Sulzbach-Laufen Die Wunschkinder sind da

Die stolzen Eltern Stephanie und Marcel Großpersky mit ihren Zwillingen Svea und Lina.
Die stolzen Eltern Stephanie und Marcel Großpersky mit ihren Zwillingen Svea und Lina. © Foto: s
Sulzbach-Laufen / Sonja Alexa Schmitz 17.05.2018
Zehn Jahre lang haben Stephanie und Marcel Großpersky versucht, ein Kind zu bekommen. Beim letzten Versuch klappte es.

In 18 oder 20 Jahren werden Svea und Lina wohl einmal diesen Zeitungsartikel in der Hand halten. Dann wenn ihre Eltern, Stephanie und Marcel Großpersky, ihnen erzählen, auf welchem Wege es schließlich gelang, dass die beiden in Mamas Bauch entstehen konnten.

Jahrelang wollte sich einfach keine Schwangerschaft einstellen. Zehn Jahre lang versuchten es die beiden und sahen letztlich keinen anderen Weg als den einer künstlichen Befruchtung. Die ließen sie in einer Klinik in Tschechien durchführen. Doch der Versuch misslang.

Knapp zwei Jahre später starteten sie einen erneuten Versuch in dieser Klinik, angetrieben von einem Vertrag, den sie mit dem Fernsehsender RTL schlossen. In der Serie „This time next year“ wollten sie und andere Kandidaten innerhalb eines Jahres ein persönliches Ziel erreichen. Das war die Motivation, noch einmal einen wirklich letzten Versuch zu starten.

Die 32-Jährige bekam in Tschechien Eizellen gespendet und tatsächlich, begleitet von der Filmkamera, ist die gute Nachricht festgehalten: Es hat geklappt: Sie ist schwanger. Mit Zwillingen sogar. Es war keine angenehme Schwangerschaft. Die Übelkeit verließ sie nur selten, am Ende hatte Stephanie Großpersky einen Bauchumfang von 1,30 Meter. Als die Babys eine Woche überfällig waren, konnte sie nicht länger und ließ die Geburt einleiten. Vier Tage lang, noch immer passierte nichts. Sie sollte schon entlassen werden, der Ehemann war auf dem Weg zur Arbeit, da piepste das Handy: „Bleib mal lieber. Es geht los!“

Eine ganze Nacht lang kämpfte die werdende Mutter, dann rie­ten die Ärzte zu einem Kaiserschnitt. Und dann lagen sie auf Mamas Bauch: Svea und Lina. Das, worauf die Eltern jahrelang gehofft hatten, wurde wahr.

Sechs Monate ist das her. Heute sind die beiden „glücklich, aber auch recht müde“. Der beschwerliche Weg, den sie gegangen sind, er ist nun vergessen. Die Strapazen und das Warten, die Enttäuschungen und Mühen sind Vergangenheit. An die Zeit der Schwangerschaft, in denen sie für RTL ständig mit der Filmkamera immer wieder Szenen drehen sollten, denken sie nicht mehr. Sie würden das auch nicht mehr wieder tun. „RTL hat nichts dazu beigetragen dass es geklappt hat“, sagt Stephanie Großpersky. Es habe ihnen nur viel Arbeit beschert, viele Stunden Filmmaterial, von denen am Ende nur ein paar Minuten in der Sendung gezeigt wurden. Wichtig sei es aber dennoch gewesen, denn sonst hätten sie vielleicht nicht mehr den Mumm gehabt für diesen letzten Versuch.

Kinderlosen Frauen Mut machen

Die geborene Thüringerin ist immer noch in der Facebookgruppe „Kinderlos“. Dort kommunizieren Frauen miteinander, die schwanger werden möchten. Stephanie Großpersky ist dabeigeblieben weil sie ihnen Mut machen will zu einer künstlichen Befruchtung. „Es wird irgendwie negativ gesehen, aber es kann eben funktionieren.“ Dass sie nicht die genetische Mutter ihrer Töchter ist, spielt für sie keine Rolle. Ihre Schwiegermutter schaut manchmal in alten Familienfotoalben und erkennt Ähnlichkeiten zwischen ihrem Sohn und ihren Enkeln. Das gebe mal einen kleinen Stich, aber mehr nicht.

Als Svea und Lina frisch geboren waren, kamen fast täglich Geschenke ins Haus. Von Familie, Nachbarn, Freunden und Bekannten. Viele erfuhren durch das Fernsehen oder die Zeitung, was das junge Paar für Mühen – und Kosten – auf sich genommen hat, und wollten diese etwas lindern. Die Gutscheine für einen Drogeriemarkt beispielsweise reichten für die ersten vier Lebensmonate der Zwillinge aus.

Zufrieden räkeln sich die Säuglinge auf ihrem Eulenteppich. Irgendwann einmal werden sie erfahren, wie sehr sie von ihren Eltern herbeigesehnt wurden.

Seit 14 Jahren sind die Eltern zusammen

Stephanie und Marcel Großpersky sind 32 und 33 Jahre alt und stammen aus Thüringen – sie aus Apolda, er aus Gera. Sie sind seit 14 Jahren zusammen, über neun Jahre verheiratet und wohnen in ihrem Haus in Sulzbach-­Laufen. Marcel Großpersky ist gelernter Einzelhandelskaufmann und ar­beitet als selbstständiger Transportunternehmer. Seine Frau ist Schreinerin. sasch

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