie gehören zum Festival-Veranstaltungsteam. Auch sie müssen dulden, dass ihre Sachen durchsucht werden – jede Tasche, jede Plastiktüte, jeder Schlafsack. Die jungen Männer sind sichtlich genervt. Sie sind spät dran, müssen helfen und jetzt werden sie hier aufgehalten. Nachdem bei ihnen nichts gefunden wurde, und auch der Urintest des Fahrers nichts ergeben hat, können sie zum Festivalgelände fahren.

Von dort sind nun die ersten Electroklänge zu hören – das Festival hat begonnen. Das macht sich auch bei der Kontrolle bemerkbar. „Die meisten sind mittlerweile dort“, sagt Feindt. Da fährt ein etwa 50 Jahre alter Mann in einem Kleinwagen vor. Er trägt eine weite Hose, ein T-Shirt mit Batikmuster, Flip-Flops und hat lange Haare. In seinem Auto finden die Beamten eine Tüte mit Marihuana, eine kleine, silberne Kräutermühle, einen sogenannten  Crusher, und eine rosa Ecstasy-Pille. Der Mann versteht den ganzen Tumult nicht. Er habe halt ein bisschen was fürs Festival dabei, sagt er. Überhaupt könne er nicht verstehen, wer über das Betäubungsmittelgesetz bestimmt, vom Volk gehe doch das Gesetz aus. Die Diskussion bringt ihm nichts. Da sein Urintest positiv auf THC, also Cannabis, ist, muss er mit zur ärztlichen Blutentnahme in die Verkehrspolizei­direktion nach Kirchberg. Nach circa zwei Wochen steht dann genau fest, welche Menge er im Körper hatte.

„Es ist unglaublich und traurig, wie die Einnahme von Rauschgift wie Marihuana verharmlost wird“, sagt Feindt. Sein Zwischenfazit: „Erschreckend.“ Mit so vielen Aufgriffen habe er nicht gerechnet. Dennoch schwingt in seiner Stimme Zufriedenheit mit, denn für ihn ist die hohe Anzahl auch ein Erfolg. Denn: Je weniger Drogen im Umlauf, desto sicherer sind die Straßen, da sind sich alle anwesenden Einsatzkräfte einig.

Die Drogenkontrolle – Zahlen und Meinungen

Rund 30 Beamte aus dem Verbreitungsgebiet des Polizeipräsidiums Aalen waren bei der dreitägigen Drogenkontrolle am Rande des Jungle-Beat-Festivals im Einsatz. Besonderes Augenmerk wurde auf die Anfahrt und Abfahrt gelegt. Mehrere Hundert Gramm Marihuana wurden sichergestellt, außerdem Kokain, Amphetamin, Ecstasy-Tabletten sowie verbotene Messer. Die konfiszierten Drogen wurden in das zentrale Rauschgiftlager in Stuttgart übergeben. Von den 82 Anzeigen entfielen 45 auf den Besitz von Betäubungsmitteln. 31 Personen sind unter Drogeneinfluss gefahren. Circa 30 Fahrer mussten zur Blutabnahme nach Kirchberg gefahren werden.

Die Veranstalter bewerten solche Straßenkontrollen generell als sinnvoll, da das Fahren unter Drogeneinfluss laut Gesetz strafbar ist. Auch auf den Tickets wies das Team darauf hin, dass Betäubungsmittel verboten sind. Es gehe bei dem kleinen, familiären Festival schließlich nicht um den Konsum von Drogen, sondern um Musik und das gemeinsame Erlebnis, betonen die Veranstalter. Das Festival sei friedlich abgelaufen. Die Kontrolle habe teilweise zu Staus geführt, außerdem seien einige Autos, darunter auch diejenigen der Veranstalter, mehrmals herausgezogen worden. Generell empfinden sie die Kontrollen bei Drogen härter als bei Alkohol. ena

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