Schwäbisch Hall Ditzinger Sänger ist in Pflegeheimen im Landkreis Schwäbisch Hall eine Berühmtheit

Martin Halm zu Beginn seines jüngsten Auftritts in Schwäbisch Hall. Er geht durch die Reihen und sucht den direkten Kontakt zu seinen Fans.
Martin Halm zu Beginn seines jüngsten Auftritts in Schwäbisch Hall. Er geht durch die Reihen und sucht den direkten Kontakt zu seinen Fans. © Foto: Gottfried Mahling
Schwäbisch Hall / GOTTFRIED MAHLING 17.03.2015
Mit Volksliedern, Schlagern und Operettenarien hat sich Martin Halm in die Herzen von Senioren aus ganz Baden-Württemberg gesungen. Bei seinem Auftritt im Pflegestift Teurershof wird er wie ein Star gefeiert.

"Was halten Sie davon, wenn wir mit dem ersten Lied nach Holland fahren?" Einige Rentnerinnen in der ersten Reihe lächeln und nicken vorsichtig. "Ein bisschen lauter", ruft es aus dem Hintergrund. Martin Halm weiß, dass viele seiner Fans nicht mehr so gut hören. Er setzt sein markantes, breites Lächeln auf und spricht die Frage mit seiner sanften Bass-Stimme noch einmal ins Mikrofon. Jetzt hat er die ganze Aufmerksamkeit für sich: Mit "Tulpen aus Amsterdam", dem berühmten 50er-Jahre-Schlager, beginnt Martin Halms Auftritt am vergangenen Freitag im Pflegestift Teurershof.

Schon zum sechsten Mal ist der 53-Jährige für einen Auftritt in Schwäbisch Hall gebucht worden. Bereits mehrfach hat er im Pflegeheim "Lindenhof" in Mainhardt gesungen. Und im Juli will er die Senioren im Pflegestift Vellberg mit auf seine musikalische Zeit- und Europareise nehmen.

"Dort sind wir auch wieder mit dabei", verspricht Christa Goßmann, die Martin Halm zu jedem seiner Konzerte im Landkreis Schwäbisch Hall hinterherreist und überall für ihren Star Werbung macht. "Ich bin ein richtiger Oma-Fan", sagt die Rentnerin und muss dabei lachen. Auch Inga und Uwe Struckmann und Lydia Neurohr gehören zum kleinen Haller Fanclub, der den Sänger aus Ditzingen verehrt. "Es ist so schön, dass er gerade den alten Menschen mit seinen Liedern so viel Freude bereitet", sagen sie.

Tatsächlich kommt die "Stimme mit Herz" im kleinen Teurershof-Festsaal total authentisch rüber. Seine Zuhörer spüren, dass er gern für Senioren singt und sich nicht verstellen muss. Nach "Tulpen aus Amsterdam" steigt die Stimmung - mit "Veronika der Lenz ist da" und "Wenn der weiße Flieder wieder blüht".

Singend geht Martin Halm durch die Sitzreihen, bleibt immer wieder stehen, oder kniet sich vor seine teilweise im Rollstuhl sitzenden oder dementen Zuhörer. Er spricht sie direkt an und löst Emotionen aus. Die Stimmung erreicht einen Höhepunkt, als bei "Im weißen Rössl am Wolfgangsee" der ganze Saal mitschunkelt. Alle Hände gehen bei "Adieu, mein kleiner Gardeoffizier" in die Höhe. Und als Uwe Struckmann spontan aufsteht und vor Martin Halm salutiert, hat er die Lacher auf seiner Seite.

Doch auch Wehmut kommt auf. Die "Stimme mit Herz" singt Lieder, die von der ersten oder von unerwiderter Liebe handeln. Bei "Es steht ein Soldat am Wolgastrand", "Kleine Annabell" oder "Schwarze Rose Rosemarie" ist jede Unterhaltung verstummt, Martin Halm blickt in ernste, andächtige Mienen. Manche seiner Zuhörer singen mit geschlossenen Augen den Text mit. Bei "Schön ist die Jugend" setzt sich der Sänger zu einem alten Herren im Rollator. Zuvor schien der Teurershof-Bewohner nur starr ins Leere zu blicken. Nun lässt ihm der wehmütige Text Tränen über die zerfurchten Wangen rollen. Totenstill ist es für einige Augenblicke im Raum, nachdem der letzte Ton von Elvis Presleys Love-Song "I can't help falling in love with you" verklungen ist.

Traurig möchte Martin Halm seine Zuhörer dann aber doch nicht in den Abend entlassen. Die emotionale Achterbahnfahrt geht mit einem Stimmungs-Hit zuende: "Auf der Schwäbschen Eisenbahne".

"Die Pflegeheim-Leiter sagen mir immer wieder, dass es den Bewohnern gut tun, wenn sie auch mal traurig sind", sagt Martin Halm beim anschließenden Kaffeetrinken mit seinem Haller Fanclub. Mehr als 100 Auftritte absolviert er pro Jahr in Pflegeheimen, bei Hochzeiten, Firmen-, Geburtstags-, oder Weihnachtsfeiern in ganz Baden-Württemberg. Von den Gagen kann er mittlerweile gut leben - obwohl er "nur" als Quereinsteiger in die Musikbranche kam. Martin Halm ist gelernter Bankkaufmann, arbeitete bis 2005 bei der DZ-Bank.

Sein Talent fürs Singen entdeckte Martin Halm aber schon wesentlich früher. 1990 wettete er mit einem Freund um eine Flasche Sekt, dass er sich in einem Stuttgarter Karaoke-Pub mit "Shout" von "Tears for Fears" auf die Bühne traut. "Ich habe sofort gemerkt, dass mir das Spaß macht", erinnert sich der Sänger.

Martin Halm heißt er übrigens wirklich - es ist kein Künstlername. "Halm klingt wie Holm - das passt doch wunderbar", lacht er. "Tränen lügen nicht" hat er selbstverständlich auch im Repertoire.

Zur Person

Martin Halm ist Jahrgang 1961, wohnt in Ditzingen und ist verheiratet. Seine Frau Alexandra spielt Saxophon und arbeitet hauptberuflich als Kinderkrankenschwester. Martin Halm möchte sein Repertoire erweitern und künftig auch bei Hochzeiten und Beerdigungen auftreten.

SWP

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel