Religion Drei Mal taucht das Kreuz ins Kocherwasser

Künzelsau / Oliver Färber 13.01.2018

Immer mehr Menschen versammeln sich am vergangenen Samstag an den Wertwiesen am Kocher. Familien mit kleinen Kindern sind gekommen, Senioren und junge Erwachsene. Es sind nicht nur griechisch-orthodoxe, auch Christen anderer Glaubensrichtungen sind der Einladung zur Wasserweihe gefolgt.

Darunter auch der Künzelsauer Dekan Dr. Friedemann Richert, der gespannt ist auf die anstehende Zeremonie. Berührungsängste gegenüber der anderen Religion hat er nicht – im Gegenteil. Es gebe regelmäßige Treffen zwischen evangelischen Christen, Orthodoxen und Katholiken, berichtet er.

Die Menschen setzen sich in Bewegung. Vorneweg gehen Männer mit einer Fahne. Drüben am anderen Kocherufer ziehen derweil als Heilige Drei Könige verkleidete Kinder in die Gegenrichtung. Der Zug der griechisch-orthodoxen Gemeinde mit ihren Gästen macht mitten auf dem Fußgängersteg am Kocherfreibad halt.

Aber nur wenige der weit über 100 Gläubigen aus der gesamten Region kommen mit auf die Brücke. Sie beobachten das Geschehen lieber vom Ufer aus. Erzpriester Martinos Petzolt ruft ihnen etwas auf Griechisch zu – übersetzt aber gleich für  deutschsprachige Gäste: „Ich habe gefragt, warum sie nicht auf die Brücke kommen. Ob ihnen hier die Plätze zu teuer sind“, meint er und lacht.

Es kommen noch einige Interessierte hinzu. „Die Kirche war vorhin beim Gottesdienst richtig voll“, berichtet ein Mann. Petzolt beginnt mit der Zeremonie. Ein Sprechchor begleitet ihn – auf Griechisch und auf Deutsch. „Heute wird der Wasser Natur geheiligt. Und es teilt sich der Jordan und hält an den Strom seiner eigenen Fluten, als der Gebieter sich wäscht im Gewässer“, tönt es über den Fluss.

Dann präsentiert der Erzpriester das kleine, blumengeschmückte Holzkreuz. Er wirft es nach einem Segensspruch in den Kocher, wo es im wild sprudelnden Hochwasser treibt. An einer langen Leine wird es zurückgezogen. Drei Mal taucht er das Kreuz so ins Wasser. Und auch, wenn die Sonne wieder scheint – keiner der jungen Männer könnte sich jetzt vorstellen, das Kreuz mit einem Sprung in die Fluten selbst herauszuholen, so wie es in ihrer Heimat oft bei der Wasserweihe Tradition ist.

Dafür kommen etliche Gläubige nun auf die Brücke. Sie küssen das Kreuz, werden vom Erzpriester mit Weihwasser benetzt und erhalten einen Segen. Ein älterer Herr zückt seine Kamera. „Sie können gerne alles fotografieren“, sagt Martinos Petzolt und setzt ein besonders breites Lächeln für das Bild auf.

Auch dieser Besucher darf das Kreuz küssen und erhält den Segen, obwohl er nicht orthodoxen Glaubens ist. Einige Gäste bedanken sich beim Erzpriester für die Einladung – und dafür, eine besondere Erfahrung gemacht zu haben.

In Griechenland springen junge Männer ins Wasser

Der 6. Januar ist in der griechisch-orthodoxen Kirche nicht nur Theophanie und der Tag, an dem Jesus durch Johannes getauft wurde. Gefeiert wird auch die „Große Wasserweihe“, eines der eindrucksvollsten Feste der orthodoxen Kirche. Bei der „Großen Wasserweihe“ wird aber nicht primär das Wasser, sondern durch das Wasser die gesamte Schöpfung gesegnet. In Griechenland wandern nach der Liturgie alle zum Gewässer des Ortes – zum Meer, einem Fluss, See oder auch einem Wasserspeicher. Der Priester wirft ein Kreuz ins Wasser, dem dann junge Männer nachtauchen. Wer das Kreuz herausfischt, erhält einen gesonderten Segen. Dazu läuten in den Orten sämtliche Glocken, die Schiffe im Hafen begleiten mit Schiffsglocken, Pfeifen und Nebelhörnern. fär

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel