Obersontheim/Bühlertann Die Zweitplatzierten beim Inklusionspreis: AS-Motor und Fränkische Werkstätten

Mitarbeiter von AS Motor und den Fränkischen Werkstätten bei der Verleihung des Inklusionspreises im Sonnenhof. Rechts im Bild Sonnenhofvorstand Heinz Schüle und Michael Werner.
Mitarbeiter von AS Motor und den Fränkischen Werkstätten bei der Verleihung des Inklusionspreises im Sonnenhof. Rechts im Bild Sonnenhofvorstand Heinz Schüle und Michael Werner. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Obersontheim/Bühlertann / SONJA ALEXA SCHMITZ 04.05.2016
Bei der Bühlertanner Firma für Rasenmäher arbeiten seit vier Jahren Menschen mit psychischer Behinderung. Die Fränkischen Werkstätten in Obersontheim regten schon einige Jahre zuvor die erfolgreiche Zusammenarbeit an.

„Wenn die Menschen morgens aus dem Haus gehen und sagen, ‚Ich geh zu AS-Motor‘, dann fühlt sich das wesentlich besser an, als eine Werkstatt für behinderte Menschen als Arbeitsplatz zu nennen“, sagt Werkstattleiter Bernd Otter. Er sandte die Bewerbung an die Stiftung Sonnenhof, die den Inklusionspreis verleiht. „Tu Gutes und rede darüber, sonst nützt es nichts“, so seine Einstellung.

Durchschnittlich werden in Deutschland 0,7 Prozent  der Menschen mit Behinderung aus Werkstätten auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Die Fränkischen Werkstätten schaffen es auf zwei Prozent im Jahr. „Das klingt wenig und ist dennoch eine stolze Leistung, wenn man bedenkt, dass diese Menschen mit psychischer Erkrankung zuvor durch alle Fördermaßnahmen gefallen sind und jahrelange ‚Drehtürpsychiatrie‘ hinter sich gebracht haben“, bemerkt Bernd Otter.

Seit zehn Jahren gibt es bei der Firma AS-Motor, die Rasenmäher herstellt, einen ausgelagerten Arbeitsplatz der Werkstätten. Aber seit die Firma vor vier Jahren von Oberrot nach Bühlertann umgezogen ist, wurde ein neues Konzept vorgeschlagen. Man wollte Menschen mit Behinderung nicht nur als Praktikanten oder befristet unterbringen, sondern ihnen ein Trainingsfeld bieten –  unter dem Dach der Fränkischen Werkstätten. Das heißt, sie sind durch diese abgesichert, auch im Falle eines Scheiterns. Zudem ist ein Betreuer der Fränkischen Werkstätten vor Ort, der sich um Sorgen und Belange kümmert.

Zu Anfang sei man bei AS-Motor skeptisch gewesen. In einer Mitarbeiterversammlung wurden die Bedenken der dortigen Mitarbeiter ernst genommen  und die zum Teil klischeebehafteten Vorstellungen von Menschen mit psychischen Erkrankungen konnten ausgeräumt werden. Heute profitieren sie davon. Die neuen Mitarbeiter hätten für eine höhere Zufriedenheit aller Angestellten gesorgt. „Im Kontakt zu Menschen mit psychischen Behinderungen merken die Kollegen, wie gut es ihnen geht“, so Bernd Otter. Es hätten sich gewisse Patenschaften und Freundschaften gebildet. Die neuen Mitarbeiter arbeiten in allen Bereichen: Produktion, Küche, Lager, Reinigung, Büro. Sie sind intellektuell keineswegs eingeschränkt, leiden aber unter ihren psychischen Belastungen. Durchschnittlich kommen sie auf 30 Krankheitstage im Jahr, bei „gesunden Mitarbeitern“ liege der Durchschnitt bei 13 Tagen. Derzeit arbeiten sechs Mitarbeiter der Fränkischen Werkstätten bei AS Motor. Sie seien stolz, die Arbeitskleidung der Firma zu tragen.

Es sei nicht so, dass Menschen mit Behinderung sich um die Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt rissen. Jobcoach Otter und die Mitarbeiter der Fränkischen Werkstätten machen ihnen aber das Leben „draußen“ schmackhaft und bauen Brücken.  Die Nachhaltigkeit dieses Projekts bewertete die Jury des Inklusionspreises hoch und vergab ihnen für ihr Tun den zweiten Platz.
 

Der Inklusionspreis

Auszeichnung Der mit 5000 Euro dotierte Inklusionspreis der Stiftung Sonnenhof wurde kürzlich in Hall verliehen. Überreicht wurde er von der SPD-Bundestagsabgeordneten Annette Sawade. Geehrt wurden nicht nur die drei Sieger, sondern alle Projekte, die bei der Stiftung eingereicht wurden.

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