Region Dirscherl: von der Kirche zu Kaufland

Clemens Dirscherl  arbeitet  für Kaufland.
Clemens Dirscherl arbeitet für Kaufland. © Foto: SWP-Archiv
Region / Manfred Stockburger 25.06.2018
Clemens Dirscherl, früher Chef des Evangelischen Bauernwerks, bleibt dem Thema Tierwohl treu.

Schwarz und weiß, sagt Clemens Dirscherl, gebe es beim Thema Tierwohl nicht. Schon in seiner alten Position als Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Waldenburg-Hohebuch hat er immer wieder den Spagat geübt zwischen den Interessen der Landwirte und den gerade in kirchlichen Kreisen oft mit hohen ethischen Ansprüchen gesegneten Verbrauchern.

Nach seinem Ausscheiden beim Bauernwerk im vergangenen Jahr arbeitet Dirscherl seit Februar für Kaufland – das Thema Tierwohl ist ihm geblieben. „Viele Hellgrautöne“, so sagt er, habe er vorgefunden.

Mit dem Wechsel in die Wirtschaft hadert der Kirchenmann, der gelegentlich noch immer auf der Kanzel steht, also nicht. „Ich habe in der Wissenschaft gearbeitet, beim Staat und bei der Kirche. Nur die Wirtschaft hat noch gefehlt.“  Keine Personalverantwortung mehr zu haben, sei „entlastend“, sagt der 59-Jährige.

Die Weiterbildung des Verkaufspersonals ist nahe an der früheren Tätigkeit: Erwachsenenbildung. Dirscherls Aufgabe ist aber auch, Landwirten die Tierwohlkriterien nahezubringen, die der Händler mit Hauptsitz in Neckarsulm für die Produkte an den Bedientheken einfordert. „Wir machen keine Vorschriften, wie die Landwirte die Kriterien erreichen“, betont der neue Botschafter, der den Dialog mit den Bauern intensivieren soll. 

Überzeugungsarbeit im Stall

Kürzlich hat er mit Verkäuferinnen bei einer Schulung einen konventionellen Stall besucht. In der Diskussion mit dem Bauern ging es um die Unterschiede. „Einige Tage später hat mich der Landwirt gefragt, ob er bei dem Programm mitmachen könne.“ Solche Erfolge bestätigen ihn. Er ist überzeugt, dass das Qualitätsprogramm der Schwarz-Sparte eine Alternative zur nur auf Produktivität getrimmten „No-Name-Produktion“ ist. „Wenn die Landwirte so weitermachen, können sie mit Erzeugern in anderen Ländern nicht mithalten.“

Der Kaufland-Geschäftsführer Ralph Dausch hatte Dirscherl 2012 als Moderator bei einer Veranstaltung kennengelernt. Dirscherl habe es geschafft, die erhitzte Diskussion mit den Landwirten so zu moderieren, dass wieder eine vernünftige Gesprächsatmosphäre entstanden sei. Das hat den Kaufland-Geschäftsführer beeindruckt, deshalb sprach er Dirscherl an.

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