Heilbronn Die Vielfalt der Branche präsentieren

So soll der Pavillon der Handwerkskammer auf der Bundesgartenschau aussehen. 
So soll der Pavillon der Handwerkskammer auf der Bundesgartenschau aussehen.  © Foto: Grafik: Herzog + Herzog
Heilbronn / hst 29.06.2018
Die Handwerkskammer sucht Betriebe, die das regionale Handwerk in einem Holzpavillon auf der Bundesgartenschau vorstellen wollen. Die Lehrlingszahlen steigen weiter, trotzdem stehen einige Berufsschulen vor der Schließung.

In seiner ganzen Vielseitigkeit will sich das regionale Handwerk auf der Bundesgartenschau (BUGA) nächstes Jahr in Heilbronn vorstellen. Und zwar in einem architektonisch anspruchsvollen Pavillon in Holzbauweise. Bei der Vollversammlung der Handwerkskammer (HWK) Heilbronn-Franken diese Woche in Heilbronn präsentierte Projektleiter Jérôme Umminger erste Details. Der vom Heilbronner Architekturbüro Herzog + Herzog entworfene Holzpavillon wird im nördlichen Bereich des BUGA-Geländes gebaut.

Die Nutzfläche des Pavillons beträgt rund 170 Quadratmeter. In der Mitte gibt es eine runde Werkbank beziehungsweise Theke, die per Flaschenzug angehoben werden kann. Herzstück ist eine Dauerausstellung, welche die Facetten der 130 Ausbildungsberufe des Handwerks widerspiegeln und vor allem eine jugendliche Zielgruppe ansprechen soll. Die Kammer sucht daher nach Betrieben, die sich mit kreativen Ideen in die Präsentation einbringen wollen. Die Genehmigung für das Projekt, das sich die HWK 250  000 Euro kosten lässt, ist erteilt, Baustart soll im Herbst sein.

Auch im Außenbereich wird es eine Ausstellung in Form eines roten Bandes geben, in der sich die verschiedenen Institutionen der Wirtschaftsregion Heilbronn-­Franken, zu denen auch die HWK gehört, vorstellen können. Das Band verbindet den Handwerkspavillon mit dem Pavillon der Touristikgemeinschaft Heilbronner Land und zieht sich dann auf einer Länge von etwa 130 Metern durch den Wohlgelegen. Es endet in einer ebenfalls von Herzog + Herzog konzipierten Bühne, auf denen sich die Mitglieder der Wirtschaftsregion mit Veranstaltungen präsentieren werden.

Der bevorstehende Auftritt der BUGA prägte die Vollversammlung, doch wurden noch viele weitere Themen behandelt. Nicht zum ersten Mal stand der Fachkräftemangel auf der Agenda: „Handwerklich ausgebildete Fachkräfte fehlen in fast allen Gewerken, und viele Betriebe müssen sogar Aufträge ablehnen, weil sie nicht genügend Mitarbeiter haben“, sagte Kammerpräsident Ulrich Bopp. Er machte sich daher erneut für ein „vernünftiges Zuwanderungsgesetz auf Bundesebene“ stark, das integrations- und arbeitswilligen Migranten „eine faire Chance zum Bleiben“ bietet. Arbeitnehmer-Vizepräsident Markus May forderte eine finanzielle Aufwertung der Handwerksberufe, um mehr junge Menschen zu erreichen. „In einigen Berufen wie Friseur oder im Lebensmittelbereich verdient man weniger als 20 000 Euro brutto im Jahr. Das reicht nicht, um eine Familie zu ernähren.“ Neben höheren Löhnen denkt May auch an Steuererleichterungen.

Jüngster Trend setzt sich fort

Erfreuliches hatte Kerstin Lüchtenborg, Leiterin Berufsbildung, zum Thema Ausbildung zu berichten: Der jüngste Trend zu wieder steigenden Lehrlingszahlen im regionalen Handwerk setzt sich fort. 1937 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse zählte die Kammer 2017 – ein Plus von 2,4 Prozent. 10,9 Prozent der Lehrlinge haben Abitur. „Vor zehn Jahren waren es nur 3,4 Prozent“, betonte Lüchtenborg. 109 der neuen Lehrlinge kommen aus den Asylzugangsländern. Bis Mai dieses Jahres gab es mit insgesamt 641 Neueintragungen einen weiteren Zuwachs um 4,4 Prozent.

Der Aufschwung bei den Ausbildungszahlen kommt allerdings bei vielen Berufsschulen noch nicht an: Die demografische Entwicklung und das insgesamt nachlassende Interesse junger Menschen an einer Ausbildung im Handwerk führt dazu, dass die Klassen in den Berufsschulen immer kleiner werden. Deshalb schließen ganze Schulen oder Klassen werden an anderen Standorten zusammengelegt.

Die Folge dieser Entwicklung: Die Lehrlinge haben längere Anfahrtswege, was diese Berufe unattraktiver macht. „Dieser Teufelskreis ist schon im Gange“, warnte Markus May.

9,7

Prozent der Ausbildungsverhältnisse wurden im vergangenen Jahr vorzeitig aufgelöst. 2016 hatte die Zahl noch bei 11,1 Prozent gelegen.

Handwerk unterstützt Rückkehr zur Meisterpflicht

Wie Kammerpräsident Ulrich Bopp berichtete, begrüße das Handwerk Bemühungen, die Meisterqualifikation zu stärken. Bei der Reform der Handwerksordnung 2004 wurde in 53 Berufen die Meisterpflicht abgeschafft, was zu sinkender Qualität in vielen Gewerken geführt hat.

Bopp sagte im Namen des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) Unterstützung bei der Rückvermeisterung zu, warnte aber: „Die Wiedereinführung der Meisterpflicht wird nicht in allen Gewerken gelingen.“

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