Schwäbisch Hall Die Tücke des "Eh-da-Prinzips"

Unternehmerfrauen beim Jubiläum anlässlich des 25-Jahr-Bestehens. Vorn rechts die Gründungsvorsitzende Helga Kühne, am Ende des Tisches die aktuelle Vorsitzende Wiebke Bißwanger. Privatfoto
Unternehmerfrauen beim Jubiläum anlässlich des 25-Jahr-Bestehens. Vorn rechts die Gründungsvorsitzende Helga Kühne, am Ende des Tisches die aktuelle Vorsitzende Wiebke Bißwanger. Privatfoto
Schwäbisch Hall / JÜRGEN STEGMAIER 06.11.2014
Die Frau heiratet in einen Handwerksbetrieb ein. Plötzlich ist sie auch Chefin, Personalverantwortliche, Buchhalterin und Kundenberaterin. Dieser Spagat gelingt meist nicht ohne Hilfe.

Dass sich die Frauen aus Handwerksbetrieben vor einem Vierteljahrhundert zusammengeschlossen haben, hat auch mit dem Rollenverständnis von Mann und Frau zu der damaligen Zeit zu tun. Der Handwerksmeister war meist der Patriarch, der hart und gewissenhaft arbeitete. Die Frau musste den Rest im Griff haben - Haushalt, Familie, Büro. Oft gilt und galt das "Eh-da-Prinzip" - die Frau ist ja eh da.

"Es war eine Notwendigkeit, dass wir die Unternehmerfrauen gegründet haben. Doch anfangs wurden wir ein bisschen belächelt", erzählt Wiebke Bißwanger aus Vellberg. Sie und ihre Mitstreiterinnen können nur darüber schmunzeln, wenn ihre Treffen als Kaffeekränzchen bezeichnet werden.

"Wir können unter Gleichgesinnten unsere Erfahrungen austauschen. Man merkt: Ich bin nicht allein", macht Sabine Philipp deutlich. Sie ist bei den Unternehmerfrauen zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Sabine Philipp weiß von Handwerksfrauen, die sich mit ihren vielfältigen Aufgaben verlassen vorkommen und niemand haben, den sie fragen können. Diese Kluft versuchen die Handwerksfrauen zu überbrücken. Einerseits ging es darum, auch mal mit jemandem zusammenzusitzen, dem es genauso geht. Andererseits organisiert der Arbeitskreis Vorträge, Seminare und Schulungen, in denen Wissen vermittelt wird: den Kern einer Bilanz erfassen; Grundzüge der Buchhaltung erlernen; was den guten Ton am Telefon ausmacht, wie die Technik funktioniert . . .

Wiebke Bißwanger ist die Vorsitzende des Arbeitskreises. Sie weiß, wovon sie spricht. Sie arbeitet zusammen mit vier Geschwistern im elterlichen Betrieb. Dabei stellt sie oft genug fest: Männer und Frauen kommunizieren ganz unterschiedlich. Das kann zu Missverständnissen und Streit führen.

Im Alltag vieler Handwerkerfamilien dreht sich nahezu alles um den Betrieb. "Man hat nie Feierabend", erkennt Sabine Philipp.

Auch für die Partnerschaft kann ein Betrieb eine erhebliche Herausforderung sein. Wiebke Bißwanger geht aber davon aus, dass die Schwelle, sich zu trennen, höher ist bei Partnern, die in einem Betrieb gemeinsam arbeiten. Einerseits werde eine hohe Verantwortung für Unternehmen und Mitarbeiter wahrgenommen. Andererseits verliert die Frau im Fall einer Trennung meist alles, auch ihr wirtschaftliches Standbein. Zwar habe sich das in den vergangenen Jahren geändert, doch früher haben die Frauen im eigenen Betrieb kein festes Gehalt bezogen.

Dem Arbeitskreis Hall-Crailsheim gehören etwa 70 Frauen an

Jubiläum Der Arbeitskreis Unternehmerfrauen im Handwerk Schwäbisch Hall-Crailsheim hat sich vor 25 Jahren gegründet. Dieser Tage wurde das Jubiläum gefeiert. Erste Vorsitzende vor einem Vierteljahrhundert war Helga Kühne. Inzwischen ist sie Ehrenvorsitzende. Begonnen hatten die Unternehmerfrauen 1989 mit rund 80 Mitgliedern. Zwischenzeitlich gehörten dem Arbeitskreis 110 Frauen an, inzwischen sind es etwa 70. Die jüngste ist 28 Jahre alt.

SWP