Theater Don Camillo und der Leberkäsweck’

Cornelia Brey mit dem Eselmodell, das nach ihren Vorgaben für das Stück „Don Camillo und Peppone“ gefertigt wurde.
Cornelia Brey mit dem Eselmodell, das nach ihren Vorgaben für das Stück „Don Camillo und Peppone“ gefertigt wurde. © Foto: Corinna Janßen
Corinna Janßen 21.08.2017
Bühnen- und Kostümbildnerin Cornelia Brey wird nach ihrer Abreise aus Hall nicht nur ihr Stück in Erinnerung behalten, sondern auch ein deftiges Schmankerl.

Die Theatersaison der Haller Freilichtspiele geht langsam zu Ende. Bühnen- und Kostümbildnerin Cornelia Brey wird in wenigen Tagen die Stadt verlassen. Wieder einmal zwingt sie ihr Beruf, weiterzureisen. Was bleibt der 52-Jährigen von ihrer dreimonatigen Arbeit als Ausstatterin des Stücks „Don Camillo und Peppone“ in Erinnerung? „Da fällt mir einiges ein“, beginnt sie zu erzählen. Ihr erster Eindruck von ihrem neuen Arbeitsplatz sei ein Schock gewesen. „Ich hatte mich für einen Vortermin mit Intendant Christian Doll verabredet“, berichtet sie. Und dann stand sie vor der Großen Treppe von St. Michael und zählte 53 Stufen. „Mein erster Gedanke war: Muss das sein?“ Die vorgefundenen Gegebenheiten empfand sie als sehr dominant und gewaltig. Was sollte sie da bloß mitten in Schwäbisch Hall hinsetzen, was dem Vorgefundenen auch mit Kraft entgegentreten kann?

Ihre Aufgabe als Bühnen- und Kostümbildnerin ist es, Räume zu unterschiedlichen Theaterthemen zu entwickeln. Der Fokus liegt hierbei auf dem Erarbeiten bildnerischer Entwürfe zu Texten. Doch was kann auf 53 Stufen dargestellt werden, das der Geschichte Italiens Anfang der 50er Jahre gerecht wird?

Nachdem der erste Schock überwunden war, kamen die Ideen: Ein Esel- und ein Ochsenmodell sowie Kostüme für über die Treppen krabbelnde, blökende Schafe entstanden. Für die Darsteller in Schafgestalt wurden Knieschoner entwickelt. Und die waren ein Abenteuer: „Da haben wir viel laboriert“, sagt die gebürtige Hamburgerin. Immer wieder seien die Modelle an den Beinen verrutscht. Letztendlich ist der Aufwand für die Kulisse überschaubar geblieben, dafür hatte Cornelia Brey aber 60 Kostüme zu kreieren.

„Ich habe im Vorfeld versucht, die Szenen aus dem Stück in mich aufzunehmen“, erklärt sie ihre Vorgehensweise bei der Arbeit. Doch: Wie können diese Szenen auf der Treppe gelingen? Einige Einfälle funktionierten nicht. Am Ende aber war Cornelia Brey mit ihrer Arbeit zufrieden: „Es war schön für mich, die Besucher lachen zu hören, als meine Schäfchen über die Stufen krochen.“

Eine Liebe für die Große Treppe vor St. Michael hat Cornelia Brey zwar nicht entwickelt, aber: „Ich werde sie ganz sicher nicht mehr vergessen.“ Drei Monate Stufen rauf und Stufen runter – das habe auch körperlich Spuren hinterlassen. „Ich bin fitter geworden in dieser Zeit“, freut sich die Theaterfrau.

„An Schwäbisch Hall gefällt mir das Lebendige, das Kleine, das Bunte“, erzählt sie. Aufgefallen sei ihr auch, dass „hier auffallend viele Feste gefeiert werden“. Als Beispiel nennt sie das Kuchen- und Brunnenfest der Salzsieder.

Die ersten Kartons sind bereits gepackt. „Am 31. August gehe ich zur Post und schicke sie mir selbst zu – nach München“, meint Cornelia Brey lächelnd. Und was steht am letzten Tag noch an? Sie  überlegt nicht lange: „Ich werde mir noch eines dieser Leberkäsweckle vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein leisten.“

Info Die Freilichtspiele Hall biegen in dieser Woche auf die Zielgeraden: Morgen, Dienstag, ist um 20.30 Uhr zum letzten Mal „Don Camillo und Peppone“ auf der Treppe zu sehen. Von Mittwoch bis Freitag wird jeweils um 20.30 Uhr das Musical „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ gezeigt. Infos im Internet:
www.freilichtspiele-hall.de

Die Studienplätze sind heiß umkämpft

Caroline Brey (52) stammt aus Hamburg. Ihre Lehrerin hatte sie auf den Beruf der Bühnen- und Kostümbildnerin hingewiesen. Caroline Brey absolvierte Praktika an Theatern. Die zwei Hochschulen, die damals diesen Studiengang anboten, lehnten sie ab. „Von rund 250 Bewerbern wurden seinerzeit drei genommen“, so Brey. In einem Gastsemester an der Hochschule der Künste in Berlin wurde ihr Professor auf sie aufmerksam. Dort studierte sie dann fünf Jahre. Seit 1998 arbeitet sie als freie Ausstatterin.