Wackershofen Imkertag im Hohenloher Freilandmuseum

Schwäbisch Hall / Maya Peters 19.07.2018
Alle zwei Jahre bieten Fachleute der Region Hohenlohe-Schwäbischer Wald Einblicke in die Welt um die arbeitsame Biene.

„Kinder matschen so gern“, zeigt Beate Frank vom Bienenzüchterverein Mittlerer Jagstgau Westernhausen lächelnd zur siebenjährigen Jana am Tisch unterm Kastanienbaum. Vor dem Mädchen liegt ein Kuchentablett voll brauner, unterschiedlich großer Kugeln. Sie hat auf dem Imkertag im Hohenloher Freilandmuseum Samenbomben gerollt. Darin ist eine gemischte Saat mehrjähriger nektartragender Blumen. Für die Besucher, die sich nicht die Hände schmutzig machen wollen, gibt es auch Tütchen zum Ausstreuen, Teil einer „Blühaktion“ zum 100-Jahr-Vereinsjubiläum.

Man lernt an den verschiedenen Ständen über das Museumsgelände verteilt eine Menge rund um die Biene. Neben Mitmachangeboten kann man beim Honigschleudern zusehen, Produkte vom Honig, über Kosmetik und Medizin probieren und erwerben, Infos zum Einstieg als Imker bekommen oder erfahren, wie man den Wildbienen im eigenen Garten einen Nist- und Lebensraum anbieten kann.

„Die Leute sind unheimlich wissbegierig“, freut sich Hans Beißwenger vom Bezirksimkerverein Gaildorf am Schaubienenstand über das Interesse. Am flachen, hochkant gestellten Kasten mit der transparenten Wand hat man einen einmaligen Blick auf den Honig im oberen und die Brut im unteren Bereich. „Heuer sieht es beim Sommer-, Blüten- und Sortenhonig sehr gut aus“, erzählt er. Das liege am guten „Trachtangebot“. So wird die Menge an Nektar, Pollen und Honigtau bezeichnet. Durch regional und saisonal unterschiedliche Bedingungen sei diese nie gleich. Auch darin liege die große Vielfalt, die den Honig in Farbe, Konsistenz und Geschmack variiere, erläutert der Imker. Doch der Waldhonig, auch „Honigtauhonig“ genannt, sei durch die große Trockenheit heuer nicht so ertragreich, da die Läuse, die dafür vonnöten sind, Feuchte brauchen.

Strenge Richtlinien

Die Biene sorge für den Artenerhalt vieler Nutz- und Zierpflanzen und übernehme bis zu 80 Prozent der Bestäubungsarbeit. „Für ein Kilogramm Honig werden bis zu fünf Millionen Blüten angeflogen“, heißt es auf dem Infoblatt zum Premiumhonig aus der Region Hohenlohe-Schwäbischer Wald. Ihren eigenen, im April 2018 wiederholt mit Gold prämierten Waldhonig hält das Imkerehepaar Beißwenger stolz in die Höhe. „Die Beurteilungskriterien sind weit strenger als bei den Qualitätsrichtlinien der EU oder des Deutschen Imkerbunds“, erläutert Renate Beißwenger.

Üblicherweise ist der deutsche Honig im typischen Glas und wird auch so beim Imkertag verkauft. Nicht jedoch bei Familie Fries, die ihren „Honig-Flip“ in der Tube anbieten. „Recyclebar natürlich, aus Zuckerrohr“, erklärt Thomas Fries einer potenziellen Kundin, die kritisch beim Plastik nachfragt. Den Honig mit Zitrone schätzten Sportler, den mit Ingwer eher Sänger und die Kinder liebten den Zusatz aus Kakao und Vanille, preist der Bretzfelder vom Imkerverein Öhringen seine noch junge Erfindung an. Bis zu 2000 Eier legt eine Bienenkönigin täglich. Ein sogenanntes „Wirtschaftsvolk“ habe anfangs etwa 5000 Bienen und wachse bis Ende Juni teils um das Zehnfache auf 50 000 an, erläutert Wilhelm Ruck vom Crailsheimer Imkerverein. Je nach Trachtangebot habe man einen Ertrag von 20 bis 40 Kilogramm im Jahr pro Volk. „Ich esse jeden Tag Honig“, schmunzelt Ruck. Was er nicht selbst verbrauche, verkaufe er auf Märkten. Hobby-Imker sei er erst mit Beginn der Altersteilzeit vor 12 Jahren geworden. „Das hat mich schon als Kind interessiert“, setzt er hinzu. Das Bienenjahr sei nun fast zu Ende, so Ruck. Bald werde man die letzten Waben abschleudern, um dann mit der Behandlung gegen die Varroa-Milbe anzufangen. Ab August schlüpfen die Winterbienen, die unter dem Parasit besonders häufig litten.

Nicht bei allen Völkern werden die Königinnen beim Hochzeitsflug befruchtet. Imker Heinrich Seiffert zeigt im Schulhaus, wie die „instrumentelle Besamung“ unterm Mikroskop nach der Narkotisierung der Königin funktioniert. Einer der Nutzen sei, dass man gezielt arbeit­same, schwarmfaule und friedliche Bienen züchten könne. Dabei lässt Ruck einige der sanften Tiere – Canica-Bienen – über seine Hände krabbeln.

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