Schwäbisch Hall Dreimal Bach

Ekkehard Schobert (Traversflöte) und Cembalist Reiner Schulte.
Ekkehard Schobert (Traversflöte) und Cembalist Reiner Schulte. © Foto: Ralf Snurawa
Schwäbisch Hall / RALF SNURAWA 06.07.2016
Das Ensemble „Flötentöne“ hat ein reines Bach-Programm zusammengestellt. Im Hällisch-Fränkischen Museum wurde es espritvoll gespielt.

Im Zentrum des  Konzerts, für das am Ende das Publikum viel Beifall spendete, standen zwei Fugen von Johann Sebastian Bach aus dessen „Wohltemperiertem Klavier“. Allerdings wurden sie nicht auf dem Cembalo wiedergegeben. Cembalist Reiner Schulte war vor diesen beiden Werken vielmehr als Moderator zu erleben. Das Ensemble „Flötentöne“ spielte die in d-Moll und D-Dur stehenden Fugen in Streichquartettbesetzung. Und für eine solche hatte Wolfgang A. Mozart diese Fugen arrangiert.

Schulte veranschaulichte den über 40 Zuhörern, wie sehr Mozart die Fugen schätzte: Er hatte sie schließlich über die seines ehemaligen Lehrers Johann Ernst Eberlin gestellt, wie Schulte aus einem Brief Mozarts an seinen Vater zitierte.

Den beiden Fugen vorausgegangen war ein Flötenkonzert in D-Dur von Wilhelm Friedemann Bach. Das Ensemble eröffnete es mit zupackend gespielten Tönen. Besonders die Wechsel zwischen weich getönten Passagen für die von Ekkehard Schobert gespielte Traversflöte – ein Vorgängerinstrument der heutigen Querflöte – und den stark betonten Violinpassagen sorgten für spannungsreiche Gegenüberstellungen.

Schobert nutzte die Kadenz am Ende des Satzes weniger fürs Herausstellen virtuoser Fähigkeiten denn für nachdenkliches Versenken, was aber durch die hell-heitere Schlussfigur weggewischt wurde. Dem schloss sich ein durch pulsierende Entschiedenheit bestimmtes schnelles Finale an.

Daran knüpften die Musiker auch im vierten Werk der Matinee an. Zuvor betonte Schulte die Besonderheit des „Concerto à 5“ von Carl Philipp Emanuel Bach, einem weiteren Sohn Johann Sebastian Bachs. Die 1744 geschriebene Komposition wurde als Teil des verschwunden geglaubten Bestands der Singakademie zu Berlin im Sommer 1999 in Kiew durch den Bach-Forscher Christoph Wolff wiederentdeckt.

Den kraftvoll-energischen Streichereinsätzen, auf Darmsaiten gespielt von den Violinspielern Sabine Brodbeck und Tilman Aupperle, der Bratschistin Sonja Schindele und der Cellistin Cora Wacker, stellte Ekkehard Schobert weich getönte Flötenabschnitte entgegen.

Die begleiteten die vier Streicher einfühlsam. Empfunden klang auch das Melodieren der Violinen zu Flötentrillern. Zart und gesanglich, ja, geradezu arios war das Blasinstrument dann im langsamen Mittelsatz zu vernehmen, gesteigert bis zum dramatischen Ausdruck. Und im espritvoll gespielten Schlusssatz wurden die spielerisch wirkenden Figurationen hervorgehoben.