Aktion Die Würde des Menschen

Schüler beim Bedrucken der Transparente. Die Abdrücke werden später gezählt und die Anzahl gemeldet.
Schüler beim Bedrucken der Transparente. Die Abdrücke werden später gezählt und die Anzahl gemeldet. © Foto: Iris Simon
Schwäbisch Hall / Iris Simon 28.02.2018

Die langen weißen Stoffbahnen aus den vergangenen Jahren hängen immer noch an den Wänden und an der Balustrade zum zweiten Stock. Darauf wie zur Mahnung und zur Erinnerung abgebildet: Hunderte blutrote Handabdrücke mit ebenso vielen Namen von Schülern der Sibilla-Egen-Schule. Eine symbolische Geste am Internationalen Tag gegen den Missbrauch von Kindern als Kindersoldaten am 12. Februar, auch Red Hand Day genannt.

„Wir sammeln Handabdrücke, melden die Anzahl an das Deutsche Bündnis Kindersoldaten, das bundesweit für die Aktion verantwortlich ist, und schicken einen entsprechenden Brief an unsere Politiker“, erklärt die Geschichts- und Deutschlehrerin Katja Aurich. Seit zehn Jahren nimmt die Schule im Haller Westen an diesem Tag teil. Auch wenn dieses Jahr aufgrund des Faschings die geplanten Aktionen erst am 23. Februar nachgeholt werden konnten.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Claudia Braun initiiert Aurich das Sammeln der Handabdrücke und setzt sich mit den Schülern mit dem Thema Kindersoldaten auseinander. „Es gibt nach wie vor 250 000 Kinder auf dieser Welt, die für Kampf- und Kriegshandlungen missbraucht werden. Mit diesem Tag wollen wir die Schüler für dieses Thema sensibilisieren. Denn Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.“

Eine ähnliche Meinung vertritt auch die SPD-Europa-Abgeordnete Evelyne Gebhardt. Diese war auf Einladung der Schule aus Brüssel angereist. „Kinder sind unsere Zukunft und müssen geschützt werden. Es liegt in unserer Verantwortung, dass dieser Schutz gewährleistet wird. Der wichtigste Grundsatz unseres Miteinanders ist nicht ohne Grund, dass die Würde des Menschen unantastbar ist“, so Gebhardt.

Auf die Frage, inwieweit die SPD als Regierungspartei mit den Genehmigungen für Waffenlieferungen in Rekordhöhe dieser Verantwortung gerecht geworden sei, entgegnete Gebhardt: „Ich würde nicht sagen, dass die SPD für die Lieferungen verantwortlich ist. Als Koalitionspartner mit der CDU sind wir in einen Koalitionsvertrag eingebettet.“ Gerade im Hinblick auf die deutsche Geschichte sei es schade, eines der Länder mit den größten Waffen­exporten zu sein. Ihr Vorschlag wäre die Umwandlung und Eingliederung der Waffenindustrie in andere Industriezweige, etwa in den Maschinenbau.

Die Rolle der Bundeswehr

Auch Jana und Hannah, Schülerinnen der elften Klasse des Biotechnologischen Gymnasiums, haben die Rede von Evelyne Gebhardt mitverfolgt. Ihre Klasse hat unter Anleitung von Katja Aurich die Aktionen für den Tag organisiert, etwa indem sie Plakate über aktuelle Fälle von Einsätzen von Kindersoldaten entworfen haben. „Es ist erschreckend zu sehen, dass es immer noch so viele betroffene Kinder gibt“, meint die 19-jährige Hannah. „Vom Syrienkrieg hört man ja auch, dass Kinder für Selbstmordanschläge missbraucht werden.“ Den beiden jungen Frauen ist es wichtig, andere Menschen auf das Thema Kindersoldaten aufmerksam zu machen und Verantwortung zu übernehmen.

Die beiden Schülerinnen sind in direkter Weise davon betroffen. „Man vergisst es immer wieder, aber auch die Bundeswehr beschäftigt Kindersoldaten“, klärt Katja Aurich auf. Sie bezieht sich damit auf die Definition der Pariser Prinzipien von 2007, in der es heißt, dass alle Kinder unter 18 Jahren, die Teil bewaffneter Gruppen oder Armeen sind, Kindersoldaten sind. „In meinen Klassen werden 16-jährige Schüler zur Musterung eingeladen. Diese Jugendlichen dürfen bei einer Bundestagswahl noch nicht einmal wählen, sollen aber entscheiden, ob sie Teil einer Streitkraft werden wollen.“ Die Lehrerin schüttelt konsterniert den Kopf.

 Eine Forderung des Deutschen Bündnises Kindersoldaten ist unter anderem der Stopp deutscher Rüstungsexporte in Krisengebiete. Nur wenige Stunden, nachdem der letzte Handabdruck auf dem Stofftuch der Sibilla-Egen-Schule getrocknet war, bestätigte das Außenministerium unter Sigmar Gabriel, dass weitere Waffenlieferungen, darunter Bomben und Panzerteile, an die Türkei genehmigt wurden. Der ARD zufolge, zeitlich unmittelbar vor der Freilassung des deutschen Journalisten Deniz Yücel.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten

Hier steht der Anlauf, und hier der Text

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel