Untergröningen/Pattaya Für ein Jahr: Frauen in Thailand helfen

Thea Sofia Ziegler aus Untergröningen absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in Pattaya. Dort unterrichtet sie Deutsch in der kirchlich-sozialen Einrichtung Fountain of Life Women’s Center.
Thea Sofia Ziegler aus Untergröningen absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in Pattaya. Dort unterrichtet sie Deutsch in der kirchlich-sozialen Einrichtung Fountain of Life Women’s Center. © Foto: Brigitte Hofmann
Abtsgmünd / Brigitte Hofmann 08.08.2018
Thea Sofia Ziegler aus Untergröningen arbeitet für ein Jahr in einem sozialen Projekt in Thailand.

Heute beginnt ein neuer Abschnitt im Leben von Thea Sofia Ziegler. Wenn sie ins Freie tritt, dann blickt sie nicht hinunter ins Kochertal oder hinüber zum Untergröninger Schloss, sondern in eine fremde Welt. Fortan bestimmt die Arbeit im Fountain of Life Women’s Center in Pattaya ihren Alltag. Sie hat sich dazu verpflichtet, ein Freiwilliges Soziales Jahr in Thailand abzuleisten.

Seit über 30 Jahren pflegt die Diözese Rottenburg-Stuttgart weltkirchliche Partnerschaften mit Gemeinden und Projekten in Afrika, Lateinamerika und Asien. Während eines Gottesdienstes am 20. Juli im Kloster Heiligenkreuztal entsandte Weihbischof Thomas Maria Renz 46 junge Erwachsene hinaus in die Welt. Zuvor wurden sie in mehreren Seminaren auf ihren Dienst vorbereitet. Das sei wichtig, schreibt Bildungsreferentin Eva Ludwig, um den jungen Erwachsenen den Rücken zu stärken und mit ihnen eine reflektierte, selbstkritische Haltung einzuüben. Auch während des Jahres erhalten sie die Möglichkeit, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.

Am Montagabend haben Josef und Isabella Ziegler ihre Tochter am Frankfurter Flughafen verabschiedet. Via Abu Dhabi brachte sie der Flieger dann ins ferne Bangkok, von wo aus es noch mal mehrere Stunden Fahrt bis zu ihrem Einsatzort waren. Im großen Koffer hatte die vielseitig begabte junge Frau nur das Allernötigste – und ihre kleine, weiße Ukulele. Ihr Klavier oder die Gitarre mitzunehmen wäre umständlicher gewesen.

Erst mal keine Auftritte mehr

Die liebgewordenen Auftritte mit ihrer Zwei-Mann-Band fallen vorübergehend flach. Dafür eröffnen sich ihr ganz neue Perspektiven. Sie wird fremde Kulturen entdecken und Menschen mit unbekannter Mentalität und anderen Denkweisen begegnen. Aber sie weiß auch, dass im Fountain of Life Women’s Center große Herausforderungen auf sie warten. Dort erhalten Frauen die Möglichkeit, in einem sicheren Umfeld Schulbildung nachzuholen. Sie sollen künftig in anderen Berufen arbeiten können, anstatt ihren Lebensunterhalt in Massagesalons, Bars oder gar auf der Straße verdienen zu müssen. Thea Sofia Ziegler unterrichtet an der Schule Deutsch. Eine zweite Fremdsprache sei in einem vom Tourismus geprägten Land von Vorteil, erklärt sie.

Ob ihr berufliches Ziel später einmal die Pädagogik sein wird, ließ sie offen. Momentan tendiert sie eher in die technisch-mathematische Richtung. Stadtplanerin könnte sie sich vorstellen oder einen anderen Beruf, bei dem sich Naturwissenschaft mit Design verbinden lässt. Jedenfalls hat sie sich an mehreren Hochschulen einen Studienplatz reservieren lassen. Sie hofft, nach dem Jahr klarer zu sehen. Im G-8-Gymnasium mit massig Lehrstoff sei für die Orientierung kaum Zeit geblieben, erzählt sie wenige Tage vor ihrer Abreise.

Sechs Monate keinen Besuch

Thailand sei ihr Wunschland gewesen. Sie selbst war zuvor noch nie dort, kennt das Land aber aus Reiseberichten ihrer Eltern. Mit ihnen wird sie in der kommenden Zeit viel übers Internet verbunden sein und skypen. Denn Besuch in den ersten sechs Monaten ist vonseiten der Organisation nicht erwünscht. Diese gibt auch vor, dass die ausgesandten jungen Menschen in ihrer Heimat Solidaritätskreise aufbauen sollen, um die dortigen Einrichtungen finanziell zu unterstützen. Die zielstrebige junge Frau ist motiviert genug, ihr Herz in beide Hände zu nehmen, um sich mit aller Kraft in dieses Vorhaben zu stürzen.

Für ein Jahr nach Afrika, Lateinamerika oder Asien

Thea Sofia Ziegler wurde am 3. November 1999 geboren und ist in Untergröningen aufgewachsen. Nach der Grundschule besuchte sie das St.-Jakobus-Gymnasium mit naturwissenschaftlichem Profil in Abtsgmünd, das in Trägerschaft der Stiftung Katholische Freie Schule ist und sich in Pädagogik und Erziehung an christlichen Werten orientiert. Vermittelt werden neben Fachwissen ergänzende Komponenten wie Organisationsfähigkeit, Persönlichkeit, Solidarität, Höflichkeit und Rücksichtnahme. Theas Hobbys sind Musik, Sport, Tanzen und Zeichnen.

Das Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung sind die Voraussetzung dafür, den Zuschlag für den weltkirchlichen Friedensdienst zu erhalten. Unter dem Motto „Mitleben – Mitbeten – Mitarbeiten“ bieten der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart jungen Menschen die Möglichkeit, ein Jahr in Afrika, Lateinamerika oder Asien zu verbringen. Gefördert werden die Auslandseinsätze auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. hof

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel