Waldenburg Dr. Renate Jahn-Lutz mit Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

Dr. Renate Jahn-Lutz liest gerne. Die 72-Jährige schafft an einem Abend ein ganzes Buch.
Dr. Renate Jahn-Lutz liest gerne. Die 72-Jährige schafft an einem Abend ein ganzes Buch. © Foto: Corinna Janßen
CORINNA JANSSEN 07.10.2015
Organistin, Aktivistin und vielfältige Ehrenamtliche: Dr. Renate Jahn-Lutz aus Waldenburg

Der Mensch auf der Suche nach Sinn findet ihn, indem er von sich selber wegdenkt, sich selbst vergisst, sich für etwas oder jemanden engagiert. Diese Worte von Viktor Frankl, Begründer der Logotherapie, sind für die Waldenburger Ärztin Dr. med. Renate Jahn-Lutz bezeichnend. Für ihr vorbildliches gesellschaftliches Wirken, für ihren Einsatz in zahlreichen Ämtern und ihr hohes Engagement in der Seniorenarbeit erhielt die 72-Jährige das Bundesverdienstkreuz am Bande. Es wurde überreicht vom Hohenloher Landrat Matthias Neth.

Doch Renate Jahn-Lutz ist der Meinung, sie habe diesen Orden nicht verdient. Sie habe in ihrem Leben viel Glück gehabt. "Ich konnte manches tun, was anderen nicht gegeben war, weil sie eben diese Möglichkeiten und Privilegien nicht hatten", betont die Seniorin. Dazu gehöre ihre musikalische und berufliche Ausbildung, der passende Ehemann, das passende Umfeld in Waldenburg, Freude am Beruf und die richtigen Freunde, so die Ärztin.

Renate Jahn-Lutz wurde als Tochter einer Frauenärztin und eines Pfarrers geboren. Der Vater brauchte in seiner Kirche einen Organisten. So legte die damals 16-Jährige die C-Prüfung ab und leitete fortan den Kirchenchor. "Das hat gut funktioniert", erzählt sie lächelnd. Wenn es nach ihrer Klavierlehrerin gegangen wäre, hätte sie unbedingt Musik studieren müssen. "Meine Eltern wollten jedoch, dass es Hobby bleibt - und das war gut so." In Tübingen studierte sie Medizin, kehrte aber während der ganzen Studienzeit nach Hause zurück, um ihren Kirchenchor nicht im Stich zu lassen.

"An der Uni lernte ich meinen Mann kennen", berichtet Renate Jahn-Lutz. Mit Hans-Steffen Jahn kam sie nach Hohenlohe. Er bekam eine Anstellung am Krankenhaus in Künzelsau. 1973 wurde geheiratet, und als der Arztsitz in Waldenburg ausgeschrieben wurde, bewarb sich das Ehepaar. Mit Erfolg.

Durch ihr Engagement als Organistin in der evangelischen Kirche war sie schnell integriert. Bis heute spielt sie das Kircheninstrument. Neben ihrer Tätigkeit als Ärztin widmete sich Renate Jahn-Lutz zahlreichen Ehrenämtern. Unter anderem engagierte sie sich im Vorstand des Diaks in Hall ebenso wie bei Ärzte gegen Atomkrieg. Als Stiftungsrätin setzte sie sich bei der Wilhelm-Gebhardt-Stiftung für Projekte von Waldenburger Erziehungs- und Bildungseinrichtungen ein, unterstützte den Aufbau einer ambulanten betreuten Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz in der Eppacher Mühle und gründete das Aktionsbündnis Senioren helfen Senioren. Die Liste ihres Engagements ist lang.

Besonders dankbar sind ihr die Waldenburger, dass die im Ruhestand lebende Allgemeinärztin nach dem plötzlichen Tod des zweiten ortsansässigen Arztes nochmals die ärztliche Zulassung beantragte und ihre Praxis wieder öffnete. Erst als im Januar ein Nachfolger gefunden war, zog sie sich zurück. Doch von Ruhestand kann keine Rede sein. Renate Jahn-Lutz nimmt sich immer noch jeden Tag Zeit für andere - sei es mit Bedürftigen spazieren gehen, einkaufen fahren oder auch Hospizarbeit.

Etwas mehr Freizeit für sich selbst will sie sich jetzt jedoch zugestehen. "Ich möchte mehr zur Ruhe kommen, mehr lesen, im Garten arbeiten und Musik für mich machen", sagt sie. Ob das klappt?

Zur Person vom 7. Oktober 2015

Renate Jahn-Lutz Vor ihrer Tätigkeit als Allgemeinärztin in Waldenburg war die 72-Jährige unter anderem als Chirurgin tätig. An die Zeit am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart erinnert sie sich besonders gerne. Großes Vorbild ist für sie ihre Mutter, die als Oberärztin am Bethesta-Krankenhaus in Stuttgart gearbeitet hatte. Renate Jahn-Lutz hat zwei Töchter. Eine davon ist Ärztin, die andere Physikerin.

SWP