Seit Jahrzehnten ist er ein regelmäßiger Gast im Silicon Valley: Harald Unkelbach. Vor allem in den letzten fünf Jahren beobachte der Präsident der IHK Heilbronn-Franken im sonnigen Kalifornien eine große, weltweit ausstrahlende Dynamik, wie er letzte Woche bei der Vollversammlung der Kammer im Heilbronner Haus der Wirtschaft berichtete. Und so sei ihm beim Vergleich des weltberühmten IT-Mekkas mit seiner ebenfalls wirtschaftsstarken Heimat aufgefallen: Deutschland habe bei der Digitalisierung – auch gegenüber aufstrebenden IT-Nationen wie China oder Israel – international den Anschluss verpasst.

Weiterer Netzausbau

Die Einschätzung ihres Präsidenten spiegelt sich auch im Positionspapier „Wirtschaft digital“ der IHK wider. Bezüglich eines leistungsfähigen Datennetzes heißt es darin: „Deutschland ist hier gegenüber anderen starken Wirtschaftsnationen zurückgefallen, zudem findet sich die Region Heilbronn-Franken im Vergleich zu anderen europäischen Metropolregionen nicht auf dem gleichen Niveau.“

Um den Rückstand aufzuholen, hat die Vollversammlung letzte Woche einstimmig beschlossen, ihre vor rund drei Jahren festgelegte Position „Wirtschaft digital“ fortzuschreiben. Sie fordert ein flächendeckend ausgebautes Glasfasernetz im ländlichen Raum und  eine bedarfsgerechte Versorgung mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G in der Fläche.

Weitere Inhalte des zehnseitigen Papiers: Die Kammer betont die Notwendigkeit einer politischen Agenda und eines verlässlichen Rechtsrahmens, der Unternehmen besser vor Cyber-Attacken schützt und ihnen einen sicheren elektronischen Geschäftsverkehr ermöglicht. Sie macht sich dafür stark, dass mehr digitale Inhalte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen vermittelt werden. Sie will das Land dabei unterstützen, das Potenzial der heimischen Wirtschaft im Bereich „Industrie 4.0“ weiter auszubauen. Sie spricht sich dafür aus, die Verwaltung im Sinne einer „Hightech-Verwaltung“ zu modernisieren – also nicht nur zu digitalisieren, sondern gleichzeitig zu optimieren und zu vereinheitlichen – und dabei Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft einzubinden. Auch allgemein soll die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft gefördert werden. Nicht zuletzt fordert die IHK die gesellschaftlichen Akteure auf, in Deutschland ein Umfeld zu schaffen, das die Gründung von IT-Start-ups begünstigt – etwa durch ein entsprechendes Steuerrecht und vereinfachte bürokratische Prozesse.

Des Weiteren beschloss die Kammer, einen strategiebegleitenden IHK-Beirat zum  Zukunftsfeld „Wirtschaft digital“ einzusetzen, eine Gigabit-Allianz Heilbronn-Franken zu initiieren sowie eine IT-Strategie umzusetzen, welche die Vorgehensweise und die Maßnahmen der IHK Heilbronn-Franken  bei der Digitalisierung der Kundenbeziehungen und internen Prozesse beschreibt.

Der strategiebegleitende Beirat soll sich aus Mitgliedern der IHK-Vollversammlung und aus externen Fachleuten zusammensetzen, seine Mitglieder werden durch das Präsidium ernannt. Inhaltlich wird er sich mit Themen aus dem Feld „Wirtschaft digital“ beschäftigen und Themenschwerpunkte setzen.

Die Gigabit-Allianz ging Anfang November aus der Gesellschafterversammlung der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken (WHF) hervor. Dort schlug die IHK vor, einen Zusammenschluss zu gründen, dessen Ziel der flächendeckende Ausbau mit Glasfaser- und Mobilfunknetzen sein soll. Die Allianz aus wichtigen regionalen Akteuren soll Wirtschaft, Kommunen und Politik zusammenführen: Neben der IHK und der Handwerkskammer sollen ihm auch die fünf Stadt- und Landkreise der Region, der Regionalverband Heilbronn-Franken und das baden-württembergische Innenministerium angehören. In Abstimmung mit der Kammer will die WHF einen konzeptionellen Vorschlag erarbeiten.

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Jahre gibt die Kammer in ihrem Positionspapier „Wirtschaft digital“ als Höchstzeitraum an, bis alle Nutzer in Heilbronn-Franken Zugang zum Glasfasernetz haben sollen.

Weitere Themen und Beschlüsse


Eine Niederlage musste die IHK Heilbronn-Franken Mitte November vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht einstecken: Den Klagen dreier Mitgliedsbetriebe gegen Beitragsbescheide früherer Jahre wurde stattgegeben. „Wir haben uns – meine ich – sehr gut geschlagen, waren gut vorbereitet und konnten alle Fragen beantworten“, berichtete Kammer-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring über die Gerichtsverhandlung und stellte die generelle Frage in den Raum: „Kann eine Kammer in dieser Frage überhaupt gewinnen?“ Eine Begründung des Urteils liegt noch nicht vor.

Des Weiteren beschloss die Vollversammlung, den Beitragsumlagesatz ab 1. Januar 2019 von 0,16 auf 0,19 Prozent anzuheben. Für das Jahr 2018 wird im Nachtrag-Wirtschaftsplan ein Jahresfehlbetrag von 3,1 Millionen Euro prognostiziert, der durch Entnahmen aus den Rücklagen ausgeglichen wird.  Für das Wirtschaftsjahr 2019 wird ein Jahresfehlbetrag von 1,65 Millionen Euro erwartet. Dieser resultiert vor allem aus Digitalisierungsmaßnahmen der IHK-Organisation, zusätzlichen hoheitlichen Aufgaben sowie aus dem negativen Finanzergebnis.

Zum Abschluss der Sitzung wurde das frühere Vollversammlungsmitglied Ralf Klenk geehrt: Der Mitbegründer des Neckarsulmer IT-Dienstleisters Bechtle empfing die goldene Ehrennadel der Kammer von Präsident Harald Unkelbach und Elke Döring für sein Engagement in der Vollversammlung zum Wohl der regionalen Wirtschaft. Klenk gehörte dem Gremium von 1998 bis diesen Februar für insgesamt fast 16 Jahre an. Der Unternehmer ist ehrenamtlich sehr aktiv, vor allem als Vorsitzender der von ihm begründeten wohltätigen Stiftung „Große Hilfe für kleine Helden“. „Ich bin das Gegenteil von globalisiert“, sagte Klenk in seiner Dankesrede: Er stamme aus Heilbronn, habe mit Bechtle sein Lebenswerk begründet und sein Wirken nach einem persönlichen Schicksalsschlag in den sozialen Bereich verlagert.