Musik Dolan Beats Festival: „Es ist wie ein Get-together“

DJ Cuebrick stammt gebürtig aus Rheinland-Pfalz. Er hat bereits auf mehreren großen Festivals in Deutschland und im Ausland aufgelegt und ist morgen am Dolan Beats Festival zu hören.
DJ Cuebrick stammt gebürtig aus Rheinland-Pfalz. Er hat bereits auf mehreren großen Festivals in Deutschland und im Ausland aufgelegt und ist morgen am Dolan Beats Festival zu hören. © Foto: Pressefoto
Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek 15.06.2018

Beim Dolan Beats Festival am Gelände der Kantine 26 bist du Headliner auf der Mainstage. Wie wirst du die Menge zum Feiern bringen?

Cuebrick: Mit viel Musik von mir. Ich spiele auch meine neue Single „Fly“ und auch noch viel Musik, die bisher noch gar nicht released, also veröffentlicht ist. Ich spiele das Closing beim Festival. Das ist noch einmal eine andere Herausforderung, denn die Gäste wollen dann noch einmal eines drauf gesetzt bekommen. Aber es wird laufen (lacht).

Du legst zum ersten Mal in Hall auf...

Ja, das schon. Aber weil ich mit Moritz (Biedenbach, Organisator Anm. d. Redaktion) richtig gut befreundet bin, war ich schon bei der einen oder anderen Show dabei.

Von Hypercat zu Dolan Beats: Was hältst du von dem neuen Konzept?

Das Festival ist super professionell organisiert. Moritz hat mir im Vorfeld die Pläne gezeigt. Das Stage­design im Industrielook und mit den Cargo-Containern gefällt mir gut. Sehr innovativ. Das Festival fühlt sich auch größer an, als nur für rund 5000 Leute ausgerichtet.

Was ist für dich als DJ bei deinen Auftritten wichtig, damit du dich wohlfühlst?

Es muss geschmeidig ablaufen. Oft geht es sehr, sehr anonym zu bei solchen Festivals. Ein Betreuer holt dich ab, fährt dich zum Hotel, eine halbe Stunde vor dem Auftritt wirst du aufs Gelände gebracht, du spielst dein Set und fährst danach wieder weg.

Beim Dolan Beats ist das anders?

Ja, es hat einen viel familiäreren Touch. Ich kenne den Veranstalter und auch die meisten Künstler. Es ist wie ein Get-together. Da bleibt man dann auch nach dem Auftritt noch da und trinkt noch ein oder zwei Bier mit den anderen.

Wie lange wirst du auflegen?

Relativ kurz. Nur 50 Minuten. Normalerweise dauert ein Set bei mir ein bis eineinhalb Stunden. Moritz packt aber auf die Main­stage drauf, was geht. Somit spielt jeder kürzer. Was ich gut finde.

Hast du schon einmal ein Set in den Sand gesetzt?

Nicht in den Sand gesetzt, aber ich hatte einmal bei einem großen Festival Probleme mit meinem USB-Stick. Ich verwende Flash-Speicher und die werden bei jedem Mal Benutzen schlechter, und es kann sein, dass dann bestimmte Teile nicht mehr gelesen werden können. Und genau das ist passiert. Der Player ist dann in den Notlauf gegangen. Acht Takte wurden immer wieder wiederholt. Als ich es bemerkt habe, war er schon 30 Sekunden im Notlauf, aber ich konnte dann schnell reagieren. Mittlerweile wechsle ich alle Jahre die Sticks aus.

War dir das dann peinlich vor dem Publikum?

Peinlich nicht, aber es ist ein seltsames Gefühl, wenn das vor 10 000 Leuten passiert. Es kommt aber immer mal wieder vor, dass ein Mikrofon nicht geht oder ein CD-Player Macken hat. Ich hatte auch schon einmal ein lockeres Stromkabel am Mixer (ein Mischpult für DJs, Anm. d. Redaktion) und der Ton war weg.

Was hast du dann gemacht?

Nicht in Panik geraten und den Leuten danach kurz erzählt, was passiert ist. Die finden das meistens witzig und es kann einen positiven Effekt haben, wenn man cool damit umgeht.

Bist du eigentlich auch mal privat auf Festivals unterwegs?

Früher schon. Mittlerweile habe ich kaum mehr Zeit dazu. Außerdem lege ich meistens selbst in der Festivalsaison auf.

Du hast ja 2016 deinen Durchbruch gehabt. Was war das für ein Gefühl?

Ja, ab da habe ich dann auf den größeren Mainstages gespielt. In dem Jahr wurde auch „Iceland“ released, das zu einem Big-Room-Hit (Subgenre der Electro-House-Musik, Anm. d. Redaktion) geworden ist. Die ganzen großen DJs haben meinen Song plötzlich gespielt, zum Beispiel beim Tomorrowland. Mein Manager war vor Ort, weil ich auf einem anderen Festival gespielt habe, und hat mir das dann erzählt. Das war ein super emotionaler Moment. Ich bin sehr dankbar dafür. So habe ich einen ganz großen Sprung gemacht und „Iceland“ wurde ein großer Hit in der Dance-Musik-Szene.

Und was ist nach dem Erfolg dein großer Traum?

Noch mehr Musik zu machen und noch mehr international aufzutreten. Ich komme gerade aus Kroatien zurück, wo ich auf dem Spring Break gespielt habe. Mein Manager ist gerade dabei, Termine in den USA und Asien zu machen.

Wie kamst du eigentlich auf deinen DJ-Namen Cuebrick?

Er setzt sich zusammen aus dem Begriff Cue, der für Cueing steht. Das ist bei einem Player ein Knopf, mit dem ein bestimmter Punkt in einem Track festgelegt wird, auf den man durch Drücken der Taste immer wieder zurückgelangt. Und „brick“ steht für Regisseur Stanley Kubrick. „Cue­ing“ in Kombination mit dem Nachnamen des Regisseurs ergibt das Wortspiel Cuebrick. Auch ich leite von der Bühne aus die Menge an und bin somit eine Art Regisseur. Außerdem schaut der Name vom Schriftbild her cool aus. Und das ist wichtig.

Wann bist du auf die Idee gekommen, DJ zu werden?

Eigentlich schon mit 14. Ich habe angefangen mit Drum’n’Bass. Damals aber noch mit richtigen Platten. Ich habe mir meinen ersten Plattenspieler von meinem Ferienjobgeld gekauft.

Wer sind deine Vorbilder?

Calvin Harris und Zedd. Zedd wohnte nur 20 bis 30 Kilometer von mir entfernt. Leider habe ich ihn bis heute nicht getroffen.

Was hört du privat eigentlich für Musik?

Im Grunde alles querbeet. Ich war früher ganz fasziniert von deutschem Hip-Hop, vor allem von Samy Deluxe. Ich höre aber auch Jazz und Rock. Jan Delay hat einmal gesagt: „Wer Hip-Hop macht und nur Hip-Hop hört, betreibt Inzest.“ Und dem stimme ich zu. Als Musiker kann man sich auch nicht weiterentwickeln, wenn man nur eine Musikrichtung hört. Ich hole mir aus allen möglichen Stilrichtungen Inspiration.

Und wie genau entwickelst du daraus deine Tracks?

Es kommt immer darauf an, ob es sich um Tracks mit Vocals oder ohne handelt. Bei reinen instrumentalen Tracks schreibe ich erst ein paar Grundakkorde und entwickle daraus eine Melodie. Ist die richtige Melodie gefunden, geht der Rest relativ schnell von der Hand. Schwieriger wird es bei Produktionen mit Sängern. Hier gibt es verschiedene Herangehensweisen. Wenn der Vocalist nicht zu mir ins Studio kommen kann, schicke ich ihm meist eine grobe Trackidee, auf die er ein Vocal entwickelt. Eine weitere Möglichkeit ist, dass ich zum Beispiel von einem anderen Artist eine Idee zugeschickt bekomme, die ich dann fertig produziere.

Ist es schwer, als DJ in der Branche zu bestehen?

In Deutschland gibt es aus irgendeinem Grund relativ wenige DJs, die die großen Festivalbühnen bespielen oder mit ihrer Musik überregionalen Erfolg haben. Auch wenn die Anzahl an DJs in den vergangenen fünf bis zehn Jahren gefühlt stark zugenommen hat. Irgendwie hat man das Gefühl, jeder dritte Typ ist DJ und jedes dritte Mädel ist Instagram-Model. Daher würde ich schon sagen, dass es keine einfache Branche ist.

Und woran kann das liegen?

An der Art und Weise, wie die Deutschen denken. Alles meins und keiner möchte mit anderen zusammenarbeiten. Das läuft zum Beispiel in Holland ganz anders. 40 bis 50 Prozent der weltweit bekannten DJs kommen dort her. Die kennen sich alle untereinander und connecten sich auch. In Deutschland ist das nicht so. Dadurch nehmen sie sich aber auch die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

Hast du auch eine Ausbildung oder ein Studium gemacht?

Ja, ich habe Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Messekongress und Eventmanagement studiert und meinen Bachelor gemacht.

Also hast du einen Plan B...

Ja. Das kommt auch daher, dass ich klassisch erzogen wurde. Meine Eltern wären an die Decke gegangen, wenn ich keine Ausbildung gemacht hätte. Und DJ zu sein, ist ein unvorhersehbares
Geschäft, man weiß nie, was kommt...

DJ, Moderator und Betriebswirt

Cuebrick, der mit bürgerlichem Namen Rouven Hager heißt, ist 30 Jahre alt und stammt gebürtig aus Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Er hat Betriebswirtschaft studiert. Seit 2016 ist er als DJ erfolgreich unterwegs. DJs wie Hardwell, Tiesto, Armin Van Buuren und Tritonal unterstützen den Pfälzer. Er hat auf Mainstages bei Festivals wie Nature One, Mayday und Open Beatz aufgelegt. Jeden Freitag ist Cuebrick als DJ und Moderator auf bigFM zu hören. Ab 20.45 Uhr heißt er internationale Gäste wie Martin Garrix, Afrojack, Steve Aoki oder Robin Schulz im Studio willkommen. Am morgigen Samstag steht er als einer der Headliner beim Dolan Beats Festival in der Kantine 26 auf der Main­stage. Los geht’s um 14 Uhr, Cuebrick spielt um 21.10 Uhr. kv

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