Geburtstag Die zwei Leben des Kurt Engel

Einst war hier sein Amtssitz: Kurt Engel, Altbürgermeister von Gaildorf, vor dem Neuen Schloss, dem Gaildorfer Rathaus. Der heutige Geschäftsführer des Vereins Packaging Valley Germany e.V. und der Technologiezentrum GmbH hat in Gaildorf viel bewegt.
Einst war hier sein Amtssitz: Kurt Engel, Altbürgermeister von Gaildorf, vor dem Neuen Schloss, dem Gaildorfer Rathaus. Der heutige Geschäftsführer des Vereins Packaging Valley Germany e.V. und der Technologiezentrum GmbH hat in Gaildorf viel bewegt. © Foto: Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 16.06.2018
Der ehemalige Gaildorfer Bürgermeister Kurt Engel feiert heute 65. Geburtstag. 2002 wechselte er in die Wirtschaft.

Irgendwo in den Bergen wird man ihn heute suchen müssen. Kurt Engel ist mit seiner Frau Gerda und zwei seiner drei Enkel ein paar Tage wandern gegangen. Seinen 65. Geburtstag werden sie unterwegs feiern. Und danach geht’s zurück an den Schreibtisch: Kurt Engel ist Geschäftsführer des Technologiezentrums in Schwäbisch Hall und des Vereins Packaging Valley und beides ist er gerne. „Ich sehe keinen Grund, warum ich aufhören sollte“, sagt er.

Vor 17 Jahren wollte er genau das: Aufhören. Am 19. Dezember 2001 gab Kurt Engel im Gaildorfer Gemeinderat bekannt, dass er für eine dritte Amtszeit als Bürgermeister nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Er wolle „meine persönliche Freiheit zurückgewinnen“, erklärte er damals. Er sei nicht im Groll gegangen, sagt Engel heute, aber: „die Freude war ein bisschen weg“.

21 Jahre lang war Kurt Engel Bürgermeister. Zunächst in Eschach im Ostalbkreis, wo er 1981  gewählt wurde, fünf Jahre später trat er dann in Gaildorf an. 20 Jahre saß er überdies für die Freien Wähler im Schwäbisch Haller Kreistag. Parteipolitik, betont er, habe für ihn als Bürgermeister nie eine Rolle gespielt, parteipolitisch ambitionierte Diskussionen empfand er eher als einschränkend.

Und jetzt könnte man aufzählen: 27 Bebauungspläne wurden in Engels Amtszeit bearbeitet, 80 Baugesuche für städtische Einrichtungen eingereicht, 122 Millionen Mark verbaut – bei gleichzeitig sinkendem Schuldenstand. Es wurden neue Kindergartengruppen eingerichtet, Schulen, Hallen und das alte Schloss saniert, die Verkehrssituation in der Innenstadt beruhigt, die Städtepartnerschaft mit Budajenö in Ungarn begründet. Was auch zählt: Die Stadt, betont Engel, sei in seiner Zeit entgegen dem Trend von 10 242 auf 12 542 Einwohner gewachsen.

Und: Die Murrbahn wurde elektrifiziert. „Ein Quantensprung“ sei das gewesen, sagt Engel, der sich als Vorsitzender des Verkehrsverbandes Murrtal mit Nachdruck dafür eingesetzt hatte. Und auch die Gaildorfer Umgehungsstraße, die bis 2027 gebaut sein soll, setzte er aufs Gleis: in seiner letzten Gemeinderatssitzung fand sich die nötige Mehrheit für die Trasse, die jetzt geplant wird.

2004 ist er nach Schwäbisch Hall gezogen. Man kennt und schätzt ihn aber immer noch in Gaildorf. Engel wird angesprochen, wenn er mal durch die Stadt läuft. Allerdings geschieht dies mittlerweile eher selten: bei offiziellen Anlässen wie dem Pferdemarkt, wo man sich als Ex-Schultes schon mal zeigen sollte.

Er habe „ohne Plan“ aufgehört, erinnert sich Engel. Der Gaildorfer Unternehmer Gerhard Schick, seinerzeit Vorstandsvorsitzender der Bechtle AG, habe ihn dann gebeten, den Bereich „öffentliche Auftraggeber“ aufzubauen. „Eine Riesenerfahrung“ sei diese Zusammenarbeit gewesen. Engel wechselte dann in die Geschäftsführung des 2007 gegründeten Vereins Packaging Valley und – wurde selbst Unternehmer: Zusammen mit dem Langenburger Tausendsassa Wolfgang Maier, dem Erbauer des Mawell Ressort, gründete er die Komminvest GmbH & Co. KG, die Gründerzentren und andere öffentliche Einrichtungen projektiert. Und von dort wechselte er schließlich in die Geschäftsführung des Haller Technologiezentrums.

Gewonnene Zeit

Unternehmerische Freiheit also hat Kurt Engel in seinem zweiten Leben gewonnen. Und Zeit: Als Bürgermeister musste er Präsenz zeigen, auch an den Wochenenden. Heute gibt’s nur noch einen fixen Termin: Samstags guckt der VfB-Fan Bundesliga. Er hat Zeit für die Familie, Zeit zum Lesen, Zeit für den Schrebergarten, den er für sich gepachtet  hat – seine Frau Gerda gärtnert ein paar Gärten weiter. Beide sind dem Siedler- und Kleingärtnerbund Heimbachsiedlung beigetreten. Mit Funktion? Jetzt muss er lachen: „Könnt’ ich haben.“

Aus dem Rathaus in das Rathaus

Er ist quasi im Rathaus aufgewachsen: 1953 kommt Kurt Engel in Gründelhardt, heute Hauptort der Gemeinde Frankenhardt, zur Welt. Sein Vater ist der Gründelhardter Bürgermeister Otto Engel. In Rot am See beginnt Kurt Engel im Jahr 1969 die Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst. 1974 legt er in Stuttgart die Staatsprüfung für öffentliche Verwaltung ab, arbeitet danach in Tübingen sowie Murr im Landkreis Ludwigsburg und wird 1981 Bürgermeister von Eschach. 1986 wird er zum Bürgermeister von Gaildorf gewählt, 2002 wechselt er in die freie Wirtschaft.
Kurt Engel ist verheiratet, er hat zwei Töchter und mittlerweile auch drei Enkelkinder. rif

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