Schwäbisch Hall Die sieben Lebenswelten oder "Wie ticken Jugendliche?"

Schwäbisch Hall / HOUARIA NUNA BOUIDIA 20.11.2013
Wie wachsen Jugendliche heute auf? Die Sinus-Studie gibt darauf sieben Antworten. Co-Autor Peter Martin Thomas stellt die Studie in Hall vor. Etwa 120 Jugendliche, Lehrer und Psychologen lauschen ihm.

Unter dem Titel "Wie ticken Jugendliche?" sprach Peter Martin Thomas am Donnerstag im Haller Haus der Bildung. Das Sinus-Institut, für das er arbeitet, betreibt Milieu- und Marktforschung.

Thomas testet zunächst das Wissen der Gäste darüber, wie Jugendliche heute sind. Er hat das Spiel "Wer wird Millionär" vorbereitet; die Zuhörer finden es sehr lustig. Dann stellt er die sieben Lebenswelten vor, in welche die Sinus-Studie die Jugendlichen einordnet.

Adaptiv-pragmatisch: Jugendliche, die gerne lesen und lernen. Sie hören RnB, Deutsch-Rap und Balladen und schauen grob über Zeitungen. Ihnen seien Familie, Anerkennung und Zielstrebigkeit wichtig.

Jugendliche sind optimistisch, aber auch unsicher

Konservativ-bürgerlich: Sie haben genaue Ziele, wollen Sicherheit und Geborgenheit. Ihnen sind Hobbies, ein Auto, Ferien, Spaß, Musik und Freunde wichtig. Sie fühlen sich unter Gleichaltrigen eher unsicher und uncool, meint Thomas.

Materialistische Hedonisten: Sie sind markenbewusst, haben Konsumwünsche, wollen Anerkennung und Zugehörigkeit. Bei ihnen sei kaum Platz für Bildung, sondern für Stars, Computerspiele, Fernsehen und Facebook. Sie achten sehr auf ihr Aussehen.

Experimentalistische Hedonisten: Dazu zählen Punks, Emos und Graffitysprayer. Sie wollen sich treiben lassen, zeigen wenig Interesse an der Schule. Sie hören ausgefallene Musik. Ihnen ist Spaß wichtiger als Familie.

Prekäre Jugendliche: Sie lernen ungern und haben große Erwartungen, obwohl sie nichts besitzen. Viele haben Erfahrung mit Gewalt und Drogen. Ihnen sind Parties, Spaß und Zusammenhalt wichtig.

Expeditive Jugendliche: Sie sind künstlerisch aktiv und lesen Jugendmagazine. Ihr Musikstil grenzt sich ab. Sie haben einen straff organisierten Alltag und vielfältige Interessen.

Sozialökonomische Jugendliche: Sie wollen die Welt besser machen, wollen viel reisen und schauen im Fernsehen fast nur Dokumentationen an. Ihre Zimmer zeigen deutlich, dass sie gegen Atomkraftwerke sind. Ihnen ist Unabhängigkeit, Freiheit und Mobilität wichtig.

Für alle Jugendlichen gilt: Sie sind optimistisch, aber auch unsicher. Viele denken, man sei heute nur noch etwas wert, wenn man gute Leistungen bringt. Die Zuordnung zu einer der Lebenswelten ist für die meisten Menschen nicht eindeutig, fügt Thomas noch an.

So sehen es auch die Zuhörer. Birgit Esser-Wischkony aus Hall sagt: "Dafür, dass der Vortrag sehr kurzweilig war, hat der Autor viel vermitteln können. Ich persönlich habe mich nicht konkret einer Lebenswelt zuordnen können." Und Hadjer Laribi (13 Jahre) vom Erasmus-Widmann-Gymnasium meint: "Es ist interessant, zu hören, was es noch für Jugendliche in Deutschland gibt, die anders ticken. Ich sehe mich nicht nur in einer Lebenswelt, sondern in der prekären, expeditiven und in der adaptiv-pragmatischen Lebenswelt."

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