Fest steht schon jetzt, dass einige Stadträte nicht mehr dabei sind. Sie treten nämlich erst gar nicht an. Sei es, weil sie seit Jahren Lokalpolitik machen und nun einen Schritt zurück machen. Nicht alle ziehen sich aber ganz raus, sondern manche treten noch zur Kreistagswahl an. Es werden freiwillig aus dem Gemeinderat ausscheiden: Uta Rabe (CDU), Felix Nestl und Hansjörg Stein (SPD), Martin Leibold (Grüne), Friedrich Bay und Edmund Felger (FWV) sowie Kristian Neidhardt (FDP).

Zudem könnte auch der ein oder andere Stadtrat unfreiwillig den Platz an dem Rondell in der Blendstatthalle, der stets reichlich mit belegten Brötchen bestückt ist, räumen müssen. 214 Personen, darunter 133 Männer und 81 Frauen, rütteln an der Glastür der Versammlungsstätte und wollen dort rein. Nicht alle werden triumphieren.

Viele Wechsel

Dabei hat bereits die vergangene Wahlperiode, die stets fünf Jahre dauert, so einige Wechsel gekannt. So erklärte sich Damiana Koch zur fraktionslosen Mandatsträgerin, nachdem es zu einem Bruch mit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen kam. Monika Jörg-Unfried wechselte zu den Grünen. Ihre SPD-Fraktion lastete ihr einen Verstoß gegen Fraktionsregeln beim Thema Reisekosten des Oberbürgermeisters an. Vermittlungsversuche scheiterten.

Schwäbisch Hall

Und zuletzt wechselte Michael Reber von der CDU- zur FWV-Fraktion. Grund: Er gab an, mit dem Kurs der Kreis-CDU nicht einverstanden zu sein, vor allem wenn es ums Thema Transparenz, Offenheit und Mitsprache geht. Werden die Fraktionswechsler vom Wähler nun abgestraft oder belohnt? Nach dem 26. Mai werden wir mehr wissen.

34 Stadträte gilt es zu wählen. Zudem stellen sich 78 Kandidaten für die Ortschaftsräte zur Wahl – meist sind es genauso viele Interessenten, wie Plätze zu vergeben sind.

Zünglein an der Waage

Die Wahl des Schwäbisch Haller Gemeinderats kann extrem wichtig für die Stadtentwicklung sein. So kam der Bau von Ärztehaus samt Hotel-Zwillingsbau und Tiefgarage auf der Weilerwiese mit einer Stimme Mehrheit zustande. Die umstrittene Brücke vom Unterwöhrd rüber zum Lindach scheiterte 2015 knapp. Da bei den Haushaltsverhandlungen von der Gegnerseite der Brücke zwei Stadträte fehlten, von der Befürworterseite aber nur einer, wurde sie (zumindest als Haushaltsposten) dann doch beschlossen.

Viele Entscheidungen in Schwäbisch Hall erfolgen zwar einstimmig. Bei einigen wenigen, dafür umso wichtigeren Projekten, kann es aber schon sein, dass jede Stimme zählt.

Daher wird die Zeitung in den nächsten Wochen den Listenvertretern auf den Zahn fühlen: Für was stehen sie ein, wie lauten ihre Visionen und wo sehen sie rote Linien?

Schwäbisch Hall erscheint nur für Touristen, die wenige Stunden in der Innenstadt herumgehen, als Mittelalter-Stadt. Zwar wird das Kulturgut gehegt und gepflegt. So wurden kürzlich Teile der Stadtmauer neu befestigt. Die Moderne hat aber besonders auf den Höhenrücken Einzug gehalten.

Und genau in diesem Spannungsverhältnis von Neu trifft auf Alt stehen so einige Entscheidungen. Der nächste Gemeinderat muss zum Beispiel schon nach wenigen Monaten darüber entscheiden, ob der Haalplatz für viel Geld neu gestaltet wird. Und wie soll dort das Thema Salz aufgearbeitet werden? Und wie viele Parkplätze fallen am Ende weg?

Auch die Ausgestaltung des Bahnhofsareals steht an. Zwar ist dazu schon ein Architekturwettbewerb gelaufen. Aber Einzelfragen sind längst nicht entschieden. Wer darf bauen? Über die Vergabe jedes Grundstücks entscheidet der Rat in geheimer Sitzung. Wie soll gebaut werden? Die hohen Häuser am Rand des geplanten Bahnhofsareals wirken auf einige Betrachter der Modelle unpassend – auf andere genial.

Wachstum begleiten

Schwäbisch Hall hat die Zahl von 40 000 Einwohnern längst überschritten. Die Stadt wächst um rund ein Prozent pro Jahr. Doch wo sollen die vielen Menschen wohnen? Bei der Erweiterung der Grundwiesensiedlung steht zum Beispiel ein Konflikt an: Es könnte dort zu starken Geruchsbelästigungen durch einen Putenmastbetrieb kommen. Doch soll man das Baugebiet verwerfen? Was ist die Alternative? Beim Bauen innerorts lauert Streit mit langjährigen Bewohnern der Siedlungen – wie man es am Fässlesbrunnen erlebt hat.

Schafft es Hall, seine Bahnhöfe hübsch zu machen und sich endlich besser in den Bahn- und Busverkehr einzuklinken? Wie wird die Erweiterung der Hochschule unterstützt? Wann kommt eine Erweiterung der Schule in Hessental, ein Ort, der rasant wächst? Wie wird die beschlossene Abschaffung der Kindergartengebühren umgesetzt? Und vor allem: Wer zahlt das alles?

Viele Fragen stellen sich. Doch das ist kein Grund für die neuen Stadträte, zu verzagen. Denn Hall hat so viel Geld wie seit Jahren nicht mehr. So konnten vor allem für Bauprojekte 47,3 Millionen Euro im Jahr 2018 nicht ausgegeben werden, weil sie sich verzögerten. Das Geld ist aber noch vorhanden. Die städtischen Tochterunternehmen verzeichneten 2017 einen Gewinn von 14 Millionen Euro. Im Jahr 2018 könnten es über 21,5 Millionen Euro werden, wenn der Strich unter die Auflistung gemacht wird. 18,6 Millionen Euro betrug der Überschuss des Jahresabschlusses der Stadt für 2017. Auch wegen guter Gewerbesteuereinnahmen.

Die Aufgaben sind groß. Aber Geld ist vorhanden. So könnte man es auf den Nenner bringen. Ab Herbst diskutieren die Räte, wo es im Haushalt, der für 2020 und 2021 aufgestellt wird, ausgegeben wird.

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